Virus H7N9 in China Die Vogelgrippe ist überall

In China hat sich das Vogelgrippe-Virus H7N9 massiv ausgebreitet. Ohne gezielte Sicherheitsmaßnahmen könne es bald auch auf andere Staaten übergreifen, warnen Forscher. Der Subtyp kann auch für Menschen gefährlich werden.

Getötete Hühner in China (Archiv): H7N9 hat sich weiterentwickelt und ausgebreitet
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Getötete Hühner in China (Archiv): H7N9 hat sich weiterentwickelt und ausgebreitet


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Der aggressive Vogelgrippe-Erreger H7N9 hat sich einer Studie zufolge im größten Teil Chinas ausgebreitet und droht auf andere Länder überzuspringen. Das Virus sei bei Hühnern in dem Land fest etabliert und ein Hauptkandidat für eine Pandemie unter Menschen, mahnt ein internationales Forscherteam unter chinesischer Leitung.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Erreger in anderen Ländern Fuß fasse, berichten Yi Guan vom Third People's Hospital im südchinesischen Shenzhen und Kollegen im Fachmagazin "Nature". Anfang 2015 war ein H7-Subtyp bereits auf einer Geflügelfarm im Süden Englands aufgetaucht. Eine unmittelbare Bedrohung für den Menschen besteht derzeit aber nicht.

Vier von zehn Infizierten sterben

Thorsten Wolff vom Robert Koch-Institut (RKI) sieht in der Studie eine Momentaufnahme der derzeitigen H7N9-Situation, sie biete keinen akuten Grund zur Sorge. "Um eine Pandemie auszulösen, müsste sich der Erreger unter Menschen verbreiten", sagt der Virologe. "Dafür gibt es derzeit keine Hinweise, Gott sei Dank."

Man könne sich das Virus zwar zurzeit nicht leicht zuziehen. "Aber wenn man es bekommt, dann ist die Letalität sehr hoch", so der Experte. Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Sterblichkeit unter den bekanntgewordenen Fällen bei knapp 40 Prozent. Das sei immens, sagt Wolff.

Analyse zahlloser Proben

Der erste H7N9-Ausbruch im Osten von China begann Anfang 2013 und schien nach wenigen Monaten bereits abgewendet. Doch im Herbst 2013 kehrte der Vogelgrippe-Erreger zurück - weit heftiger als zuvor. Von Oktober 2013 bis Februar 2015 registrierte die WHO 571 Erkrankungen, 212 Patienten starben, meist an Lungenentzündung. Sorge bereite vor allem der Umstand, dass H7 einer der wenigen Influenza-Subtypen sei, der sich auch bei Säugetieren etabliert habe, schreiben die Forscher.

Um die Entwicklung des Erregers nachzuverfolgen, hatten die Wissenschaftler in 15 Städten in fünf chinesischen Provinzen tausende Proben genommen, vor allem auf Geflügelmärkten und -farmen, aber auch von erkrankten Menschen.

Sie fanden den Erreger im Schnitt bei drei von Hundert Abstrichen aus dem Rachenraum von Hühnern. In Kotproben war das Virus dagegen extrem selten nachweisbar. Bei Hausenten trat es gar nicht auf. Daraus folgern die Wissenschaftler, dass Hühner, die selbst keine Symptome entwickeln, den Erreger über den Rachenraum weitergeben.

Märkte dicht machen, Schlachtstellen einrichten

Das Virus habe sich bei Hühnern fest etabliert und vor allem entlang von Handelsrouten verbreitet. "Nach den jüngsten Berichten über H7N9-Infektionen in Xinjiang im äußeren Nordwesten von China kommt das H7N9-Virus nun wahrscheinlich im größten Teil des Landes vor", schreiben die Forscher. "Angesichts des derzeitigen Verbreitungsmusters ist es nur eine Frage der Zeit, bevor der Geflügelhandel das Virus durch grenzüberschreitende Verkäufe über China hinaus verbreitet."

Genetische Untersuchungen zeigen, dass die drei Hauptvarianten der zweiten Welle von einem Erreger der ersten Ausbruchsphase abstammten, sich aber in verschiedenen Gegenden abspalteten und verbreiteten. Insgesamt kursieren demnach inzwischen viele genetisch unterschiedliche Varianten von H7N9. Zudem vermischt sich das Virus mit anderen zirkulierenden Erregern. So fanden die Forscher den Typ H7N6, eine Mischung aus H7N9 und H5N6.

Die Wissenschaftler plädieren für Kontrollmaßnahmen - etwa die kontinuierliche Überwachung des Virus, eine dauerhafte Schließung von Märkten mit Lebendgeflügel, die Einrichtung zentraler Schlachtstellen und im Falle eines größeren Ausbruchs ein Transportverbot. Andernfalls müsse man mit einer großen Zahl von Infektionen bei Menschen rechnen. H7N9 sei der Hauptkandidat für eine Vogelgrippe-Pandemie.

Zusammengefasst: Das Vogelgrippe-Virus H7N9, das auch den Menschen befallen kann, kommt inzwischen in fast allen Landesteilen Chinas vor, zeigt eine Studie. Vor allem entlang von Handelsrouten ist es zu finden. Forscher befürchten, dass sich der Erreger weiter ausbreiten und auch auf andere Länder übergehen wird. Sie plädieren für strenge Kontrollen, etwa die Schließung von Märkten mit Lebendgeflügel und die Einrichtung zentraler Schlachtstellen.

jme/dpa

insgesamt 2 Beiträge
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Knossos 13.03.2015
1. Der Spiegel selbst
berichtete einst, wie diese Viren zustande kommen. In China gibt es im Hinterhof von Wohnhäusern traditionell Gruben, die als Latrinen genutzt werden. Gleichzeitig hält man in diesen Gruben Hühner und Schweine, die gezwungener Maßen von menschlichen Exkrementen leben müssen. Solche Virenmutationen sind die Quittung vom unsäglichen Umgang mit Mitgeschöpfen. Es ist längst an der Zeit, daß man im Westen die Stimme gegen die Tierquälerei in Asien und Afrika erhebt. Wenn man sich dafür zu opportun und `politisch korrekt´ hielt, um fahrlässigen und barbarischen Umgang mit Tieren zur Sprache zu bringen, dann sollte es spätesten jetzt bei Bedrohung der Weltgesundheit endlich erfolgen.
regelaltersrentner 15.03.2015
2.
Komisch dieser Bericht, in Deutschland ist die "Massentierhaltung" an der Vogelgippe schuld.
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