Vogelgrippe in Afrika Experten befürchten Einschleppung nach Deutschland

In Nigeria ist die Vogelgrippe inzwischen in mehreren Orten ausgebrochen. Angesichts der neuen Infektionen halten es Wissenschaftler für möglich, dass Zugvögel das H5N1-Virus nach Europa und Deutschland tragen.

Angesichts der Vogelgrippe-Epidemie in Teilen Asiens, der Türkei und nun auch in Afrika steigt nach Ansicht von Experten die Gefahr, dass die Tierseuche auch in Mitteleuropa ausbricht. Erst gestern hatte die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) den auch für Menschen gefährlichen Vogelgrippe-Erreger H5N1 in Afrika gemeldet. In Nigeria waren mehrere Zehntausend Vögel auf einer Geflügelfarm verendet.

Nun ist der Erreger an zwei weiteren Orten im Norden des afrikanischen Landes festgestellt worden. Anders als in Asien und Europa müsse jetzt ein Kontinent vor der weiteren Ausbreitung der Seuche bewahrt werden, dessen tiermedizinisches System nur schwach entwickelt sei, sagte Alex Thiermann von der OIE. Am heutigen Freitag wollen Experten der OIE und anderer Organisationen zur Erkundung der Situation nach Nigeria fliegen.

Auch Deutschland könnte indirekt vom Auftreten des H5N1-Virus in Afrika betroffen sein. Die Fälle bei Geflügel in Nigeria bestätigten die Auffassung, dass eine Einschleppung des Virus über Zugvögel "eine reale Gefahr darstellt", erklärte Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems.

Risikofaktor Vogelzug-Routen

Nach Einschätzung der deutschen Experten geht vor allem von Zugvögeln, die auf der Ost-Route über den Nahen Osten und die Türkei nach Europa fliegen, ein Einschleppungsrisiko aus. Da nicht vorhersehbar sei, in welchen Gebieten in Deutschland die Vögel rasten, sei die bundesweite Geflügel-Stallpflicht ab dem 1. März sinnvoll, erklärten Vertreter von Bund und Ländern. Das Aufstallungsgebot soll für mindestens zwei Monate gelten.

In dem Geflügelbetrieb in der nordnigerianischen Provinz Kaduna waren 46.000 Hühner, Gänse und Strauße an der Seuche gestorben. Das H5N1-Virus wurde wenig später auch in den Nachbarregionen Kano und Plateau festgestellt, wie ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums mitteilte. Die Regierung tue alles, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Gesundheitsbehörden ordneten für alle Geflügelfarmen im Norden des Landes eine Quarantäne an.

In Rumänien werden unterdessen erneut Hühner im Donau-Delta getötet, nachdem dort auf einem Familienhof ein neuer Vogelgrippe-Verdachtsfall aufgetreten war. Das Dorf Jurilovca wurde unter Quarantäne gestellt. Seit Oktober vergangenen Jahres wurden in Rumänien 55.000 Nutzvögel getötet.

stx/ap/dpa

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