Vogelgrippe Kein weiterer H5N1-Fall im Dresdner Zoo

Ein zweiter toter Vogel aus dem Dresdner Zoo war nicht mit H5N1 infiziert. Auch der Zwischenstand der Tests im Bestand des Tierparks weist darauf hin: Die Vogelgrippe im Gehege könnte ein Einzelfall gewesen sein.


Knapp sechs Monate nach dem ersten Fund von H5N1-infizierten Vogelkadavern auf der Insel Rügen hatte ein toter Schwan im Dresdner Zoo vergangene Woche für Aufregung gesorgt: Das Tier trug den Erreger H5N1 in sich - der erste Fall dieser Art in Deutschland seit rund drei Monaten.

Jetzt konnte das sächsische Sozialministerium Entwarnung geben: Das zweite tot aufgefundene Tier aus dem Bestand des Tierparks, eine Reiherente, war nach Untersuchungen des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Ostseeinsel Riems nicht mit dem Virus infiziert.

Zoodirektor Karl-Heinz Ukena hofft, dass auch die anderen getesteten Tiere keine Ansteckung aufweisen werden. Dazu gehören unter anderem Gänse, Hühner und Pfauen. Die weiteren Untersuchungen von Vogelproben aus dem Tierpark haben bislang keine Hinweise auf eine Infektionen mit H5N1 ergeben. Die Analysen dauern jedoch noch an. Mit einem abschließenden Ergebnis rechnete das Ministerium erst für Ende der Woche.

Die Vogelgrippe
Virus
DDP
Die Vogelgrippe, auch als Aviäre Influenza bekannt, ist eine hochansteckende Viruskrankheit und befällt vor allem Hühner und Puten, aber auch Wildvögel, Fasane und Perlhühner. Der Virusstamm H5N1 ist eine besonders aggressive Variante, die bei 80 bis 100 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb weniger Tage zum Tod führt. In seltenen Fällen können sich auch Menschen anstecken. Weltweit wurden bisher über 300 solcher Fälle festgestellt, die meisten in Asien. Fast 200 Menschen starben. Die meisten hatten beruflich mit Geflügel zu tun.

Übertragen wird die Seuche von Tier zu Tier durch direkte Berührung, über Kot, Speichel und Tränenflüssigkeit oder über Kontakt mit infiziertem Material wie Transportkisten oder Eierkartons. Bei starker Staubentwicklung ist auch eine indirekte Ansteckung über die Luft möglich.
Symptome
AP
Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt meist 3 bis 14 Tage. Oft treten hohes Fieber, Atemwegsprobleme, Schwarzfärbung von Kamm und Kehllappen, Mattigkeit, Fressunlust, verminderte Legeleistung und Durchfall auf. Die Tiere können aber auch plötzlich tot umfallen oder ersticken.
Gefahr für Menschen
AP
Forscher sind besorgt, dass H5N1 mutieren könnte, bis es von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Neuere Forschungsergebnisse bestätigen diese Befürchtung: Der Subtyp H1N1, der von 1918 bis 1920 als Spanische Grippe grassierte und bis zu 50 Millionen Tote forderte, war ein reines Vogelvirus, das sich an den Menschen angepasst hat. Denkbar ist auch eine Doppelinfektion eines Menschen oder eines Schweins mit menschlichen und tierischen Erregern. Dabei könnte sich eine Virus-Variante bilden, die eine verheerende weltweite Seuche - eine sogenannte Pandemie - auslösen könnte.
Behandlung
Zwei Medikamente können Menschen im unwahrscheinlichen Fall einer H5N1-Infektion helfen: Die antiviralen Medikamente Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline). Tamiflu gibt es als Tablette oder Saft, Relenza als Pulver, das inhaliert wird. Sie werden auch Neuraminidase-Hemmer genannt. Neuraminidase ist eine Eiweißstruktur an der Virushülle. Wird diese Struktur von den Medikamenten blockiert, können neu gebildete Influenza-Viren die Wirtszelle nicht mehr verlassen und sich daher nicht weiter im Körper ausbreiten. Die deutschen Bundesländer haben 2006 beschlossen, mehr als acht Millionen Dosen beider Medikamente als Vorsichtsmaßnahme kaufen. Sie sollen die Monate zwischen einem Pandemie-Ausbruch und der Entwicklung eines Impfstoffs überbrücken.

Bei dem Dresdner Schwan handelt es sich um den ersten Fall, in dem das H5N1-Virus in einem deutschen Tierpark auftrat. Rund um den Fundort hatten die Behörden umgehend eine Drei-Kilometer-Sperrzone eingerichtet. Kein Geflügel darf hinein- oder herausgebracht werden.

stx/ddp



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