Vogelgrippe Rügen räumt Vogelkadaver nicht rechtzeitig
Bis zehn Uhr am heutigen Freitag müssten alle toten Vögel in Rügen eingesammelt sein. Das hatte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) gefordert. Doch die Rügener Behörden ließen diese Frist verstreichen. Landrätin Kerstin Kassner sagte, dass "wir diese Bitte nicht erfüllen können". Es sei eine "Sisyphusarbeit": Sobald ein toter Vogel beseitigt sei, sterbe in unmittelbarer Nähe ein anderer.
Sowohl das Landratsamt in Bergen auf Rügen als auch die Landesregierung in Schwerin waren wegen der Reaktion auf den H5N1-Ausbruch auf der Ostseeinsel in die Kritik geraten: Zu langsam sei die Reaktion, zu lange hätten tote Tiere herumgelegen.
"Der schönste Notfallplan hilft nichts, wenn er in der Praxis nicht konsequent angewandt wird", sagte Seehofer in der ZDF-Sendung "Berlin Mitte". Seit Jahren gebe es entsprechende Notfallpläne und Übungen.
Ihm sei unerklärlich, wie der zuständige Kreis dennoch so lange brauchen konnte, um auf Rügen die toten Schwäne wegzuschaffen, kritisierte der CSU-Politiker. "Bei uns kann sich überhaupt niemand erklären, wie ein Veterinär bei einem Landratsamt keinen Schutzanzug hat. Das ist ja das Selbstverständlichste überhaupt." Seehofer verteidigte Schutzmaßnahmen wie die Stallpflicht für Geflügel. Sie tritt bundesweit heute wieder in Kraft. Bei einem Verstoß drohen Bußgelder bis 25.000 Euro.
Gesundheitsministerin prangert Länderhoheit an
Ähnlich äußerte sich auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt. Sie beklagte, die 16 Bundesländer zeichneten sich durch eine "sehr große Eigenständigkeit" und ein "sehr großes Beharren" aus. So sei etwa die Einrichtung einer Pandemiekommission von den Bundesländern abgelehnt worden. "Wir haben in unserem Staat keine Weisungsbefugnis", sagte Schmidt.
Die Vogelgrippe
Auf Rügen erhöhte sich die Zahl der mit dem Virus H5N1 infizierten Tiere mittlerweile auf 13. Insgesamt seien gestern 37 tot aufgefundene Vögel am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit auf Riems angeliefert worden, teilte FLI-Präsident Thomas Mettenleiter mit. Bei sechs Tieren sei eine Untersuchung wegen des schlechten Erhaltungszustandes nicht möglich gewesen. Von 31 untersuchten Tieren hätten zehn das Influenzavirus vom Typ H5N1 aufgewiesen.
"Die Lage hat sich extrem zugespitzt", gab der Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), zu. Bei den zehn neuen Fällen handelt es sich den Angaben zufolge um sechs Höckerschwäne, drei Singschwäne und eine Gans. "Die Ergebnisse zeigen, dass Schwäne entweder besonders häufig Träger des Virus' oder aber besonders anfällig für die Infektion sind", sagte Mettenleiter. Er kündigte an, dass die Untersuchungen an tot aufgefundenen Vögeln in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.
Erstmals große Gruppe toter Tiere abseits Rügens
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in Anbetracht der neuen Funde auf Rügen vor überzogenen Reaktionen gewarnt. "Es gibt keinen Grund, dass wir nun panisch reagieren", sagte Merkel im ZDF. "Menschen brauchen sich im Moment keine Gedanken zu machen."
Ein Fund von 50 toten Schwänen im Greifswalder Bodden südlich von Rügen ist der erste größere auf dem deutschen Festland. Die Tiere waren an einem rund fünfhundert Meter breiten Uferabschnitt verendet. Proben der Kadaver werden in Rostock auf H5N1 überprüft.
als/stx/dpa/afp