Vogelgrippe Schutzmaßnahmen treten in Kraft

Von heute ab gelten in den Vogelgrippegebieten in fünf Bundesländern die verschärften Schutzmaßnahmen gegen die Seuche. In Asien wächst unterdessen die Furcht vor einer Mutation des Erregers.


Mannheim/Berlin/Peking - Per Bundesverordnung gilt von heute an: Freilaufverbot für Hund und Katze im Umkreis von zehn Kilometern um Vogelgrippe-Fundorte. Im engeren Umkreis von drei Kilometern haben Fremde Stallverbot in Geflügelbetrieben. Nur Mitarbeiter und Tierärzte dürfen den Hof betreten. Dies gilt für Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Brandenburg und Bayern.

Erstmals wurde am Freitag ein Vogelgrippefall in einer deutschen Großstadt festgestellt: Bei einer toten Wildente in Mannheim wurde das gefährliche Virus H5N1 nachgewiesen. Eine Drei-Kilometer-Zone um den Fundort gilt als Sperrbezirk. Das Ergebnis der Virus-Untersuchung soll bereits am Wochenende vorliegen. Spätestens morgen werde bekannt sein, ob die in Mannheim gefundene tote Wildente den hochaggressiven Asia-Typ in sich trug, sagte Baden-Württembergs Agrarminister Peter Hauk (CDU) am Freitagabend.

Der erste Vogelgrippe-Fall am Oberrhein - nach vier Fällen am Bodensee - habe sein Ministerium "nicht sonderlich überrascht": "Baden-Württemberg zählt zu dem Bundesland, das mit die größte Vogelpopulation überhaupt hat", sagte Hauk. Das Zusammenspiel zwischen den drei betroffenen Bundesländern im Drei-Länder-Eck - das Beobachtungsgebiet umfasst auch Kreise in Rheinland-Pfalz und Hessen - habe hervorragend funktioniert.

Bei Berlin fanden Forscher in den brandenburgischen Landkreisen Barnim und Märkisch-Oderland den Erreger bei einem toten Blesshuhn und einem Schwan. In Brück bei Potsdam trug ein Turmfalke das H5N1- Virus in sich.

Trotz des ersten Vogelgrippefundes in einer Großstadt ist in Deutschland nach Ansicht des Marburger Virologen Hans-Dieter Klenk keine neue Gefahrenstufe erreicht. "Eine andere Dimension ist es nicht. Das Virus taucht eben überall da auf, wo Vögel wie Wildenten und Wildgänse sind", hatte Klenk gesagt.

Bayern verschärfte die Maßnahmen gegen die Vogelgrippe ein weiteres Mal. In den Schutzzonen werden Wildtiere wie Marder oder Füchse, die das Fleisch verendeter Tiere fressen, ab sofort auf das H5N1-Virus untersucht. Zudem wurden der Hausarrest für Katzen und der Leinenzwang für Hunde auf das Zehn-Kilometer-Beobachtungsgebiet ausgeweitet. Die Zahl der bestätigten Vogelgrippefälle stieg in Deutschland auf mehr als 140. Außer bei dem verendeten Kater auf Rügen wurde der Erreger aber bei keinem weiteren Säugetier gefunden.

Todesfälle in Fernost

China hat einen weiteren Todesfall bei einem Menschen mit Vogelgrippe-Verdacht gemeldet. Wie die staatlichen Medien heute berichteten, starb am Donnerstag ein 32-jähriger Mann in der südlichen Provinz Guangzhou vermutlich an dem lebensgefährlichen Grippeerreger H5N1. Die Nachrichtanagentur Xinhua meldete, der Mann habe engen Kontakt zu Geflügel gehabt und sich in der Nähe von Schlachtorten aufgehalten. Bisher waren in China nach Angaben des Gesundheitsministeriums 14 Fälle von Vogelgrippe beim Menschen bekannt geworden. Acht von ihnen endeten den Angaben zufolge tödlich.

Auch in Indonesien ist wahrscheinlich ein weiterer Mensch an der Vogelgrippe gestorben. Wie ein Sprecher des indonesischen Gesundheitsministeriums heute unter Berufung auf örtliche Tests mitteilte, starb ein dreijähriger Junge am Dienstag in einem Krankenhaus der Stadt Semarang auf Java. Sollte im Labor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Hongkong ein Vergleichstest den Verdacht auf die gefährliche H5N1-Variante der Vogelgrippe bestätigen, wäre es bereits der 21. Vogelgrippe-Todesfall in Indonesien.

Die indonesischen Behörden befürchten, dass mit der Häufung der Todesfälle die Gefahr einer Mutation des Virus steigt. Gesundheitsexperten hatten wiederholt darauf hingewiesen, es könne eine weltweite Vogelgrippe-Pandemie bei Menschen geben, wenn das Virus die Fähigkeit zur Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch erlangt. Seit 2003 starben weltweit mehr als 90 Menschen an der Vogelgrippe, die meisten von ihnen in Asien.

suc/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.