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Alarm auf Fogo: Gesteinsbrei im Haus

Foto: Nicolau Centeio/ dpa

Kapverdische Inseln Lavamassen löschen Dörfer aus

Auf den Kapverden läuft seit zwei Wochen Lava aus dem Vulkan Fogo - sie hat schon zwei Dörfer begraben. Stürzt der Gesteinsbrei über eine Klippe, ist ein 10.000-Einwohner-Ort gefährdet.

Zwei Dörfer sind zerstört, sie wurden von Lava überschwemmt. Das Ende des Vulkanausbruchs auf der Kap-Verde-Insel Fogo ist nicht absehbar, unerbittlich kriecht die Lava voran, etwa 300 Meter am Tag. Es droht nun ein noch größeres Desaster.

Bisher flossen die glühenden Massen auf der Insel vor der Westküste Afrikas in den Talkessel Chã das Caldeiras in 1700 Meter Höhe. Aber der Lavastrom könnte bald die Hänge des kegelförmigen Vulkans erreichen und sich dort mit erhöhter Geschwindigkeit in Richtung Atlantikküste ergießen. Dort liegt Mosteiros, mit knapp 10.000 Einwohnern die zweitgrößte Gemeinde der Insel.

"Wir stellen uns auf die schlimmsten Szenarien ein", sagte die Innenministerin der portugiesischen Ex-Kolonie, Marisa Morais. "Es ist zu erwarten, dass der Vulkanausbruch weiter geht. 1995 hatte er 56 Tage gedauert." Ministerpräsident José Maria Neves kündigte an, dass möglicherweise weitere Dörfer evakuiert werden müssten.

Von dem vor gut zwei Wochen begonnenen Vulkanausbruch waren bisher die Ortschaften Portela und Bangaeira betroffen. Die 1500 Bewohner wurden rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Ihre etwa hundert Jahre alten Dörfer liegen im Innern des Talkessels, der auf seiner Süd- und Westseite von Felswänden überragt wird - sie stehen nahezu senkrecht einen Kilometer hoch in den Himmel.

Rückkehr glich Trauermarsch

"Beide Dörfer wurden praktisch ausradiert", verlautete es aus Regierungskreisen. Ein Hotel, eine Pension, die Schule, die Sporthalle, zwei Kirchen, Dutzende Wohnhäuser und das Empfangsgebäude des Naturparks von Chã das Caldeiras wurden von den glühenden Lavamassen umspült und zum Einsturz gebracht.

Auch die Keller der Winzerei-Genossenschaft wurden größtenteils zerstört. Sie waren eine Besonderheit auf der Inselgruppe gewesen. Chã das Caldeiras (auf Deutsch: Ebene der Kessel) war das einzige Gebiet auf Kap Verde gewesen, in dem Wein angebaut werden konnte. Die Weinproduktion war die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Bewohner des Talkessels.

Die Bewohner von Chã das Caldeiras waren es gewohnt, mit den Gefahren des Vulkans zu leben. 1995 hatten sie ihre Dörfer schon einmal wegen eines Lavaausbruchs verlassen müssen. Die Schäden hielten sich jedoch in Grenzen, so dass die Bewohner später in ihre Häuser zurückkehren konnten. Nun aber wird eine Rückkehr kaum mehr möglich sein. Eine Expertenkommission prüft bereits, wo die Betroffenen neu angesiedelt werden können. Insgesamt leben auf Fogo gut 30.000 Menschen.

Mehrere Bewohner von Portela und Bangaeira versuchten kürzlich, von ihren Notunterkünften aus in einem Fußmarsch in die zerstörten Orte zu gelangen, um einige Güter aus ihren Wohnungen zu holen. Sie mussten angesichts der Lavamassen aber unverrichteter Dinge zurückkehren. "Die Rückkehr glich einem Trauermarsch", berichtete die Nachrichtenagentur Inforpress. "Sie bedeutete den endgültigen Abschied von Chã das Caldeiras."

boj/dpa
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