Wärme-Rekord Alpengletscher erneut geschrumpft

Die Alpengletscher sind erneut stark geschrumpft. Forscher haben in der Schweiz 91 der Eisriesen minutiös vermessen - und bei fast allen einen deutlichen Rückgang verzeichnet. Der Grund war der Winter 2006/2007 mit seinen rekordverdächtig hohen Temperaturen.


Zürich - Der rekordwarme Winter 2006/2007 hat den Schweizer Gletschern weiter zugesetzt. 88 von 91 ausgemessenen Gletschern haben sich in der jüngsten Messperiode weiter zurückgezogen, wie die für die Messung zuständigen Experten in der "Neuen Zürcher Zeitung" schreiben.

Während 88 Gletscher in der Messperiode 2006/2007 weiter an Länge verloren, wurde beim Glacier de Tseudet im Unterwallis ein geringer Vorstoß registriert. Bei zwei weiteren Gletschern blieb die Zungenposition unverändert, so die Forscher.

Der größte Schwund wurde mit 127 Metern am Vadret da Roseg im Bündnerland verzeichnet. An zweiter Stelle folgte der Gauligletscher im Berner Oberland mit einem Längenverlust von 100 Metern. Die Zungen dieser beiden Gletscher münden in einen See, was das Abschmelzen maßgeblich verstärkt, wie Martin Hölzle von der Expertenkommission für Kryosphäre schreibt.

Erneut hohe Verluste in der Eismasse

Zusätzlich zur Veränderung der Gletscherlänge wurde an den drei Gletschern Basodino, Gries und Silvretta der Massenhaushalt bestimmt, die Bilanz zwischen Schneezuwachs und Eisabtrag. Im Unterschied zur Längenänderung gebe die Massenbilanz die meteorologischen Bedingungen während der Messperiode deutlicher und ohne Verzögerung wieder, erklärt Hölzle.

Demnach haben alle drei Gletscher im Berichtsjahr an Masse eingebüßt. Nur dreimal während der vergangenen 15 Jahre - 1998, 2003 und 2006 - war der Gletscherschwund stärker als 2007, wie es in der Bilanz weiter heißt. Ausschlaggebend waren neben der Wärme vor allem die geringen Niederschläge im Winter.

Unterschiedlich hat sich der schneearme und milde Winter laut der Expertengruppe hingegen auf den Permafrost ausgewirkt. Steile und schneefreie Felswände seien durch die hohen Wintertemperaturen aufgewärmt worden. In der Eigernordwand auf 2800 Meter Höhe über dem Meeresspiegel seien zum Beispiel bereits in der zweiten Hälfte des Monats April durchwegs positive und im Vergleich zu früheren Jahren bis zu vier Grad wärmere Temperaturen gemessen worden.

Im flachen Gelände hingegen isolierte die Schneedecke laut Hölzle schlecht. Dadurch sei der Untergrund stärker der Winterkälte ausgesetzt gewesen, und der Permafrost habe sich in den obersten Metern ausgekühlt. In solchen Lagen war die mittlere gemessene Oberflächentemperatur rund ein Grad kälter als im Jahr 2003.

mbe/AP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.