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16. Februar 2017, 12:30 Uhr

Weniger Sauerstoff in Ozeanen

Den Fischen bleibt die Luft weg

Die Weltmeere enthalten heute deutlich weniger Sauerstoff als noch 1960. Bestimmte Gebiete könnten damit für Fische unbewohnbar werden.

Der Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren hat seit 1960 im Schnitt um mehr als zwei Prozent abgenommen. Das habe weitreichende Folgen etwa für Fische oder andere Organismen in ohnehin schon sauerstoffarmen Meeresregionen, schreiben Forscher des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in der Fachzeitschrift "Nature".

Insbesondere große Fische könnten in sauerstoffarmen Gebieten nicht überleben, sagt der Autor Sunke Schmidtko. "Sämtliche subtropischen Meeresgebiete, der Golf von Mexiko, aber auch die Ostsee gehören zu den sauerstoffschwachen Regionen", erläuterte der Wissenschaftler. Dort könnte sich die Situation nun verschärfen.

Verantwortlich für den geringeren Sauerstoffanteil sind den Forschern zufolge steigende Wassertemperaturen:

Bei weiter steigenden Temperaturen der Atmosphäre und damit auch des Wassers sei damit eine weitere Abnahme des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen anzunehmen. Der Sauerstoffgehalt sei in den meisten Ozeanregionen gesunken, und zwar um bis zu sieben Prozent, schreiben die Forscher in der Studie. Nur in ganz wenigen Fällen sei er gestiegen.

Rückgang nicht überall gleich stark

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler alle vorhandenen Sauerstoffdaten aus und ergänzten diese durch eigene Messungen. Demnach sind kalte Meere insgesamt noch sauerstoffreich.

Allerdings hat zum Beispiel das Nordpolarmeer laut der Studie überproportional stark zum Sauerstoffverlust beigetragen. Hier gingen bis zu 7,6 Prozent des gesamten Sauerstoffs verloren, obwohl die Wassermassen nur 1,2 Prozent der Weltmeere ausmachen. "Wenn die Polarkappen wärmer werden, gelangt weniger kaltes Wasser in die Tiefsee, sodass die Sauerstoffzufuhr in den Tiefen des Ozeans reduziert wird", sagte Schmidtko.

In einem Kommentar in "Nature" verweist der Wissenschaftler Denis Gilbert vom kanadischen Fischerei- und Meeresinstitut Maurice-Lamontagne in Mont-Joli auf die drohenden Risiken. Die meisten Meeresorganismen bräuchten Sauerstoff, um zu überleben. Eine Abnahme um zwei Prozent erscheine zwar zunächst nicht viel. Aber die Auswirkungen auf Meeres-Ökosysteme könnten schwerwiegend sein.

sep/dpa

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