Waghalsige Flugmanöver Liebestolle Kolibris brechen Geschwindigkeitsrekorde

Niemand fliegt schneller als der Kolibri, zumindest gemessen an seiner Körpergröße. Die kleinen Vögel stellen die Geschwindigkeitsrekorde beim Werben um Weibchen auf, die sie mit tollkühnen Sturzflügen zu beeindrucken suchen.


London - Zu Beginn des Sturzflugs schlagen sie sogar noch mit den Flügeln, um zu beschleunigen. Dann gleiten sie nach unten, öffnen und schließen Flügel und Schwanzfedern wechselweise. Dabei entsteht ein charakteristisches Zirpen. Kurz vor dem Boden fangen sich die Tiere schließlich wieder ab. Die waghalsigen Manöver sind Teil des Balzrituals männlicher Kolibris.

Kolibri im Flug: Geschwindigkeitsrekorde beim Liebestanz
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Kolibri im Flug: Geschwindigkeitsrekorde beim Liebestanz

US-Forscher James Clark von der University of California in Berkeley berichtet im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society: B", der Körper der winzigen Vögel werde bei den Flugmanövern Beschleunigungen ausgesetzt, bei denen viele Kampfpiloten bewusstlos würden. Denn immerhin treten punktuell Kräfte von etwa der neunfachen Erdbeschleunigung auf. Diese Beschleunigung sei die höchste, die je von einem Wirbeltier bei einem freiwilligen Manöver beobachtet wurde, berichtet Clark.

Clark vermutet, dass die Kolibris durch ihre kürzeren Blutgefäße weniger empfindlich für die Veränderungen des Blutdrucks sind, die durch große Beschleunigungen verursacht werden.

Der Forscher hatte die etwa zehn Zentimeter großen Annakolibris in ihrer natürlichen Umgebung an der Westküste Nordamerikas gefilmt. Für die Aufnahmen der liebestollen Tiere verwendete er sowohl konventionelle Videokameras als auch Hochgeschwindigkeitskameras. Bei der Auswertung seines Materials stellte er fest, dass die Tiere mit Rekordgeschwindigkeiten unterwegs sind, zumindest relativ gesehen.

Klar gibt es Tiere, die in absoluten Zahlen schneller unterwegs sind, Wanderfalken zum Beispiel. Sie erreichen Geschwindigkeiten von 250 Kilometern pro Stunde, wenn sie im Sturzflug ihre Beute ergattern. Auf ihr Gesamtmaß bezogen, legen sie damit jedoch nur 200 Körperlängen pro Sekunde zurück. Der Kolibri kommt hingegen auf stolze 385, was einer absoluten Geschwindigkeit von etwa 93 Kilometer pro Stunde entspricht.

chs/ddp/dpa



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