Wahrnehmung Forscher sehen die Welt mit Bienenaugen

Britische Wissenschaftler haben eine Datenbank aufgebaut, die Blumen zeigt, wie Bienen sie sehen. Insektenaugen nehmen Licht vor allem im UV-Bereich wahr. Das Projekt soll helfen, die Evolution von Pflanzen besser zu verstehen.

Klaus Schmitt

Eigentlich sind sie Biologen, aber die Arbeit der Wissenschaftler aus London förderte auch philosophische Weisheiten zutage: "Unsere Forschung zeigt, dass die Welt, wie wir sie sehen nicht die physikalische oder reale ist", sagt Lars Chittka von der Queen Mary's School of Biological and Chemical Sciences. Verschiedene Tiere nähmen die Wirklichkeit unterschiedlich wahr, abhängig von der Umgebung, in der sie lebten.

Gemeinsam mit Kollegen hat Chittka die Floral Reflectance Database (kurz: Fred) aufgebaut. Sie enthält Informationen darüber, welche Lichtwellenlängen von Pflanzen reflektiert werden und welche nicht. Dies kombinierten die Forscher mit den Eigenschaften von Insektenaugen. Hummeln beispielsweise sehen in erster Linie im UV-Bereich, wie die Forscher im Fachmagazin "Plos One" schreiben.

Und so sieht eine blühende Pflanze für eine Hummel oder Biene ganz anders aus als für uns Menschen. Statt gelb und grün wirkt beispielsweise die Miniatursonnenblume Sanvitalia procumbens, auch Husarenkopf genannt, wie einfarbig (siehe Foto oben). Unter Umständen enthüllt die Analyse des von Pflanzen reflektierten Lichts im UV-Bereich auch Auffälligkeiten, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben.

Beziehung zwischen Biene und Pflanze verstehen

"Die Datenbank erlaubt es uns, globale Trends bei Blumenfarben zu analysieren", sagt Sarah Arnold, Studentin an der Queen Mary University. So könne man feststellen, wie sich Farben in Regionen mit hoher UV-Strahlung ändern. Vincent Savolainen vom Imperial College London hofft auf neue Erkenntnisse über die Evolution von Pflanzen in verschiedenen Habitaten.

Die frei benutzbare Datenbank Fred enthält bislang 2000 Datensätze. Eine erfolgreiche Pflanze müsse von den Bienen bemerkt werden, schreiben die Wisenschaftler. Das Projekt helfe dabei zu verstehen, welche Strategien Pflanzen dabei anwendeten. Sie erlaube auch Vorhersagen, ob eine Pflanze in einem bestimmten Umfeld genügend Bestäuber finden könne.

"Die Kombination von Biologie und Informatik erlaubt es, gemeinsam auf wichtige Daten zuzugreifen", sagt der Informatiker Peter McOwan, der die technische Seite des Projekts betreut hat.

hda

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