Wald bei Dessau Neue Fliegenart entdeckt

In einem Waldstück bei Dessau haben Wissenschaftler eine neue Art so genannter Schwebfliegen entdeckt. Die Insekten leben bevorzugt in sich selbst überlassenen Wäldern, von denen es in Deutschland nur noch wenige gibt.


Brachyopa silviae: Gehört zur Gattung der Baumsaftschwebfliegen
UFZ

Brachyopa silviae: Gehört zur Gattung der Baumsaftschwebfliegen

Seit zwölf Jahren beschäftigt sich Frank Dziock vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle schon mit der Tierwelt der Auenwälder. Jetzt ist dem 35jährigen Biologen erstmals das gelungen, wovon wohl jeder Insektenforscher träumt: die Entdeckung einer neuen Art.

Dabei schien der Fang, der im Naturschutzgebiet Saalberghau an der Elbe bei Dessau ins Netz ging, zunächst wenig spektakulär. Im Rahmen eines Forschungsprojektes hatte Dziock eine Insektenfalle aufgestellt, um festzustellen, wie Schwebfliegen auf Überschwemmungen reagieren. In diesem Fall dienen die Insekten als Bioindikatoren.

Der Inhalt der Falle sah auf den ersten Blick normal aus. "Zunächst dachten wir, an eine schon bekannte Art. Dann entdeckten wir, dass die zwei winzigen Punkte auf dem Rücken der Fliegen ein klarer Beweis für eine noch unentdeckte Art waren", erzählt Dziock. Beim genaueren Betrachten der nur sieben Millimeter großen Fliege unter dem Mikroskop stellte sich heraus: Ihr Körperbau gleicht keiner der bekannten Arten.

Wer eine neue Tierart findet, der darf einen Namen vorschlagen. Dziock hat die Entdeckung seiner Frau Silvia gewidmet, die ihn in den vergangenen Jahren oft entbehren musste, weil der Biologe durch die Auenwälder Mitteldeutschlands stapfte.

Fundort Auenwald: In diesem Waldstück bei Dessau wurde die Art entdeckt
UFZ

Fundort Auenwald: In diesem Waldstück bei Dessau wurde die Art entdeckt

Die neue Art heißt dementsprechend Brachyopa silviae (Silvias Baumsaftschwebfliege). In Europa sind lediglich 13 verschiedene Arten von Baumsaftschwebfliegen bekannt. Schwebfliegen werden häufig mit Wespen verwechselt, sind mit Ihnen jedoch nicht verwandt.

Die Larven von Schwebfliegen ernähren sich ausschließlich von Bakterien und anderen Mikroorganismen im Saft an Bäumen. Diese entstehen durch Verletzungen der Rinde und kommt am häufigsten an sehr alten Bäumen vor. Die Wissenschaftler fordern deshalb, auch in bewirtschafteten Wäldern einzelne Bäume natürlich altern und absterben zu lassen, damit solche Tierarten eine Chance zum Überleben erhalten.

"Wo konventionelle Forstwirtschaft betrieben wird, hat diese Art keine Chance zum Überleben", sagte Dziock. Alles, was krank aussehe, werde entfernt. "Aber gerade solche alten Bäume sind es, an denen sich die Schleimflüsse bilden, die diese Arten brauchen."



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.