Deutscher Wald Kahlschlag wegen Schädlingen hat sich versechsfacht

Borkenkäfer setzen den deutschen Bäumen immer mehr zu. Der Schaden ist immens, zeigt ein Bericht des Statistischen Bundesamts. Dem deutschen Wald geht es schlechter als in seiner letzten großen Krise.
Abgestorbene Nadelbäume im Sauerland

Abgestorbene Nadelbäume im Sauerland

Foto: Christoph Reichwein/ imago images

Die Menge der durch Schädlingsbefall zerstörten Bäume in deutschen Wäldern hat sich in den vergangenen zwei Jahren nahezu auf das Sechsfache erhöht. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, stieg das Volumen des aufgrund von Insektenschäden entfernten Schadholzes zwischen 2017 und 2019 von rund sechs Millionen Kubikmetern auf 32 Millionen Kubikmeter.

"Die heimischen Wälder litten in den vergangenen Jahren unter Trockenheit und Hitzeperioden. Schädlinge wie der Borkenkäfer können sich in bereits geschwächten Bäumen besonders schnell vermehren", erklären die Wiesbadener Statistiker. Die Schäden nahmen von Jahr zu Jahr zu:

  • Der verursachte Schadholzeinschlag hat sich zwischen 2017 und 2018 von sechs Millionen Kubikmetern auf elf Millionen Kubikmeter beinahe verdoppelt.

  • Von 2018 auf 2019 verdreifachte sich das Volumen des aus dem Wald entfernten Schadholzes durch Insektenschäden nach amtlichen Daten dann noch einmal auf 32 Millionen Kubikmeter.

Dem Wald geht es gerade schlechter als in den Achtzigern, als das Waldsterben ein Topthema war. Das zeigt auch der jährliche Waldzustandsbericht der Bundesregierung. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Der Anteil an Bäumen ohne Schäden in den Kronen - ein wichtiger Indikator für die Gesundheit - war noch nie so gering wie 2019. Die Statistik wird seit 1984 erhoben.

Ein Grund für die lichter werdenden Baumkronen ist Trockenstress. Hängende Blätter sind ein erstes Anzeichen für eine zu geringe Wasserversorgung. Kritisch wird es laut Experten, wenn die Bäume Blätter, Früchte oder Äste abwerfen und ihre Kronen dadurch lichter werden. Laut dem aktuellen Waldzustandsbericht stieg der Anteil von Bäumen mit deutlichen Kronenverlichtungen im vergangenen Jahr auf 36 Prozent. Bei 42 Prozent wurde eine schwache Verlichtung der Baumkrone festgestellt. Nur 22 Prozent der Bäume zeigten keine Kronenverlichtung. Besonders von Waldschäden betroffen sind Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Thüringen.

Schadholz machte im vergangenen Jahr mehr als zwei Drittel des gesamten Holzeinschlags in den Wäldern aus, was ebenfalls außergewöhnlich viel war. Nach Angaben des Bundesamts lag der Anteil 2010 nur bei rund 20 Prozent. Waldschäden entstanden aber nicht nur durch Dürre, sondern unter anderem durch Stürme, Brände, Schneebruch, sowie Krankheits- und Pilzbefall. Etwa 80 Prozent der zu fällenden Bäume entfielen voriges Jahr auf Nadelhölzer wie Fichten, Tannen, Douglasien, Kiefern und Lärchen - insgesamt 56 Millionen Kubikmeter.

koe/AFP/Reuters/dpa
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