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Jeder Punkt ein Feuer

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Waldbrand-Monitoring Die Welt brennt

Griechenland brennt, Kalifornien kämpft seit Wochen gegen Flammen, und auch in Deutschland lodern mehr als 40 Waldbrände: Einen Überblick über all die Feuer bietet die Nasa. Und ihr Dienst ist derzeit so gefragt wie selten.

Am 25. Tag, nachdem das »Dixie-Feuer« irgendwo am North Fork Feather Ridge in Kalifornien erstmals aufloderte, brannten sich die Flammen mit einem neuen Rekord in die Geschichte der nordamerikanischen Waldbrände ein: Seit Samstag, dem 7. August 2021, ist das Dixie-Feuer offiziell die drittgrößte je erfasste US-Waldbrandkatastrophe.

Und das will etwas heißen: 1760 Quadratkilometer Waldland mussten dafür verbrennen, bisher gingen als Kollateralschäden rund 270 Gebäude in Flammen auf. Dass bisher kein Mensch starb, ist kein Glück, sondern den Feuerwehrleuten zu verdanken, die unermüdlich evakuieren und den Brand bekämpfen.

Eine echte Chance, die Flammen zu löschen, hatten sie bisher nicht. Das Dixie-Feuer ist nach wie vor nicht unter Kontrolle. Auch in den folgenden Tagen wird es Wald fressen, Gebäude verbrennen, Existenzen zerstören und im schlimmsten Fall weitere Rekorde brechen. So wie die Feuer in Griechenland, in Russland, in der Ukraine, im südlichen Italien, in China, Australien und Südamerika.

Auch in Deutschland loderten am Freitag 43 Feuer. Tatsächlich, das zeigt der aktuelle Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes , ist die Gefahr von Waldbränden hierzulande zurzeit aber zum Glück ziemlich gering: Die Welt brennt gemeinhin da, wo es gerade besonders heiß und trocken ist. Dass hierzulande zurzeit trotzdem über 40 Feuer lodern, ist zum einen normal, zum anderen statistisch gesehen sogar wenig: Im vergangenen Jahr gab es allein in Deutschland 1360 Waldbrände, konzentriert auf die Sommermonate. Dass es brennt, ist also normal. Wie heftig es aber lodert, das ist neu.

Vollüberwachung: der Blick aus dem All

Vermehrte Waldbrände sind in den Sommermonaten und vor allem in allen Weltgegenden mit ausgedehnten Savannenlandschaften nicht überraschend. Dort ist das »Wildfeuer« seit jeher ein Phänomen, das typisch ist für den Lebensraum. Rund 70 Prozent aller wild ausbrechenden Brände sollen sich auf Savannenlandschaften konzentrieren. Wer sich die aktuellen Bilder und Karten des weltweiten Feuer-Monitorings  ansieht, wird das bestätigt sehen: Unterhalb des Regenwald-Bereiches Zentralafrikas sieht es so aus, als würde der ganze Kontinent brennen, die einzelnen Feuer sind kaum voneinander zu unterscheiden.

Denn wir alle können uns heute jederzeit ansehen, wo in der Welt gerade die Flammen wüten. Beobachtet wird das aus dem All, mithilfe von Wetter- und anderen Satelliten. Die US-Weltraumbehörde Nasa führt die Daten auf einer Art Echtzeit-Weltkarte der Waldbrände zusammen, die auf ihrem öffentlich zugänglichen FIRMS-Server hinterlegt ist.

Die Abkürzung steht für »Fire Information for Ressource Management«. Der Service ist also eigentlich dazu gedacht, Brandbekämpfern, Regierungen, Versicherern und anderen interessierten Gruppen Überblick über die weltweite Wild- und Waldbrandlage zu verschaffen – ein Service für Fachleute. Zurzeit aber ist auch das öffentliche Interesse an FIRMS so hoch, dass man mitunter ein wenig warten muss, bis sich die Daten vollständig über die Weltkarte legen.

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Kein Wunder, denn was zurzeit passiert, ist eben nicht nur normal, sondern zumindest gefühlt eine erschreckende Häufung von Brandereignissen. Aber ist das tatsächlich auch so?

Nicht unbedingt mehr, aber immer schlimmer

Das kommt darauf an, wohin und worauf man sieht. So kann man der deutschen Waldbrandstatistik zwischen 1977 und 2020  kaum eine signifikante Steigerung der Brandereignisse entnehmen: Die Zahl schwankt wild zwischen nur 424 (2017) und 3012 (1992) Bränden im Jahr. Ein komplett anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn man nicht nur auf die bloße Zahl der Brände sieht, sondern auch darauf, wie viel Waldfläche von ihnen zerstört wird: Hier ist die Tendenz klar steigend. 2019 war beispielsweise ein Jahr mit überdurchschnittlich, aber keineswegs rekordverdächtig vielen Waldbränden. In Bezug auf die Schadensfläche pro Waldbrand äscherte 2019 dagegen jeden Rekord ein: Noch nie wüteten in Deutschland derart viele Feuer mit erheblichen Schäden.

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So sieht das auch in anderen Weltgegenden aus. Auch in den USA ist die Gesamtzahl der Feuer in den vergangenen Jahren nicht merklich gestiegen  – auch aufgrund immer größerer Investments in Brandprophylaxe und -bekämpfung. Wir hören über die Waldbrände in den Vereinigten Staaten aber deshalb immer öfter, weil sie mit steigender Frequenz trotzdem wirklich katastrophale Ausmaße annehmen. Selbst wenn weniger Feuer wüten, verbrennen sie mehr Fläche  – allen Bekämpfungsmaßnahmen zum Trotz.

Dass das vor allem daran liegt, dass der Klimawandel ausgedehnte Hitze- und Dürreperioden verursacht, ist inzwischen weitgehend Konsens. Aber es gibt auch ökonomische respektive kriminelle Gründe: Dass es im Herzen Südamerikas gerade derart brennt, ist auf andere Weise menschengemacht – seit Jahren ist die illegale, in Brasilien inzwischen oft wieder auch legalisierte Brandrodung gerade im Amazonasgebiet ein wachsendes Problem. Auch die Brände im Mittelmeerraum gehen oft genug auf Brandstiftung zurück, man vermutet das gerade auch bei den aktuellen Feuern in Griechenland.

Anmerkung der Redaktion: Wir danken für die zahlreichen Lesermails zu diesem Artikel. Mehrere Leser wiesen darin auf zwei mögliche Unschärfen hin.

1. Im Falle der afrikanischen Savannenfeuer, merkten mehrere Leser an, könne ein Satellit nicht zwischen kontrollierten und unkontrollierten Feuern unterscheiden. Das ist mit Sicherheit richtig: gleiches gilt (wie im Artikel erwähnt) auch für die Regenwald-Feuer in Brasilien, die zum Teil illegal entfacht werden, zum Teil aber genehmigte Feuer sind.

2. In Bezug auf die 43 Feuer in Deutschland merkt ein Leser an: Die Punkte auf der Karte markierten Hitzeanomalien – und das könnten neben Feuern auch Industrieanlagen sein. Den offiziellen, auf Satellitendaten basierenden Statistiken ist nicht zu entnehmen, ob solche Möglichkeiten herausgerechnet werden. Es ist daher nicht auszuschließen, dass dies zumindest für einen Teil der per Satellit erfassten Feuer zutrifft. Was dagegen spricht: Die auf den Nasa-Karten gezeigten Feuer korrelieren weitgehend mit den Gebieten, die der aktuelle deutsche Waldbrandgefahrenindex als Risikogebiete ausweist.

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