Geschädigte Bäume Regierung stellt 800 Millionen Euro für Rettung des Waldes in Aussicht

Stürme, Borkenkäfer, Dürren: Rund 180.000 Hektar Wald in Deutschland sind irreparabel geschädigt. Waldbesitzer sollen mit Millionenhilfen von Bund und Ländern unterstützt werden. Doch was genau ist sinnvoll?

Vielerorts, wie hier im Harz, sind die deutschen Wälder geschädigt
Swen Pförtner / dpa

Vielerorts, wie hier im Harz, sind die deutschen Wälder geschädigt


Die deutschen Wälder sollen nach schweren Schäden mit Millionenhilfen aufgeforstet und besser gegen den Klimawandel gewappnet werden. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte am Mittwoch zusätzliche Mittel von Bund und Ländern von bis zu 800 Millionen Euro in Aussicht. Das Geld soll in den kommenden vier Jahren ausgezahlt werden.

Klöckner sagte bei einem "Nationalen Waldgipfel" ihres Ministeriums, der Klimawandel habe den Wald schneller getroffen als erwartet. Die geschädigten Flächen seien größer als die zunächst angenommenen, es gehe um 180.000 Hektar. Gründe sind Zerstörungen durch Stürme, Borkenkäfer und die extreme Dürre im vergangenen Jahr. Auch in diesem Jahr ist es vielerorts zu trocken gewesen. Daher sollen große Aufforstungen mit Millionen Bäumen angegangen werden.

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Für Nothilfen seien vom Bund nach jetzigem Verhandlungsstand in der Regierung zusätzliche 547 Millionen Euro zu erwarten, so Klöckner. Dazu sollten ergänzende Mittel der Länder fließen, so dass insgesamt bis zu 800 Millionen Euro zusammenkommen. Über die konkrete Verwendung soll nun weiter beraten werden. Dabei soll es neben der Wiederaufforstung auch um praktische Erleichterungen für Waldbesitzer gehen.

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Geschädigte Bäume müssten schnell aus den Wäldern herausgebracht werden, erläuterte Klöckner. Die Flächen sollten aber keinesfalls leergefegt werden, da Totholz Lebensraum und Nährstoffquelle sei. Nötig sei auch eine "stringentere Jagd", damit Baum-Sprösslinge nicht gleich wieder von Rehen gefressen werden. Außerdem soll es eine systematische Erfassung von Waldschäden in ganz Deutschland geben.

Klöckner rief dazu auf, ideologische Debatten zu vermeiden. Beim Aufforsten seien Mischwälder mit einem breiten Spektrum heimischer, an den jeweiligen Standort angepasster Baumarten bevorzugt zu fördern. Der Bund wolle nicht Schäden ersetzen, sondern bei der Klima-Anpassung helfen.

"Bäume müssen groß und alt werden können"

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats, Georg Schirmbeck, nannte die 547 Millionen Euro des Bundes einen wesentlichen ersten Schritt. Für die Zukunft werde aber deutlich mehr Geld gebraucht. Die nordrhein-westfälische Agrarministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) begrüßte die Bundes-Unterstützung. Wichtig sei aber, Mittel flexibel abrufen zu können. "Wir müssen für eine Dekade planen und nicht nur bis zum Ende des nächsten Haushaltsjahres."

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Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) betonte, die Wälder müssten von Monokulturen zu "stabilen Klimawäldern" umgebaut werden, die Dürren und extremen Regen besser aushalten. Solche Wälder hätten eine grundlegende Basis: "Bäume müssen groß und alt werden können." Es sei der richtige Weg, wenn der Staat dies unterstütze.

Die IG BAU forderte deutlich mehr Fachkräfte. "Der klimagerechte Umbau des Forstes ist eine Mammutaufgabe, die sich nur mit zusätzlichem Personal stemmen lässt", sagte der Vize-Vorsitzende Harald Schaum. Gebraucht würden 11.000 zusätzliche Forstbeschäftigte, die jeweils zur Hälfte in den privaten und den öffentlichen Forsten eingesetzt werden sollten.

Der Grünen-Agrarpolitiker Harald Ebner sagte, mehr Geld sei wichtig und richtig, es müsse aber vernünftig eingesetzt werden. "Die Millionen jetzt einfach wie Herbstlaub in der Fläche zu verstreuen für Pflanzungen mit fragwürdigen Erfolgsaussichten und unklarer Zielrichtung, wäre herausgeworfenes Geld."

chs/dpa



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