Waldschadensbericht Jede zweite deutsche Eiche ist krank

Der Zustand der deutschen Wälder bessert sich langsam - doch der neue Waldzustandsbericht der Bundesregierung enthält auch erschreckende Details. Besonders den Eichen geht es schlecht: Die Hälfte der Bäume sind durch Schädlinge und saure Böden geschädigt.
Eichenstämme: Bäume werden von Schädlingen bedroht

Eichenstämme: Bäume werden von Schädlingen bedroht

Foto: dapd

Jede zweite Eiche in Deutschland ist erkrankt. Dennoch hat sich der Zustand des deutschen Waldes im vergangenen Jahr insgesamt leicht gebessert. Das ist das Fazit des Waldschadensberichts 2010, den das Bundeslandwirtschaftsministerium am Dienstag in Berlin vorgelegt hat.

Laut dem Bericht waren im vergangenen Jahr 38 Prozent der Bäume ohne sogenannte Kronenverlichtung, also ohne Nadel- oder Blattverlust. 2009 hatte diese Zahl bei 36 Prozent gelegen. Die Verbesserung sei insbesondere auf die Erholung bei der Buche zurückzuführen. Hier ist der Anteil der Bäume mt stark ausgedünnter Krone von 50 auf 33 Prozent zurückgegangen.

Die Eiche leidet dagegen nicht nur unter sauren Böden, sondern auch unter starken Fraßschäden verschiedener Schmetterlingsraupen. Mehr als die Hälfte aller Eichen zeigt deutliche Kronenverlichtungen - zum Erhebungsstart 1984 waren es lediglich neun Prozent. Besonders schlecht geht es dem symbolträchtigen Baum in Bayern, Baden-Württemberg und Berlin. Blätter, die nach den Fraßschäden wieder austrieben, würden häufig von Eichenmehltau befallen, heißt es in dem Bericht. Der Pilz entziehe den Blättern Nährstoffe, so dass sie abfielen. Der Kronenzustand von Fichte und Kiefer blieb nahezu unverändert. Dies gehe jedoch auf regional gegenläufige Entwicklungen zurück.

Erholung seit 2004

Besonders schlecht ging es den deutschen Bäumen 2004. Trockenheit und hohe Ozonwerte hatten dem Wald im Hitzerekordjahr 2003 zugesetzt. Das volle Ausmaß der Schäden wurde erst ein Jahr später ersichtlich. Seitdem hat sich der Wald jedoch kontinuierlich erholt.

Klimawandel

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) machte für "das Siechtum des Waldes" neben dem vor allem die Überdüngung als Folge der intensiven Landwirtschaft sowie den Verkehr verantwortlich. Der Wald stehe unter Stress und befinde sich weiterhin auf "kritischem Niveau", sagte Nabu-Waldexperte Johannes Enssle. Die Stickstoffeinträge gelangten aus dem Gülleaufkommen der Massentierhaltung über die Luft in den Wald und wirkten dort wie eine Überdosis an Nährstoffen. "Dem Wald wird praktisch eine falsche Ernährung verpasst. Während Stamm und Krone an Masse zulegen, stagniert das Wachstum der Wurzel, der Boden versauert, wichtige Nährstoffe im Boden gehen verloren." Der Nabu forderte die Bundesregierung dazu auf, Ursachen zu bekämpfen, statt weiter an den Symptomen "herumzudoktern".

Am Mittwoch wird in New York das "Internationale Jahr der Wälder" eröffnet. Es soll der Resolution der Vereinten Nationen zufolge auf die besondere Verantwortung der Menschen für die weltweit rund vier Milliarden Hektar Wald hinweisen, was 31 Prozent der weltweiten Landfläche entspricht. Jährlich werden derzeit rund 13 Millionen Hektar Wald vernichtet, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) wies darauf hin, dass in Deutschland die Waldfläche zunimmt. In den vergangenen 40 Jahren wuchs sie um rund zehn Prozent oder eine Million Hektar. Damit ist aktuell etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands (etwa 11,1 Millionen Hektar) von Wäldern bedeckt. Ein Hektar entspricht in etwa der Größe eines Fußballfelds. Die Holzvorräte Deutschlands sind mit 3,4 Milliarden Kubikmetern mittlerweile die größten Europas.

cib/dapd
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