Waldsterben Etwa die Hälfte der europäischen Baumarten gefährdet

Europas Wälder sind bedroht. Laut einem neuen Bericht könnten vor allem Bäume verschwinden, die nur hier vorkommen. In Deutschland in Gefahr: Ebereschen und Rosskastanien.

Wald in Thüringen im Biosphärenreservat Rhön
Martin Schutt/ DPA

Wald in Thüringen im Biosphärenreservat Rhön


Nicht nur dem Wald in Deutschland geht es schlecht, im restlichen Europa ist das ähnlich. Laut einem Bericht der Weltnaturschutzunion (IUCN) ist mehr als die Hälfte der nur in Europa vorkommenden Baumarten gefährdet.

Dafür verantwortlich seien Schädlinge, Krankheiten und nicht nachhaltiger Holzschlag. Zudem drängten gebietsfremde Arten die einheimischen zurück und wachsende Städte verringerten regional die Waldfläche, so die IUCN in Brüssel.

Die Naturschutzunion hat die Bestände von allen in Europa bekannten 454 Baumarten untersucht. 265 davon kommen auf keinem anderen Kontinent vor. Von diesen 265 seien 58 Prozent bedroht. 66 einzelne Arten stünden bereits vor dem Aussterben.

Die IUCN teilt gefährdete Arten in sechs Kategorien ein: von "potenziell gefährdet" über "gefährdet", "stark gefährdet", "vom Aussterben bedroht" und "in der Natur ausgestorben" bis "ausgestorben". Insgesamt listet sie weltweit mehr als 28.000 Tier- und Pflanzenarten als gefährdet.

In Deutschland seien vor allem Ebereschen (Sorbus) in Gefahr, sagte David Allen, einer der Autoren. Die meisten seien bedroht, weil die Populationen sowieso klein seien und zusätzlich ihr Lebensraum schwinde und geschwächt werde.

Schlecht sieht es auch für die wilden Gewöhnlichen Rosskastanien aus. Sie gelten seit 2017 als "gefährdet", Stufe zwei der IUCN-Skala. Größte Bedrohung stelle neben einem Pilz die Balkan-Miniermotte dar. Sie breitet sich seit den Achtzigerjahren von Südosteuropa über den ganzen Kontinent aus und hat kaum natürliche Feinde.

Die IUCN schätzt die Zahl der wilden Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) in Europa auf weniger als 10.000 Exemplare. Nicht berücksichtigt bei dieser Beurteilung sind die Bäume in Städten, Parks und Alleen.

Unterschätze Arten in Gefahr

Die IUCN-Wissenschaftler haben auch neue europäische Rote Listen für Weichtiere, Sträucher und Moose erstellt. Mehr als ein Fünftel der Weichtiere und Moose und fast die Hälfte aller Straucharten seien bedroht, so die IUCN.

Das liege vor allem daran, dass Wildnis zerstört werde, sich eingeschleppte Arten ausbreiteten sowie an den Agrarpraktiken und dem globalen Temperaturanstieg. Weichtiere wie Schnecken spielten eine Schlüsselrolle beim Recyceln von Nährstoffen im Boden und seien eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere.

"Dieser Bericht zeigt, dass die Lage für viele übersehene und unterschätzte Arten prekär ist - Arten, die das Rückgrat des europäischen Ökosystems bilden und zu einem gesunden Planeten beitragen", sagte Luc Bas, IUCN-Direktor des Europa-Büros. "Wir müssen die Auswirkungen des Menschen auf unsere Ökosysteme begrenzen und den Schutz dieser Arten zur Priorität machen."

Auch in Deutschland sind große Teiles des Waldes geschädigt. Rund 180.000 Hektar Fläche drohen zu verschwinden. Deshalb plant die Bundesregierung ein Programm zur Erhaltung der Wälder. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte in dieser Woche zusätzliche Mittel von Bund und Ländern von bis zu 800 Millionen Euro in Aussicht.

joe/dpa

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