Jagd auf Meeressäuger Bundestag fordert Walfangverbot ohne Lücken

Trotz internationalem Walfangverbot töten Jäger jedes Jahr ungefähr 2000 Wale, schätzen Umweltschützer. Die meisten Tiere jagt Norwegen. Nun fordert auch der Deutsche Bundestag strengere Regeln.
Zwergwal (Archivbild)

Zwergwal (Archivbild)

Foto: AP/dpa

Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung dazu aufgefordert, den Schutz von Walen und Delfinen auf internationaler Ebene zu stärken. Das Parlament billigte am Donnerstagabend einen entsprechenden Antrag der Koalitionsfraktionen von Union und SPD.

Danach soll die Bundesregierung unter anderem entsprechend der Entschließung des Europaparlaments darauf hinwirken, "dass Japan seinen als wissenschaftlich deklarierten Walfang, der tatsächlich als kommerzieller Walfang betrieben wird, beendet". Auch solle sich Deutschland dafür einzusetzen, "dass Norwegen und Island ihre Walfangaktivitäten sowie Verwertungen von Walprodukten einstellen".

"Jetzt kommt die Chance, einen Meilenstein für den Walschutz zu beschließen", kommentiert Greenpeace-Sprecherin Gesche Jürgens die Entwicklung.

Drei Staaten umgehen das Walfangverbot

Der kommerzielle Fang von Großwalen ist weltweit verboten. Vor 30 Jahren trat ein entsprechendes Moratorium in Kraft. Die Maßnahme rettete Naturschützern zufolge Hunderttausenden Meeressäugern das Leben und verhinderte das Aussterben etlicher Arten. Wenn sich die Internationale Walfang-Kommission (IWC) ab kommenden Montag im slowenischen Adria-Bad Portoroz zu ihrer Jahrestagung trifft, werden aber auch Schlupflöcher zur Sprache kommen, die das Fangverbot aufweist.

"Feierstimmung kommt nicht auf, solange drei Walfangländer dieses Verbot unterwandern", sagt Nicolas Entrup, Berater der Umweltorganisation Ocean Care.

Norwegen - das Land, das die meisten Wale jagt - hatte gegen das Moratorium Einspruch erhoben, Island Vorbehalte angemeldet. Japan wiederum beruft sich auf die Klausel, die einen sehr beschränkten Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. Das japanische Walfang-Programm erfüllt diese Kriterien aber nicht und hat einen kommerziellen Charakter, wie ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs (IGH) aus dem Jahr 2014 festhält.

Norwegen beruft sich auf Nachhaltigkeit

Nach Angaben von Ocean Care fallen jährlich immer noch 2000 Wale der Harpune zum Opfer. Zwar waren es vor dem Moratorium 30.000 im Jahr. Da sich aber die großen Meeressäuger nur über lange Zeiträume und in geringer Zahl vermehren, kann für einzelne Arten auch die Tötung relativ weniger Tiere zur Bedrohung werden.

Tatsächlich hatte Norwegen den Walfang auf internationalen Druck zunächst aufgegeben. Doch seit 1993 werden dort wieder Zwergwale gefangen. Im vergangenen Jahr töteten Walfänger 660 Tiere - von geschätzt mehr als 100.000, die nach Angaben des Fischereiministeriums in norwegischen Gewässern leben.

Der Walbestand sei "in guter Verfassung", erklärte Ronny Berg, Staatssekretär im Fischereiministerium, im norwegischen Rundfunk. "Wir leben davon, dass wir Meerestiere, Öl und Gas an andere Länder verkaufen." Andere Staaten sollten Norwegen nicht daran hindern können, "das zu tun, solange wir es nachhaltig tun können".

Island sorgt sich um seinen Ruf

In Island ist die Regierung besorgter um den internationalen Ruf des Landes. In diesem Sommer verzichtete der einzige Finnwaljäger des Inselstaats zum ersten Mal seit 2006 auf den Walfang. Der Unternehmer begründete das mit den hohen Kosten für den Transport des Fleisches nach Japan und den strengen Kontrollen.

Wohl aufgrund seiner langen Tradition stellen viele Norweger und Isländer den Walfang wenig infrage. Kritik kommt vor allem aus dem Ausland, an norwegischen und isländischen Esstischen wird das Thema nur wenig diskutiert. Oft werde sie von Freunden aus anderen Ländern darauf angesprochen, erzählt eine norwegische Journalistin.

Entscheidung über Walschutzgebiet im Südatlantik

Die IWC hat 88 Mitgliedsländer, unter ihnen sind sowohl Walfang-Befürworter und als auch -Gegner wie Deutschland. Bei der Jahrestagung in Portoroz wird es vor allem um das japanische Walfang-Programm und die Missachtung des IGH-Urteils gehen, nicht aber - wie die Tierschützer bemängeln - um die Waljagd Norwegens.

Außerdem soll über die mögliche Einrichtung eines großen Walschutzgebietes im Südatlantik verhandelt werden. Die Schutzzone, in der die Waljagd ganz verboten sein soll, würde etwa ein Viertel des Atlantischen Ozeans ausmachen und sich auf einem eingegrenzten Gebiet von der Antarktis bis zum Äquator erstrecken.

Das wird von den ökologischen Bewegungen begrüßt. "Wissenschaftlichen Segen haben die Schutzpläne bereits", meint Stephan Lutter von der Umweltorganisation WWF. Es hänge nur mehr noch vom politischen Willen der IWC ab, die Meeressäuger im Südatlantik effektiv zu schützen.

jme/dpa
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