Walfleisch-Skandal Japan verurteilt Greenpeace-Aktivisten

Sie wollten den Schmuggel von Walfleisch in Japan aufdecken - jetzt sind zwei Greenpeace-Aktivisten von einem Gericht wegen Diebstahls und Einbruchs verurteilt worden. Für einen illegalen Handel mit Walfleisch fand Japans Justiz indes keine Beweise.

Toru Suzuki (r.) und Junichi Sato (M.): "Ein ungerechtes Urteil"
AFP / Greenpeace / Jeremy Sutton-Hibbert

Toru Suzuki (r.) und Junichi Sato (M.): "Ein ungerechtes Urteil"


Laut Greenpeace haben japanische Walfänger in der Vergangenheit illegale Geschäfte mit dem Fleisch der Tiere gemacht. Mitarbeiter der Fangflotte sollen Hunderte von Kilogramm Walfleisch unterschlagen und illegal verkauft haben, erklärten die Umweltschützer im Jahr 2008. Die Behörden hätten von den Deals der Walfänger sogar gewusst und so toleriert, dass Steuergelder veruntreut würden. Denn Walfang wird in Japan vom Staat bezahlt - offiziell geschieht er zu rein wissenschaftlichen Zwecken. Trotzdem landet das Fleisch schließlich in Nobelrestaurants und Supermarktregalen.

Die Anschuldigungen ließen Japans Justiz schnell aktiv werden. Allerdings landeten schließlich nicht die Walfänger, sondern die beiden Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki vor Gericht. Der Vorwurf lautete Diebstahl und Einbruch, eine Gefängnisstrafe drohte.

Nun hat ein Gericht in der Stadt Aomori das Urteil verkündet. Sato und Suzuki bekommen ein Jahr Haft auf Bewährung, die Bewährungszeit liegt bei drei Jahren. Die Anklage hatte 18 Monate Gefängnis gefordert. "Das ist ein ungerechtes Urteil", erklärte Greepeace Japan auf seiner Webseite. Man habe Veruntreuung in einem Geschäft aufgedeckt, das mit Steuergeldern finanziert werde.

Greenpeace hatte den Strafermittlern im Jahr 2008 eine Kiste übergeben, die angeblich direkt vom Walfangschiff "Nisshin Maru" stammte. In dem als persönliches Gepäck deklarierten Paket befanden sich 23,5 Kilogramm gesalzenes Walfleisch. Wie genau Greenpeace an den Karton mit dem Beweismaterial gekommen war, wollten die Umweltschützer nicht verraten. Es sei nur darum gegangen, zu beweisen, dass das Fleisch von der Besatzung verhökert wird. Die Justiz dagegen will jedoch keine Beweise für illegale Aktivitäten bei den Walfängern gefunden haben.

Fang zu "wissenschaftlichen" Zwecken

Sato und Suzuki wollen Berufung gegen das Urteil einlegen. "Die Strafe ist vollkommen unverhältnismäßig", sagte Suzuki. "Wir wollten die die Wahrheit über das Walprogramm der Regierung ans Licht bringen und wurden bestraft. Die, die hinter der Veruntreuung öffentlicher Gelder stehen, bleiben unbehelligt."

Walfang ist in Japan nach wie vor gestattet, die japanische Regierung nutzt dabei ein Schlupfloch im Walfang-Moratorium. Im Juni war die internationale Walfangkonferenz ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Dort sollte einigen Ländern ursprünglich der Walfang mit festen Quoten für zehn Jahre erlaubt werden. Die Teilnehmer konnten sich allerdings nicht auf eine solche Änderung einigen. Das Walfang-Moratorium gilt bereits seit 1986; Japan, Island und Norwegen jagen dennoch Wale und begründen dies teilweise mit "wissenschaftlichen" Zwecken. Die Länder entscheiden derzeit selbst über ihre Fangquoten. In der Jagdsaison 2008/2009 wurden mehr als 1500 Meeressäuger getötet.

hda



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