Warmer Winter Januar steuert auf Temperaturrekord zu

An den ersten Wetterstationen steht es schon fest: Dieser Januar war der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Noch ist offen, ob das auch deutschlandweit gilt - aber Prognosen sehen ein Plus von 5 Grad gegenüber dem langjährigen Durchschnitt.


Wintersturm "Kyrill" und der Kälteeinbruch der vorletzten Januarwoche konnten den Trend nicht wesentlich beeinflussen. "An mehr als der Hälfte aller Messstationen werden wir den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen messen", sagte Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach zu SPIEGEL ONLINE. Die Rede ist dabei nicht von Tagesspitzenwerten, sondern vom Monatsdurchschnitt.

Frühlingsgefühle im Englischen Garten (München): Der Januar dürfte nach Prognosen 5 Grad Celsius wärmer gewesen sein als der Durchschnitt
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Frühlingsgefühle im Englischen Garten (München): Der Januar dürfte nach Prognosen 5 Grad Celsius wärmer gewesen sein als der Durchschnitt

Durchschnittlich 6 Grad Celsius am Frankfurter Flughafen, wo der bisherige Rekordwert aus dem Winter 1975 bei 5,1 Grad lag, oder gar 6,1 Grad für die Messstation auf dem Berliner Alexanderplatz, wo 1983 mit 5,6 Grad die alte Rekord-Durchschnittstemperatur gemessen wurde - mit solchen Beispielen könnte Friedrich lange fortfahren.

Alle DWD-Messstationen zwischen Zugspitze und Rügen kann der Meteorologe an seinem Rechner überblicken. Die möglichen Rekordkandidaten werden von einer Software grün markiert. Auf Friedrichs Bildschirm gibt es viele grüne Datenfelder. "Eine ganze Reihe Stationen wird Rekordwerte liefern", sagte er. Lokale Wärmerekorde also, noch rechnen die Wetterexperten, ob das auch für den Mittelwert des ganzen Landes gilt.

"Es könnte der wärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1901 werden", sagte Friedrich. Momentan liegt die vorläufige Monatsmitteltemperatur mit rund 4,6 Grad gleichauf mit der des Januars 1975 - "auf das Zehntel genau", wie der Meteorologe betont. In dieser Rechnung fehlen aber noch die Temperaturen des heutigen Dienstags und des morgigen Mittwochs, des letzten Tages im Monat. Das langjährige Mittel der Jahre 1961 bis 1990 für die Monatsdurchschnittstemperatur beträgt für den Januar Minus 0,5 Grad.

Auch der Wetterdienst Meteomedia bestätigt den Trend: Mit Durchschnittswerten zwischen 4 bis 6,5 Grad Celsius liege der Januar 2007 deutlich über der Erwartung und sei ähnlich mild gewesen wie die ersten Monate der Jahre 1975 und 1983. "Außergewöhnlich ist, dass der Januar der fünfte viel zu milde Monat in Serie ist", sagte Roland Reiter von Meteomedia.

Warnung vor Rückschlüssen auf Klimaveränderung

Rückschlüsse auf den Klimatrend der letzten hundert Jahre seien jedoch kaum möglich, sagte Friedrich, nur es wir vier extrem milde Monate in Deutschland gegeben habe. "Es besteht immer wieder die Gefahr, zu schnelle Schlüsse aus dem aktuellen Wetter zu ziehen", hatte DWD-Sprecher Uwe Kirsche Anfang Januar zu SPIEGEL ONLINE gesagt. "Aus Einzelergebnissen kann man nicht auf den Klimawandel schließen." Sein Kollege Friedrich erinnert daran, dass ja noch ein Februar kommen könne, "der 2 bis 3 Grad Celsius zu kalt ist".

Was Aussagen über das Wetter angeht, fühlen sich die Experten schon mit den vorläufigen Januar-Daten sicher genug, um von einem Ausnahmemonat zu sprechen. "Das ist am oberen Rand dessen, was wir bisher in Deutschland gemessen haben", sagte Friedrich.

Die Zahl der Sonnenscheinstunden lag im Januar republikweit genau im Soll. Häufig gab es aber weniger Sonnenschein, vereinzelt hingegen drastische Abweichungen nach oben: In Bayern wurde örtlich mehr als das Doppelte des Mittelwerts erreicht. Die meisten Sonnenstunden wurden in den Alpen registriert, Spitzenreiter ist die Zugspitze mit 80 Sonnenstunden gefolgt vom Nebelhorn mit 67 und Garmisch-Partenkirchen mit 66 Stunden Sonnenschein.

Zu nass, zu warm, nur der Sonnenschein war im Soll

In keinem Bundesland unterschritt die Durchschnittstemperatur das langjährige Mittel. Die Abweichungen nach oben reichten von plus 4,4 Grad in Nordrhein-Westfalen bis 5,9 Grad in Berlin. Der höchste Tages-Temperaturwert wurde mit 17,1 Grad am 18. Januar in Rosenheim in Bayern gemessen.

Insgesamt war der erste Monat des Jahres viel zu nass, wobei vereinzelt allerdings sogar viel zu wenig Niederschläge fielen. Während es in Süddeutschland gebietsweise zu trocken war, wo an einigen Wetterstationen weniger als die Hälfte des Normalwerts gemessen wurde, lag der Deutschland-Durchschnitt über dem Mittel: Rund 96 Liter pro Quadratmeter wurden gemessen und damit 1,5-mal soviel wie normal. Besonders nass war es in Teilen Nord- und Ostdeutschlands, wo örtlich mehr als das Dreifache der üblichen Regenmenge fiel. In Bremen (117 Liter pro Quadratmeter) regnete es laut Meteomedia mehr als doppelt so viel wie normal. Am meisten Regen und Schnee fiel am Brocken mit 372 Liter pro Quadratmeter.

Am gestrigen Montag hatte das Umweltbundesamt in Dessau die Ergebnisse eines regionalen Klimamodells vorgestellt, demzufolge der Klimawandel gegen Ende des 21. Jahrhunderts zu starken Veränderungen des Wetters einzelner deutscher Landschaften führen könnte: Darin war unter anderem von milderen, feuchteren Wintern die Rede - allerdings als langfristige Trendveränderung. Kurzfristige Ausreißer sind für solche Betrachtungen nicht von Belang.

stx/ AP/ddp/dpa



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