Ausbleibender Warnruf Vögel retten Küken mit Schweigen

Nähert sich ein Räuber, stehen Vogeleltern vor einem Dilemma: Ihr Alarmruf könnte den Nachwuchs zwar ruhigstellen - und das Risiko verringern. Der Schrei könnte aber auch Feinde erst recht aufmerksam machen. Ein Singvogel hat eine Strategie entwickelt.

Mit lautem Gepiepse fordert eine kleine Kohlmeise ihr Futter: Der Vater füttert es. Droht Alarm, schlägt er Alarm - wahrscheinlich
DPA

Mit lautem Gepiepse fordert eine kleine Kohlmeise ihr Futter: Der Vater füttert es. Droht Alarm, schlägt er Alarm - wahrscheinlich


London - Auf einen Räuber reagieren manche Vögel nur dann mit Alarmrufen, wenn ihre Küken gerade herumlärmen. Damit zeigen sie ein Verhalten, das bisher nur bei Primaten beobachtet worden sei, berichten Forscher in den "Biology Letters" der britischen Royal Society. Die Vögel seien in der Lage, aus dem Verhalten ihrer Küken auf das Risiko, gefressen zu werden, zu schließen. Sie stimmten ihre eigene, ebenfalls potentiell riskante Reaktion darauf ab.

"Bei Arten, die ihre Jungen mit Alarmschreien warnen, stehen die Eltern vor einem fundamentalen Dilemma", schreiben die Forscher. "Die Schreie können lauten Nachwuchs zum Schweigen bringen und so die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sie gehört werden. Aber sie können auch dem Fressfeind signalisieren, dass Junge in der Nähe sind." Der Ausweg sei, abhängig davon zu reagieren, wie hoch das Risiko für die Brut jeweils einzuschätzen ist.

Kontaktschrei auf dem Band

Tonya Haff und Robert Magrath von der Australischen National-Universität in Canberra hatten mit Vögeln der Gattung Sericornis experimentiert, die zu den Südseegrasmücken und zu den Singvögeln zählt. Sie untersuchten 20 Nester im Nationalen Botanischen Garten mit jeweils drei Küken. Zunächst wurden die Kontakt- und Hungerschreie der Jungen aufgenommen. Anschließend bekam jedes Elternpaar die Stimmen des eigenen Nachwuchses zu hören.

Wenn die Eltern mit Kontaktschreien auf die Bandaufnahmen reagierten, folgte der Einsatz von Tierpräparaten: Entweder wurde eine ausgestopfte Dickschnabel-Würgerkrähe, der bedeutsamste Fressfeind von Sericornis, zwei Meter entfernt vom Nest aufgestellt - oder aber ein harmloser Papagei.

Wenn der Papagei neben dem Nest stand, gaben die Sericornis-Eltern keine Alarmrufe von sich. Bei der Krähe hing dies davon ab, wie laut der Nachwuchs vom Band zu hören war. Waren die Jungen relativ ruhig, blieben es meist auch ihre Eltern. Schrie die Brut jedoch sehr laut, versuchten die Eltern, sie durch dröhnende Alarmschreie dazu zu bringen, still zu sein. Die Anzahl der Kontaktrufe änderte sich weder bei Anwesenheit der Krähe noch des Papageis.

nik/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
malhinterfragt 16.10.2013
1.
Das würden die wenigsten Menscheneltern hinbekommen....!!
BarbaraBuntrock 16.10.2013
2.
Ach wär das doch bei uns auch so. Die Eltern schreien zuweilen mehr als die Kinder, auch ohne Gefahr. Ich liebe Spielplätze mit Kindern, aber wenn die Eltern hinzukommen wird der Lärmpegel oft unerträglich. Ob das früher auch so war? Der Säbelzahntiger hätte uns doch alle gefressen..
taglöhner 16.10.2013
3. Gechichte
Zitat von malhinterfragtDas würden die wenigsten Menscheneltern hinbekommen....!!
Kommt auf Ort und Zeit an.
Jo-achten-van-Haag 17.10.2013
4. Das Überleben
"Dummer Elternteile" die ihren Nachwuchs vor allem und jedem schützen wollen und sei es auch nur ein wenig Schmutz, ist mangels natürliche Auslese gegeben. In soweit ist das also nicht auf die Menschen übertragbar.
mademoiselledani 17.10.2013
5. Auf den Spielplätzen,
die ich mit meinen Kindern besuche, schreien keine Eltern. Und die Kids eigentlich auch nicht. Kommt wohl auf die Gegend an..
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