Warnrufe Erdmännchen reagieren nur auf schiefe Töne

Hören Tiere bestimmte Warnsignale, können sie nicht anders, als darauf zu reagieren. Diese Hypothese haben Forscher jetzt erstmals für Erdmännchen bewiesen: Sie reagieren alarmiert, wenn die Warnschreie der Artgenossen disharmonisch sind.

Erdmännchen: großes Repertoire an Warnschreien
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Erdmännchen: großes Repertoire an Warnschreien


Erdmännchen (Suricata suricatta) leben meist in offenen Wüsten, das macht sie zu einer leichten Beute. Dazu kommt, dass ihr Sichtfeld eingeschränkt ist, wenn sie am Boden nach Futter suchen. So bemerken sie heranschleichende Angreifer oder Raubvögel aus der Luft oft zu spät. Deshalb ist nicht nur der soziale Zusammenhalt in der Gruppe wichtig - auch die Warnsignale der Artgenossen können für das Überleben entscheidend sein.

Jetzt haben Biologen die Feinheiten der Warnschreie untersucht und dabei festgestellt: Nur wenn diese disharmonisch sind, reagieren die Artgenossen entsprechend alarmiert und unterbrechen die Futtersuche, schreiben Simon Townsend und seine Kollegen von der Universität Zürich in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Das Forscherteam beobachtete acht Erdmännchen-Kolonien in der Halbwüste Kalahari in Südafrika über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Um die Gruppenmitglieder sicher identifizieren zu können, nutzten die Biologen winzige Sender, mit deren Hilfe sie die Position der Erdmännchen bis auf einen Meter genau feststellen konnten. Dann spielten sie den Tieren über Lautsprecher neun verschiedene charakteristische Warnschreie vor und beobachteten deren Reaktion.

Stillstehen oder weglaufen?

Insgesamt fünf unterschiedliche Verhaltensformen haben die Forscher registriert: Manche Warnschreie ließen die Erdmännchen kalt, sie zeigten keinerlei Reaktion. Andere Signale führten dagegen entweder zu einer erhöhten Wachsamkeit oder zum wachsamen Stillstehen. Manchmal rannten die Tiere einfach nur weg, bei bestimmten Schreien traten sie hingegen die gezielte Flucht in den Bau ein.

Dabei passten sich die Erdmännchen jeweils der Wiedergabeart an, die von den Biologen ausgewählt wurde. Während Warnsignale, die nur aus einem klaren Grundton bestanden, die Tiere kaum bei der Futtersuche ablenkten, stoppten sie ihre Nahrungsbeschaffung bei nichtlinearem Alarm, also wenn neben dem Grundton noch weitere Töne enthalten waren. In den Bau flohen die aufgeschreckten Erdmännchen ebenfalls nur dann, wenn ihnen zuvor die disharmonischen Rufe vorgespielt worden waren.

Die Verhaltensänderungen standen eindeutig in direktem Zusammenhang mit den unterschiedlichen Warnhinweisen, berichten die Biologen. Diese Beobachtung ist ihrer Einschätzung nach ein Beweis für die sogenannte Unvorhersehbarkeitshypothese: Danach verhindern die für zahlreiche Tierarten charakteristischen nichtlinearen Rufe, dass der Alarm von den Empfängern einfach ignoriert wird.

cib/ddp



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