Uno warnt vor Folgen Die Welt verbraucht zu viel Sand

Der weltweite Bauboom hat eine Sandknappheit ausgelöst. Die Folgen für die Umwelt sind laut einem neuen Uno-Bericht drastisch.
Kiesgrube in Sachsen, in der Kies und Sand getrennt werden

Kiesgrube in Sachsen, in der Kies und Sand getrennt werden

Foto: arifoto UG/ DPA

Die Nachfrage nach Sand und Kies hat sich einer neuen Studie zufolge  in 20 Jahren verdreifacht. Mit 40 bis 50 Milliarden Tonnen pro Jahr sei Sand einer der wichtigsten Handelsrohstoffe weltweit, teilte das Uno-Umweltprogramms (Unep) in Genf mit. Der unregulierte Abbau schade der Umwelt. "Flüsse, Deltas und Küsten werden ausgewaschen, Sand-Mafias blühen, und der Bedarf steigt", so die Unep.

Der Grund für die hohe Nachfrage liegt vor allem in der Zunahme der weltweiten Bautätigkeit. Sand wird neben Wasser, Zement und Kies als wesentlicher Bestandteil für die Betonherstellung verwendet. Für ein normales Einfamilienhaus sind Schätzungen zufolge 200 Tonnen Sand nötig.

Weil die Weltbevölkerung wächst und immer mehr Menschen in Städte ziehen, nimmt auch die Bautätigkeit zu. Vor allem in Ländern wie China und Indien steigt der Betonkonsum seit Jahren. Der Sand- und Kiesbedarf für Häuser, Straßen und andere Bauten wächst so weltweit nach Schätzungen jedes Jahr um 5,5 Prozent. Auch in Deutschland sorgt der Bauboom für einen hohen Verbrauch.

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Rohstoff Sand: Mangelware

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Die Folgen an Küsten- und Flusslandschaften seien laut Unep schwerwiegend: Flussufer können instabil werden, wenn Sand abgegraben wird. Das kann langfristig zu mehr Überschwemmungen führen. Zudem verändert der Sandabbau die Ökosysteme, mancherorts finden Meerestiere keine geeigneten Lebensräume mehr. In Flüssen und Mangrovenwäldern dezimiert der Sandabbau die dort lebenden Krabben.

Sandmafia klaut ganze Strände

Neben Beton wird Sand auch für die Glasherstellung, für Kosmetika, Zahnpasta, Mikrochips, Smartphone-Bildschirme, Autos und Flugzeuge verwendet. Das aus Sand gewonnene Siliciumdioxid (SiO2) nutzen Lebensmittelhersteller sowie die Weinindustrie. "Unsere Gesellschaft ist im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut", sagte der Projektleiter des Uno-Reports, Pascal Peduzzi.

Die Unep fordert internationale Regeln, die festlegen, wie viel Sand in welchen Regionen schonend abgebaut werden kann. Auf Prestigebauten ohne echten Nutzen solle verzichtet werden. Sand könne in einigen Gebäuden teilweise ersetzt werden, etwa durch Sägemehl. Zudem sollten Unternehmer Recycling-Material für den Bau entwickeln.

Der Bericht mahnt auch den zunehmenden illegalen Handel mit dem Rohstoff an. In Marokko hätten Schmuggler an einem Küstenstreifen zwischen Safi und Essaouira den Sand so weit abgetragen, dass nur noch Steine übrig geblieben seien. Ein ähnlicher Fall ist aus Jamaika bekannt. Dort hatten Diebe 2008 von einem Strand 500 Lkw-Ladungen Sand abtransportiert.

joe/dpa