Warnung vor Milliardenschäden Ländlebeben befürchtet

Deutschland ist nach Meinung von Experten nur ungenügend auf Erdbeben und Überschwemmungen vorbereitet. Besonders gefährdet ist offenbar die Region um Stuttgart, in der man ständig mit einem großen Erdbeben und gewaltigen Schäden rechnen müsse.

Das Risikopotenzial von Naturgefahren in Deutschland ist zu wenig erforscht, kritisierten Wissenschaftler der Universität Karlsruhe und des Geoforschungszentrums Potsdam heute in Karlsruhe. Baden-Württemberg zähle mit dem Oberrheingraben und der Schwäbischen Alb zu den Erdbeben gefährdetsten Regionen Deutschlands, sagte Jochen Zschau vom "Center for Disaster Management and Risk Reduction" (CEDIM) in Karlsruhe.

Nach Zschaus Aussage werden die bestehenden Risiken jedoch übersehen. Für besonders gefährdet hält er die Region Stuttgart-Tübingen-Albstadt. Selbst ein vergleichsweise kleines Beben der Stärke 4,0 auf der Richter-Skala könne allein in Stuttgart nach CEDIM-Berechnungen Schäden von mehr als 400 Millionen Euro anrichten.

Wenn sich das historische Beben von Tübingen aus dem Jahr 1911 mit einem Wert von 5,7 wiederholen sollte, käme es heute in der Region zu Schäden von etwa acht Milliarden Euro. Forscher haben eine Risikokarte erstellt, die für jede einzelne Gemeinde den zu erwarteten Gebäudeschaden zeigt, der mit einer zehnprozentigen Wahrscheinlichkeit in den nächsten fünf Jahren zu erwarten ist. "Wir müssen immer mit einem größeren Beben rechnen. Vorsorge muss daher auch im Hinblick auf Erdbeben ein Gewicht haben", forderte Zschau, Leiter des CEDIM-Projekts "Erdbebenrisiko".

Auch mögliche Hochwasser bereiten den Wissenschaftlern Sorgen. Für den Neckar wurden am CEDIM Hochwasser-Szenarien am Computer durchgespielt. Überflutungsvorhersagen für Städte wie Heilbronn zum Beispiel lassen sich damit sekundenschnell abrufen. "Ziel ist es, das abstrakte Ding Fluss in den Laptop zu holen, um Gefahren erkennen und rechtzeitig bewerten zu können", sagte Frank Nestmann, Leiter des CEDIM-Projekts "Hochwasserrisiko". Meist gehe es dabei um Ereignisse wie das Elbe-Hochwasser, mit denen zuvor niemand ernsthaft gerechnet habe. "Wir müssen sie uns aber vorstellen, um richtig handeln zu können."

Milliardenschäden etwa durch das Elbe-Hochwasser oder den Orkan "Lothar" lassen sich nach Ansicht der Forscher durch eine bessere wissenschaftliche Vorbereitung deutlich verringern.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.