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Chytridpilz: Der tödliche Erreger

Foto: Miguel Vences/ TU Braunschweig

Tödliche Pilze Was Amphibien immun gegen die Seuche macht

Seit Jahren sterben Frösche und Kröten weltweit an einer Pilzinfektion. Doch manchen Amphibien machen die Erreger nichts aus. Forscher haben nun eine plausible Erklärung dafür im Erbgut der Tiere gefunden.

Seoul - Bd nennen Biologen den Chytridpilz, der seit Jahrzehnten Amphibien den Garaus macht. Batrachochytrium dendrobatidis, so sein wissenschaftlicher Name, gilt als Hauptverursacher eines weltweiten Amphibiensterbens - neben Faktoren wie der Vernichtung von Lebensräumen, Schadstoffeintrag und der Ausbreitung anderer Erreger. Nachgewiesen wurde der Pilz inzwischen bei mehr als einem Drittel aller Amphibienarten weltweit.

Bd befällt Keratin enthaltende Hautschichten von Amphibien, der genaue Mechanismus seiner tödlichen Wirkung ist noch unklar. Zumindest einige Frösche und Kröten aber sind immun gegen den Pilz - Forscher haben nun ergründet, warum. Ursache seien Unterschiede in einem für die Immunabwehr wichtigen Proteinkomplex, schreiben sie im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B" .

Der Chytridpilz stammt ursprünglich von afrikanischen Krallenfröschen. Diese wurden lange für Schwangerschaftstests verwendet und weltweit gehandelt. Auf diese Weise wurde der Pilz in neue Regionen eingeschleppt, wo er auf Amphibien traf, die dem Erreger zuvor nicht ausgesetzt waren und daher besonders empfindlich reagierten. Eine globale Epidemie begann.

Die Wissenschaftler um Bruce Waldman von der Seoul National University in Südkorea hatten nun nach Unterschieden zwischen anfälligen und immunen koreanischen Froschlurchen gesucht. Fündig wurden sie bei bestimmten Genen im Erbgut, die wichtige Proteine des Immunsystems steuern.

Immunsystem falsch informiert?

Die sogenannten MHC-II-Komplexe werden von Zellen des Immunsystems in der äußeren Zellmembran präsentiert. Sie übertragen Informationen über den Proteinbestand in der Zelle auf deren Oberfläche. Das Immunsystem bekommt so Informationen über den Zustand der Zelle und kann zum Beispiel erkennen, ob sie mit Viren infiziert ist. In einem solchen Fall kann der Körper seine Abwehr in Stellung bringen und die befallene Zelle gezielt abtöten, um eine weitere Ausbreitung der Erkrankung im Organismus zu verhindern.

Bei den Amphibien verschiedener Arten, die gegen Bd resistent sind, gab es Gemeinsamkeiten bei einer Bindungsstelle des MHC-II-Komplexes. Diese legt nach Auffassung der Forscher die Resistenz fest. Aber es gab noch mehr Gemeinsamkeiten, weshalb sie eine Analyse für andere resistente Arten empfehlen.

Die Seuche, die bisher vor allem in den USA, Mittelamerika und Australien massenhaft Schwanz- und Froschlurche sterben lässt, hat inzwischen auch Madagaskar erreicht, wie kürzlich ein Team des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung Leipzig in den "Scientific Reports" berichtet hatte . Weil Bd es bis auf die isolierte Insel bei Afrika geschafft hat, fürchten Forscher, dass sich der Erreger über kurz oder lang auf der ganzen Welt ausbreitet.

hda/dpa
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