Wasser-Sprinter Das Geheimnis der Jesus-Echse

Jesus konnte es, Krabbeltiere beherrschen es bis heute: das Laufen über Wasser. Außer ihnen gibt es nur ein Nicht-Insekt, das zu Ähnlichem fähig ist. Jetzt haben Wissenschaftler dem Stirnlappenbasilisken das Geheimnis seines Laufstils entlockt.


Insekten haben es leicht, denn sie sind nicht schwer. Ihr geringes Gewicht schützt manche Krabbeltiere vor dem Untergang: Ihre Beine drücken die Wasseroberfläche nur leicht ein, so dass sich Oberflächenspannung und Schwerkraft die Waage halten.

Basilisk: Sprintet übers Wasser
AP

Basilisk: Sprintet übers Wasser

Doch auch ein größeres, bei weitem schwereres Tier meistert den Lauf übers Wasser in Jesus-Manier: der Stirnlappenbasilisk, eine leuchtend grüne Eidechse. Die in Costa Rica, Nicaragua und Panama lebenden Tiere huschen blitzschnell auf ihren Hinterbeinen über Bach und See, ohne zu versinken. Die bis zu 70 Zentimeter langen Männchen sind nicht nur schnell, sondern geben mit ihrem auffälligen, zweigeteilten Kopflappen und ihrem Kamm auf Rücken und Schwanz auch noch ein possierliches Bild ab.

Amerikanische Forscher von der Harvard University glauben nun, das Geheimnis der "Jesus-Echse" gelüftet zu haben. In Laborversuchen musste ein Basilisk durch ein Wasserbecken laufen. Das Resultat ist ein Zeitlupen-Video, in dem zu sehen ist, dass das Reptil nicht einfach nur schnell ein Bein vor das andere setzt. Vor allem ein zugleich seitlich ausgeübter Druck ermöglicht die stabile Fortbewegung auf dem flüssigen Untergrund, schreibt das Team von Tonia Hsieh im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Ohne diese Technik käme der Basilisk ins Torkeln - ähnlich wie Menschen, die über weichen Sand rennen und vornüber kippen. "Unsere Hypothese ist, dass dadurch die Bewegung stabilisiert wird", sagte Hsieh gegenüber der BBC.

Die Eidechsen haben einen langen Körper und große Füße. An ihren Zehen hängen fransenähnliche Fortsätze, offenbar, um mit einer möglichst großen Fläche auf der Wasseroberfläche aufzusetzen.

Laboraufnahme der Eidechse: Stabiler Lauf dank seitlicher Kräfte
PNAS

Laboraufnahme der Eidechse: Stabiler Lauf dank seitlicher Kräfte

Von ihren Beobachtungen am Becken waren die Wissenschaftler selbst überrascht: "Wir hatten erwartet, dass sie starke Kräfte entwickeln, um auf dem Wasser zu laufen", erklärte Hsieh. Doch dann habe sich gezeigt, dass die Kräfte nicht nur nach oben, sondern auch nach beiden Seiten gerichtet seien. Die Beobachtung mache deutlich, wie die Eigenschaften des "Untergrunds" generell die Lauftechnik beeinflussen könnten.



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