Advent, Advent, die Erde brennt O Tannenbaum, woraus sind deine Blätter?

Plastik oder Holz, kaufen oder mieten - wie stark der Weihnachtsbaum die Umwelt belastet, hängt vom Modell ab. Wir erklären, worauf Verbraucher achten sollten.
Christbaumverkauf: Die Tannen wachsen in Plantagen, werden gedüngt und gespritzt

Christbaumverkauf: Die Tannen wachsen in Plantagen, werden gedüngt und gespritzt

Foto: iStockphoto/ Getty Images

Weihnachten ist angesichts Millionen abgeholzter Bäume, riesiger Müllberge und ungezügelter Völlerei ein Klimakiller. Im mehrteiligen SPIEGEL-Ratgeber erfahren Sie, wie das Fest möglichst nachhaltig wird. Diesmal: Weihnachtsbäume. Die vorherigen Folgen lesen Sie hier:

Alle Jahre wieder streiten sich Familien vor Weihnachten über den richtigen Tannenbaum. Und alle Jahre wieder heißt es: Holztanne gegen Plastikbaum. Für beide Varianten gibt es Argumente. Der Kunstbaum nadelt nicht und hält lange. Dafür fehlt ihm der weihnachtliche Duft. Bleibt die Frage, welche Option für die Umwelt am besten ist.

Nutzen Verbraucher den Plastikbaum lange genug, ist er besser als eine echte Tanne, argumentieren die einen. Plastik ist biologisch nicht abbaubar, kritisieren die anderen. Die Wahrheit ist: Beide Optionen tun der Umwelt nichts Gutes.

Laut dem Verband der Deutschen Holzverarbeitenden Industrie kauften die Menschen in Deutschland 2018 knapp 30 Millionen Weihnachtsbäume . Auf zehn Einwohner kommen rechnerisch also knapp vier Exemplare. Am beliebtesten sind Nordmanntannen mit einem Anteil von 75 Prozent, gefolgt von Blaufichten (siehe Grafik). In der Natur kommen diese Arten in Deutschland allerdings gar nicht vor.

Für Weihnachten werden die Tannen in Plantagen gezüchtet - unter dem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln. "Die Produktionsbedingungen in den Kulturen unterscheiden sich stark und sind meist für den Verbraucher nicht transparent", schreibt das Umweltbundesamt  (UBA). Besonders bei Bäumen aus dem Ausland sei in vielen Fällen nicht nachvollziehbar, welche Mittel eingesetzt wurden.

Siegel helfen bei der Auswahl

Das UBA empfiehlt daher, Bäume zu kaufen, die in der Region gewachsen sind und das Bio- oder FSC-Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft tragen. Bio-Bäume werden meist in Mischkulturen angebaut. Das schützt sie vor Schädlingen, sodass keine oder weniger Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Noch besser ist es laut UBA, sich seinen Baum unter Anleitung im Wald selbst zu schlagen.

Einige Waldbesitzer, Förster und Naturschutzgruppen bieten entsprechende Touren an. Auf eine gedüngte und gespritzte Nordmanntanne werden Kunden dort nicht treffen. Sie müssen sich aber darauf einstellen, dass die natürlich gewachsenen Bäume etwas schiefer sind und ungleichmäßiger benadelt. Ob sich der Bedarf von 30 Millionen Bäumen im Jahr so decken ließe, ist zudem fraglich.

Weihnachtsbaumsuche: Am besten selber fällen

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Foto: Hero Images/ Getty Images

Seit ein paar Jahren gibt es auch die Möglichkeit, einen Tannenbaum zu mieten. Er wird mit Wurzeln im Topf geliefert und nach dem Fest wieder abgeholt und in die Erde gepflanzt. Meist handelt es sich hier zwar auch um Nordmanntannen, die auf Plantagen herangezogen wurden. Der Ansatz verhindert aber, dass jedes Jahr Millionen Bäume auf dem Müll landen, auch wenn nicht alle Tannen den Ausflug ins warme Wohnzimmer überleben.

Plastikbäume verbrauchen endliche Ressourcen und belasten das Klima

Bei Plastikbäumen ist das größte Problem dagegen das Material, aus dem sie bestehen: Polyvinylchlorid, kurz PVC, ist extrem langlebig und wird erst nach Jahrhunderten abgebaut. Die Grundlage bilden fossile Brennstoffe wie Erdöl, Gas oder Kohle. Das sorgt für eine schlechte Umwelt- und Klimabilanz.

Die britische Firma Carbon Trust , die Unternehmen und Behörden in Umweltfragen berät, schätzt, dass bei der Produktion eines zwei Meter hohen Plastikbaums ungefähr 40 Kilogramm CO2-Äquivalent entstehen. Zwei Drittel der Emissionen entfallen auf die PVC-Produktion, nur ein Drittel auf die eigentliche Herstellung des Baums.

Zum Vergleich: Entsorgt man einen zwei Meter hohen Nadelbaum auf einer Müllkippe, entspricht die Menge freiwerdender Treibhausgase etwa 16 Kilogramm Kohlendioxid . Das meiste davon ist Methan. Es entsteht, wenn sich das Holz zersetzt und ist ein 25 mal wirksameres Treibhausgas als Kohlendioxid (CO2). Verbrennt man den Baum dagegen, entstehen laut Carbon Trust nur 3,5 Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalent.

Es dauert 20 Jahre, um die schlechte Umweltbilanz des Plastikbaums auszugleichen

Der Baum setzt dann den Kohlenstoff als CO2 frei, den er zuvor beim Wachsen aufgenommen hat. Die Klimabilanz ist also ausgeglichen. Ein Plastikbaum hätte demnach erst nach gut zehn Jahren eine bessere Klimabilanz, als jedes Jahr aufs Neue verbrannte Weihnachtstannen. Berücksichtigt man außerdem die Auswirkungen der Produktion auf Ökosysteme und den Ressourceneinsatz, kommt man auf einen noch höheren Wert.

Die aussagekräftigste Studie dazu  stammt aus dem Jahr 2009. Damals errechnete die kanadische Umweltberatungsfirma "Ellipsos", dass eine Plastiktanne erst wenn sie 20 Jahre lang im Einsatz war, eine bessere Umweltbilanz hat, als ein Baum aus Holz. Die Wissenschaftler berücksichtigen dabei auch, dass Plastiktannen meist aus China importiert werden.

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Später behauptete die Beratungsfirma WAP Sustainability Consulting in einer Studie  von 2017, es seien nur fünf Jahre nötig, um die Umweltbilanz von Plastik- und Holzbaum anzugleichen. Die Untersuchung geriet allerdings in die Kritik , weil wichtige Punkte nicht berücksichtigt worden waren. Zudem wurde sie von der American Christmas Tree Association beauftragt, die sich unter anderem mit Geld von Plastikbaum-Herstellern finanziert.


Zusammengefasst: Wer nicht auf einen Weihnachtsbaum verzichten will, greift am besten zu einem Holzbaum, der in der Region gewachsen ist und ein Bio- oder FSC-Siegel trägt. Noch umweltfreundlicher ist es, sich unter Anleitung des Försters im Wald selbst eine Tanne zu schlagen. Zudem können Mietbäume eine sinnvolle Alternative sein, um Ressourcen zu schonen und CO2 zu sparen.