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Weiße Haie: Senioren im Meer

Foto: DPA / Randy Wilder / Monterey Bay Aquarium Foundation

Datierung Weiße Haie werden so alt wie Menschen

30 Jahre galten für den Weißen Hai als Höchstalter. Nun zeigen Kadaver der Tiere, dass sie offenbar deutlich älter werden können. Neue Schutzstrategien müssen her.

Woods Hole - Sie sind Langstreckenschwimmer: Weiße Haie leben zumeist in den gemäßigten und subtropischen Meeren, wandern aber lange Strecken und können in allen Ozeanen der Welt gefunden werden. Da sie langsam wachsen und spät geschlechtsreif werden, sind sie besonders gefährdet, vor allem durch die Fischerei. Der US-Bundesstaat Kalifornien hat sogar ein Gesetz zum Schutz der Haie erlassen. Gleichzeitig warnen Wissenschaftler, dass die Tiere vermutlich noch gefährdeter sind als bisher angenommen.

Nun zeigt sich, dass Weiße Haie mehr als 70 Jahre alt werden können - und damit deutlich älter als bislang vermutet. Dies berichten Forscher im Fachjournal "PLoS One", nachdem sie das Alter von acht bereits gestorbenen Tieren mit einem neuen Verfahren bestimmt hatten. Der Senior unter den getesteten Tieren war demnach ein 73-jähriges männliches Tier, das älteste Weibchen war 40 Jahre alt. Bislang galt für Weiße Haie eine Obergrenze von 30 Jahren als wahrscheinlich.

Ein genaues Wissen um Entwicklung und Lebenserwartung der Weißen Haie sei wichtig für den Schutz der weltweit in ihrem Bestand bedrohten Art, schreiben die Forscher um Li Ling Hamady von der Woods Hole Oceanographic Institution im US-Bundesstaat Massachusetts.

Bei der Altersbestimmung von Fischen zählen Wissenschaftler in der Regel Wachstumsringe, die in mineralisiertem Gewebe wie Ohrsteinen, Wirbelknochen oder Flossenstrahlen nachzuweisen sind - ganz ähnlich wie die Jahresringe bei Bäumen.

Kohlenstoffisotop in den Wirbelknochen gesucht

Allerdings ist die Methode bei Weißen Haien schwierig: Die Wirbelknochen sind dem Forscherteam zufolge zwar auch aus Schichten aufgebaut, die sich im Laufe des Lebens ablagern. Das hell-dunkle Bandmuster sei allerdings oft sehr eng und nur schlecht abgegrenzt. Außerdem sei umstritten, ob tatsächlich jedes Jahr ein Bandpaar abgelagert werde. Die ältesten mit dieser Methode datierten Weißen Haie waren 22 und 23 Jahre alt.

Hamady und ihre Mitarbeiter setzten nun ein anderes Verfahren ein: Sie bestimmten die eingelagerte Menge des instabilen Kohlenstoffisotops C14 in den einzelnen Schichten der Hai-Wirbelknochen. In den fünfziger und sechziger Jahren war die Menge dieses Isotops in der Atmosphäre und den Meeren aufgrund von Tests mit Wasserstoffbomben merklich angestiegen. Damit gelangten auch mehr solcher Partikel in das Gewebe der Tiere, was sich bis heute messen lässt.

Die Forscher hatten Haie untersucht, die zwischen 1967 und 2010 im Nordwestatlantik gefangen wurden. Mit einer Lebenserwartung von 70 Jahren oder mehr gehöre der Weiße Hai nun womöglich zu den langlebigsten Knorpelfischen überhaupt, schreiben die Wissenschaftler. Die neue Altersbestimmung dürfte Biologen auch dazu zwingen, die Strategien für den Schutz der Tiere anzupassen.

chs/dpa
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