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Nach tödlichen Attacken Australien gibt Weißen Hai zur Jagd frei

Nach fünf tödlichen Hai-Angriffen innerhalb eines Jahres wollen australische Behörden nun Weiße Haie jagen und töten. Parallel verabschiedete eine Uno-Konferenz in Bonn eine neue Konvention für bedrohte Meerestiere - besonders schützenswert: Haie.

Canberra/Bonn - Nach fünf tödlichen Angriffen in kurzer Zeit bläst Australien an seiner Westküste zur Jagd auf Weiße Haie. Zwar standen die Tiere bislang unter Naturschutz, doch zum Schutz der Badegäste ziehen die Behörden nun andere Saiten auf. "Wir werden das Leben und die Sicherheit von Strandgängern immer über den Hai stellen", sagte der Regierungschef des Bundesstaats Western Australia, Colin Barnett. Es handle sich schließlich um einen Fisch. Hai-Experten und Naturschützer kritisierten die Ankündigung scharf.

In Zukunft sollen an der Westküste Australiens Weiße Haie bereits gejagt werden, wenn sie in der Nähe von Badegästen auftauchen. Die bisherige Regelung sah vor, die Tiere erst zu töten, wenn bereits ein Schwimmer angegriffen wurde. Im Kampf gegen die Raubfische will die Regierung auch technisch aufrüsten und neue Jetskies für die Rettungsschwimmer anschaffen. Außerdem sollen mehr Helikoptereinsätze geflogen werden. In den vergangenen hundert Jahren starben nach offiziellen Angaben insgesamt nur zwölf Menschen bei Haiangriffen - fünf davon allerdings 2011.

Noch vor wenigen Wochen hatten die Behörden versichert, der Bedrohung mit Hilfe von Absperrungen Herr zu werden. Hai-Fachmann Chris Neff von der Universität Sydney verurteilte das Notschlachtungsprogramm als "Hollywood-Reaktion". Man könne Haie nicht kontrollieren, betonte Neff: "Es gibt keine kurzfristige Lösung gegen Hai-Angriffe. Alle Haie zu töten, ist keine praktikable Option."

Uno verabschiedete neuen Schutzplan für Haie

Die Zahl der Weißen Haie vor der Westküste Australiens habe zwar plötzlich stark zugenommen, doch es gebe keine wissenschaftlichen Beweise, dass Jagd auf Haie zu weniger Angriffen führen werde, meinte Neff. "Wir sind ihnen im Weg, und nicht auf ihrer Speisekarte." Die Angriffe seinen tragisch, würden aber auch wieder abnehmen, erklärte der Hai-Experte.

Die Aktion der Australier erstaunt: Gerade am Donnerstag Vormittag hatten Regierungsdelegierte aus mehr als 50 Ländern zum Abschluss einer Uno-Konferenz in Bonn eine neue Übereinkunft zum Schutz von Haien verabschiedet. Der neuer Plan soll insbesondere dem Riesenhai und dem Weißen Hai helfen.

Das Papier sieht vor, Beobachtungen der Bestände zu verstärken, um einen gezielten Schutz zu ermöglichen. Regionale Umweltinitiativen sollen gestärkt und Vertreter der Fischindustrie einbezogen werden. Die Regierungen werden aufgerufen, enger zu kooperieren, um Überfischungen und anderen Bedrohungen zu begegnen. Auch dem noch oft praktizierten Abschneiden von Flossen auf hoher See soll begegnet werden.

Der Plan entstand im Rahmen eines globalen Schutzabkommens unter dem Dach der Vereinten Nationen, der Konvention zum Schutz Wandernder Tierarten (CMS). Sie wird nach ihrem Entstehungsort auch Bonner Konvention genannt. 2010 wurde auf ihrer Grundlage bereits die "Gemeinsame Absichtserklärung zur Erhaltung der wandernden Haiarten" vereinbart, deren Folge das neue Papier ist.

nik/reuters/dpa
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