Weißkopfseeadler Wappentier der USA könnte Ökosysteme gefährden

Sie waren fast ausgerottet - jetzt bereiten sie den Biologen neue Sorgen: Weißkopfseeadler, die in manchen Regionen der USA wieder ausgewildert werden, könnten eine Bedrohung für heimische Tiere sein. Ein ökologischer Konflikt, der nur schwer zu lösen ist.
Weißkopfseeadler: Seit 200 Jahren Wappentier der USA

Weißkopfseeadler: Seit 200 Jahren Wappentier der USA

Foto: BRIAN SNYDER/ REUTERS

Das Wappentier der USA - der Weißkopfseeadler - hat großen Symbolwert. Und doch warnen Forscher jetzt vor dem Vogel: Neu angesiedelte Weißkopfseeadler könnten auf den kalifornischen Kanalinseln eine Bedrohung für die dort heimischen Tierarten sein. Denn, so die Ergebnisse einer neuen Studie, der Weißkopfseeadler ist ein Opportunist, was seine Nahrung angeht.

Seth Newsome von der University of Wyoming in Laramie und seine Kollegen berichten jetzt im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" , der Vogel habe im Lauf der Jahrtausende immer wieder das Spektrum seiner Beutetiere verändert. Diesen Schluss ziehen die Wissenschaftler, nachdem sie Isotopenanalysen von bis zu 20.000 Jahre alten Adlerknochen gemacht hatten. Demnach haben sich die Adler auf den kalifornischen Kanalinseln über Jahrtausende vorwiegend von Seevögeln ernährt. Dann, um 1850 herum, kamen zusätzlich Aas und Schafe auf den Speiseplan der Weißkopfseeadler. Diese Tiere wurden um diese Zeit dort von Menschen eingeführt.

Änderungen im Speiseplan

Jetzt droht nach Meinung der Forscher auf den Kanalinseln ein ökologischer Konflikt, denn dort gibt es keine Schafe mehr und auch ansonst sind die Seevögel-Bestände dort eher klein. Bei Wiederansiedlungsaktionen müsse das verstärkt berücksichtigt werden, denn sonst könnten Weißkopfseeadler den bedrohten Insel-Graufuchs oder seltene Seevögel schlagen und dezimieren.

Aufgrund der bekannten Anpassungsfähigkeit der Adler sei es wahrscheinlich, dass sich die Adler wieder neue Nahrungsquellen erschließen, schreiben die Wissenschaftler, beispielsweise auch Robben. "All diese Nahrungsquellen sind problematisch", sagt Newsome. "Das Robbenfleisch ist mit Schadstoffen belastet und die Populationen der Füchse und Seevögel sind auf einem kritischen Niveau."

Den Status des Wappentiers für die USA hat das Tier schon seit mehr als 200 Jahren. Nicht umsonst: Der Weißkopfseeadler ist der einzige Adler, der nur in Nordamerika und nirgends sonst auf der Welt heimisch ist. Die Greifvögel waren dennoch jahrhundertelang als Schädlinge verschrien, in ganz Amerika verfolgt und standen Mitte des 20. Jahrhunderts kurz vor der Ausrottung.

In der Zwischenzeit haben sich die Bestände jedoch wieder erholt - unter anderem weil in einigen Regionen der USA Adler gezielt ausgewildert werden. Auch auf den kalifornischen Kanalinseln ziehen seit einigen Jahren wieder einige ausgesetzte Adler ihre Kreise. Um einen stabilen Bestand zu erhalten, sind jedoch weitere Auswilderungen notwendig. Seth Newsome und seine Kollegen weisen daher darauf hin, dass dies momentan mit Risiken für bedrohte Arten und möglicherweise auch für die Adler selbst verbunden sein könnte.

In ihrer Arbeit analysierten die Forscher sowohl Adlerknochen und -federn jüngeren Alters als auch Überreste, die weit älter waren - teilweise bis zu 20.000 Jahre. Aus der Konzentration von unterschiedlich schweren Atomen - sogenannten Isotopen - der Elemente Kohlenstoff und Stickstoff konnten sie die Hauptnahrung der Adler bestimmen. In Meerestieren wie Fischen oder Seevögeln ist die Konzentration von bestimmten Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen nämlich deutlich höher als bei landbewohnenden Tieren. Mit genaueren Messungen können die Wissenschaftler sogar zwischen den einzelnen Meeresbewohnern und Landbewohnern unterscheiden.

cib/ddp
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