Welt-Energiebericht IEA fordert "weltweite Energierevolution"

Das Öl geht aus, die Welt wird immer wärmer - die Welt braucht eine Energierevolution, mahnt die Internationale Energieagentur IEA in ihrem neuesten Report. Die Politik müsse handeln - jetzt. Trotz Finanzkrise.

London - In Anbetracht schwindender Ölreserven und einer drohenden Klimakatastrophe fordert die Internationale Energieagentur (IEA) eine "weltweite Energierevolution". Energie müsse besser genutzt werden und zugleich weniger Kohlendioxidausstoß verursachen, erklärte IEA-Chef Nobuo Tanaka bei der Vorstellung des jährlichen Weltenergieausblicks der Organisation am Mittwoch in London.

Politisches Handeln dürfe durch die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht verzögert werden. Jedes Jahr steige der Energiebedarf um 1,6 Prozent. Wenn sich an der Energiepolitik nichts ändere, würden im Jahr 2030 45 Prozent mehr Energie gebraucht als heute, vor allem weil der Bedarf in China und Indien zunehme und auch im Nahen Osten die Nachfrage wachse. Zugleich würde der CO2-Ausstoß um 45 Prozent steigen.

Der weltweite Ölbedarf werde von 85 Millionen Barrel pro Tag bis zum Jahr 2030 auf 106 Millionen Barrel steigen - das sind 10 Millionen weniger, als die IEA letztes Jahr errechnet hatte. Die IEA hat ihre Vorhersage des Ölpreises für die nächsten 20 Jahre verdoppelt. Aufgrund steigenden Bedarfs und steigender Förderungskosten rechnet die IEA mit einem Preis pro Barrel von 200 US-Dollar im Jahr 2030. Letztes Jahr hatte sie noch 108 US-Dollar vorhergesagt. Schon bis 2015 werde der Durchschnittspreis 100 Dollar erreichen, schreiben die Autoren in dem Report.

Öl werde zwar noch ein wichtiger Energieträger bleiben. Aber man wisse einfach nicht, wie teuer und woher es kommen werde. "Eines ist sicher", erklärte Tanaka. " Die Zeit des billigen Öls ist vorbei."

Fatih Birol, Chefökonom der IEA warnte, dass selbst wenn der Ölbedarf bis 2030 nicht steigen würde, die Förderung um 45 Millionen Barrel pro Tag steigen müsste. "Das würde bedeuten, dass wir noch vier weitere Saudi-Arabien bräuchten."

Die Umweltschutzorganisation WWF begrüßte die Schlussfolgerungen des Reports. In einer Pressemitteilung hieß es, dass der WWF die Ansicht der IEA teile, dass fossile Energieträger in Zukunft aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen kaum noch eine Rolle spielen dürften. Politisch aber gebe es noch viel Handlungsbedarf. Vor allem den Bau neuer Kohlekraftwerke kritisierte der WWF.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte, die IEA sei "mit ihren Bemühungen, ein Klimarettungsprogramm zu entwickeln, gescheitert". Es sei "zu zaghaft, zu wenig ambitioniert und vor allem nicht langfristig genug gedacht."

lub/afp

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