Weltkarte der Windkraft Wo die Stürme am stärksten wehen

Forscher haben eine Weltkarte der Winde veröffentlicht. Das Ergebnis: Die Windkraft könnte spielend den gesamten Energiebedarf des Planeten decken - wenn sie konsequent an den Orten ausgenutzt würde, an denen es am stärksten stürmt.

Der Energiebedarf der Welt könnte vollständig aus Windkraft gedeckt werden. Denn es gebe weitaus mehr verfügbare Windenergie als angenommen, berichten Cristina Archer und Mark Jacobson von der kalifornischen Stanford University im Fachblatt "Journal of Geophysical Research-Atmospheres". Die Klimatologen werteten die Windmessungen eines Jahres von 7500 Wetterstationen und 500 Messballonen aus und erstellten eine "Weltkarte des Windes". Die Karte soll bei der Standortwahl von Windkraftanlagen helfen.

Asien: Windkraft hätte vor allem in Japan und China Chancen

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Foto: Cristina Archer / Stanford University
Mittlere Windgeschwindkeiten im Jahr 2000, hochgerechnet auf 80 Meter Höhe: Es stürmt starker als vermutet

Mittlere Windgeschwindkeiten im Jahr 2000, hochgerechnet auf 80 Meter Höhe: Es stürmt starker als vermutet

Foto: Cristina Archer / Stanford University
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Eine der stürmischsten Regionen der Welt ist die Nordsee. Auch Feuerland, die Großen Seen in Nordamerika und Tasmanien sind ideale Standorte für Windkraftwerke. Doch auch viele andere Gegenden kommen der Studie zufolge in Frage: An jedem achten Ort, an dem Messungen durchgeführt wurden, wehte der Wind im Jahresdurchschnitt heftiger als Windstärke 3 oder 6,9 Meter pro Sekunde - und damit ausreichend stark, um die Turbinen rentabel betreiben zu können, schreiben Archer und Jacobson.



     

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Würden in all jenen Gebieten Windkraftanlagen aufgestellt, könnten nach den Berechnungen der Forscher etwa 72 Terawatt erzeugt werden - das 40-Fache des Verbrauchs an elektrischer Energie im Jahr 2000 auf dem gesamten Globus. Zum Vergleich: Um ein Terawatt Energie zu erzeugen, braucht man 500 Atomkraftwerke oder Tausende Kohlekraftwerke.

Die Klimatologen ermittelten jeweils die Windstärken, die in 80 Meter Höhe herrschen, also dort, wo sich die Rotoren drehen. Dazu griffen sie auf bodennahe Windmessungen zurück. Mit einem neuen mathematischen Verfahren errechneten sie daraus die Windgeschwindigkeiten in größerer Höhe.

Um die theoretisch erzeugbare Energie tatsächlich produzieren zu können, müssten freilich Millionen von Turbinen errichtet werden - eine große Lärmquelle und Gefahr für Vögel, wie die Forscher einräumen. Zudem müssten für den Fall der Flaute immer alternative Energiequellen bereitgehalten werden.

Archer und Jacobson fordern deshalb, vermehrt Windfarmen im Meer zu bauen. Denn die Messungen haben ergeben, dass der Wind auf See mit 8,6 Metern pro Sekunde im Durchschnitt doppelt so stark weht wie an Land. Das erkläre auch die Ineffizienz vieler bestehender Windkraftanlagen an Land. "Die Karte", schreiben Archer und Jacobson, "wird Leute in einigen Regionen überzeugen, Windenergie zu nutzen."







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