Weltmeere Wind und Wellen nehmen zu

Wetterextreme nehmen auch auf den Meeren zu. Das zeigt eine neue Studie. In vielen Ozeanregionen haben Windstärke und manchmal auch Seegang in den vergangenen Jahrzehnten zugelegt.

Männer am Strand der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean (Archivbild)
AFP / Richard Bouhet

Männer am Strand der französischen Insel La Réunion im Indischen Ozean (Archivbild)


Es gibt ein paar Gebiete auf den Ozeanen, die besonders ungemütlich sind. Die sogenannten Roaring Forties gehören dazu, eine Westwindzone zwischen 40 und 50 Grad südlicher Breite. Hier peitschen fast das ganze Jahr über Stürme, die für starken Seegang sorgen. Auch der Nordatlantik bietet Seeleuten oft widrige Bedingungen, mit extremem Wind.

Tatsächlich werden die Weltmeere aber an vielen Stellen nach und nach ein bisschen ungemütlicher. Eine neue Datenauswertung zeigt: Windstärke und - etwas weniger markant - auch Seegang haben in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Meeresregionen zugenommen. In absoluten Zahlen ist die Zunahme überschaubar, die Tendenz ist aber klar. Besonders deutlich stiegen demnach seit den Achtzigerjahren die Extremwerte, wie Ian Young von der Universität Melbourne und sein Kollege Augustinus Ribal, der auch an der Universität im indonesischen Makassar arbeitet, im Fachmagazin "Science" berichten. Vor allem betroffen seien das Südpolarmeer, der Nordatlantik sowie Pazifik und Atlantik südlich des Äquators.

Die Forscher stützen ihre Studie auf Messungen von insgesamt 31 Satelliten aus dem Zeitraum von 1985 bis 2018 sowie auf Daten von mehr als 80 Treibbojen. Um die Zuverlässigkeit der Resultate zu prüfen, glichen die Forscher die Messungen verschiedener Satellitenmissionen per Höhenmesser, Radiometer und anderen Geräten miteinander ab und verglichen sie auch mit den Werten der Bojen.

Demnach stieg die mittlere Windgeschwindigkeit in dem Zeitraum von 33 Jahren im Südpolarmeer jährlich um etwa 2 Zentimeter pro Sekunde - das entspricht 0,072 Kilometern pro Stunde. In ähnlichem Maße stieg der Wert im Pazifik und Atlantik jeweils südlich des Äquators. Im Nordatlantik lag die Zunahme demnach bei etwa 1 Zentimeter pro Sekunde (0,036 Kilometer pro Stunde). In den anderen Meeresregionen gab es keinen klaren Trend.

Vor allem die Maximalwerte legen zu

Deutlicher fiel die Steigerung der Extremwerte aus, die die oberen zehn Prozent der Windgeschwindigkeiten abdecken. Sie nahmen demnach tendenziell in den gleichen Meeresregionen zu, aber in stärkerem Ausmaß. Demnach stiegen diese Spitzenwerte im Südpolarmeer pro Jahr um etwa 5 Zentimeter pro Sekunde (0,18 Kilometer pro Stunde). Im Pazifik und Atlantik südlich des Äquators stiegen sie pro Jahr um 2 bis 3 Zentimeter pro Sekunde, im Nordatlantik um 4 Zentimeter pro Sekunde. Zudem registrierten die Forscher eine jährliche Zunahme auch im Nordpazifik sowie im Indischen Ozean um 2 Zentimeter pro Sekunde.

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Bei der Wellenhöhe änderten sich die Mittelwerte nicht eindeutig. Die Spitzenwerte dagegen stiegen im Südpolarmeer um 1 Zentimeter pro Jahr und im Nordatlantik um 0,8 Zentimeter pro Jahr. Die Forscher betonen, dass der Seegang in den meisten Meeresregionen stärker von anderen Faktoren abhängt als von der lokalen Windgeschwindigkeit.

Auf 30 Jahre hochgerechnet nahm die Spitzenwindgeschwindigkeit im Südpolarmeer demnach um 1,5 Meter pro Sekunde (5,4 Kilometer pro Stunde) zu. Das entspricht den Forschern zufolge einer Steigerung um etwa 8 Prozent. Die Höhe der Extremwellen stieg dort in dem Zeitraum um 30 Zentimeter, das seien 5 Prozent.

"Auch wenn Steigerungen um 5 und 8 Prozent nicht viel erscheinen, könnten solche Veränderungen, wenn sie in Zukunft andauern, große Folgen haben", so Young. Die Zunahme von Windstärken und Wellenhöhen steigere die Gefahr von Überschwemmungen von Küstenregionen, insbesondere angesichts des steigenden Meeresspiegels. Zu den Gründen für die beobachteten Änderungen äußern sich die Forscher nicht.

Walter Willems, dpa/chs

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insgesamt 16 Beiträge
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lupenreinerdemokrat 30.04.2019
1. Im Klartext:
durch verfeinerte Messmöglichkeiten und deutliche Erhöhung der Messstationen wird eine kaum nachweisbare Zunahme der mittleren Windgeschwindigkeit um 2cm / s ermittelt, sowie eine durch erhöhten Messaufwand nachgewiesene "Zunahme" von Extremseegang- und -wetterereignissen. Nun ja. Beunruhigen lassen sollte man sich davon jedenfalls nicht, außer das Leben wäre ansonsten zu langweilig.....
Newspeak 30.04.2019
2. ...
Angaben von Trends in Mittelwerten machen ohne Standardabweichungen keinen Sinn. Wer sagt einem denn, dass diese Zunahmen nicht noch innerhalb des Fehlerbereichs normaler statistischer Schwankungen liegen? Ich hoffe mal in Science finden sich belastbarere Daten. Aber als (Wissenschafts-)journalist koennte man das auch mal langsam lernen.
r_dawkins 30.04.2019
3. Ach soo, alles nur Quatsch
Zitat von lupenreinerdemokratdurch verfeinerte Messmöglichkeiten und deutliche Erhöhung der Messstationen wird eine kaum nachweisbare Zunahme der mittleren Windgeschwindigkeit um 2cm / s ermittelt, sowie eine durch erhöhten Messaufwand nachgewiesene "Zunahme" von Extremseegang- und -wetterereignissen. Nun ja. Beunruhigen lassen sollte man sich davon jedenfalls nicht, außer das Leben wäre ansonsten zu langweilig.....
Na, da bin ich froh, dass sich mal endlich ein Fachmann dazu äußert. War schon von den Meldungen dieser "Wissenschaftler" beunruhigt. Obwohl, eventuell haben die doch mehr Ahnung, wenn die die Daten in ihrem Institus auswerten, als Sie mit so einem lapidaren Kommentar vom Sofa aus. Bin mir nicht ganz sicher
bernteone 30.04.2019
4. Mal sei Enkel fragen
Die können dann sicherlich beweisbare Veränderungen.bestätigen . Das lässt sich doch nicht mehr bestreiten das sich das Klima ändert . Als ich Kind war , in den Siebzigern , da war im Winter Schnee , wir waren jedes Jahr auf dem See und haben Hockey gespielt .. Der letzte Winter der das zuließ liegt hier 7 Jahre zurück . Im Sommer Temperaturen von über 38 Grad gab es die letzten 10 Jahre 3 x . Ob da nun der Mensch alleine die Schuld trägt , wage ich auch zu bezweifeln , auf jeden Fall beschleunigt er die ganze Sache und vielleicht müssen wir nicht unsere Enkel fragen , vielleicht geht auf einmal alles ganz schnell und ganz dramatisch . Trockenheit und Überschemmungen bedeuten Hunger und was darauf folgt ist Krieg .
MonsterKrabbe 30.04.2019
5. Nachrechnen lohnt sich!
Nach meinen Auswertungen von Satellitendaten CERES_SSF1deg-Month_Terra-MODIS_Ed4A_Wind speed 2000-2018 ergeben sich mit Hilfe einer Trendberechnung folgende Werte in m/s: Global Land 2000; 3,9; 2018 3,9 Global Ozeane 2000; 6,8; 2018 6,6 Standardabweichung 0,07
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