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18. Juni 2013, 15:58 Uhr

Weltnaturerbe

Unesco sorgt sich ums Great Barrier Reef

Schützt Australien das Great Barrier Reef ausreichend? Die Unesco ist davon nicht überzeugt. Binnen eines Jahres muss das Land seine Schutzmaßnahmen vorstellen - sonst könnte das Riff seinen Status als Welterbe verlieren. Eine Schmach, die man in Deutschland gut kennt.

Phnom Penh - Australien gefährdet nach Ansicht der Unesco den Status des Great Barrier Reef als Weltnaturerbe. Rasante Hafenbaupläne und Wasserverschmutzung bedrohten das größte Korallenriff der Welt, urteilte das Welterbekomitee der UN-Kulturorganisation am Dienstag in Kambodscha.

Es forderte Australien auf, bis Juni 2014 darzulegen, wie das seit 1981 als Welterbe anerkannte Riff trotz Industrialisierung geschützt werden soll. "Wenn die Probleme nicht klar angegangen werden, könnte das Great Barrier Reef auf der Liste der gefährdeten Stätten landen", sagte Unesco-Spezialist Marc Patry.

Australische Umweltschützer forderten die Regierung zum sofortigen Handeln auf. "Die Entscheidung des Komitees bekräftigt die großen Sorgen, die Wissenschaftler, Fischer und Anwohner sowie Besucher aus aller Welt haben", sagte Richard Leck von der Umweltstiftung WWF in Phnom Penh. "Die Regierung muss die rapide Industrialisierung entlang der Küste bremsen", forderte Felicity Wishart von der Umweltorganisation Australian Marine Conservation Society.

2010 hatte die Unesco noch bestätigt, dass das Korallenriff weiter zum Weltnaturerbe gezählt wird - ein chinesischer Kohlefrachter war in dem Riff auf Grund gelaufen, was in dem Bereich schwere Schäden anrichtete.

Die Unesco werde allerdings Maßnahmen ergreifen, sobald die Organisation wegen wirtschaftlicher Aktivitäten eine Gefahr für das Riff sehe, sagte Unesco-Chefin Irina Bokowa damals.

Bedrohte Buchenwälder

Eine Gelbe Karte erhielt auch die Slowakei, wo die Buchenwälder der Karpaten von Holzeinschlag bedroht sind. Das Komitee forderte die Slowakei auf, enger mit Deutschland und der Ukraine zusammenzuarbeiten und bis zur nächsten Sitzung neue Schutzmaßnahmen darzulegen. Die Buchenurwälder der Karpaten gehören seit 2007 zum Welterbe. Das Gebiet wurde 2011 um fünf Buchenwaldgebiete in Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen erweitert.

Auf den Salomonen-Inseln ist die Gefahr noch akuter: Das Komitee setzte die Region East Rendell auf die Liste der gefährdeten Welterbestätten mit bislang 38 Einträgen. Wenn die Behörden den Holzeinschlag dort nicht stoppen, könnte es aus der Liste ganz gestrichen werden. So erging es dem Dresdner Elbtal, das wegen des Baus der Waldschlösschen-Brücke den Welterbetitel 2009 verlor.

Den Denkmalschützern, die die Unesco beraten, ist auch die Seilbahn über den Rhein bei Koblenz ein Dorn im Auge. Sie verlangen den Abbau, um den Welterbetitel des Oberen Mittelrheintals nicht zu gefährden. Über den Fall berät das Komitee voraussichtlich am Mittwoch.

wbr/dpa

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