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Naturkatastrophen: Verwüstet

Foto: CESAR MANSO/ AFP

Weltrisikobericht Wo es auf der Erde am gefährlichsten ist

Erdbeben, Tsunamis, Stürme: Eine Weltrangliste zeigt, wo das Risiko am höchsten ist, an den Folgen einer Naturkatastrophe zu sterben.

Wie schnell kommt Hilfe? Wie viele Menschen können sich in Sicherheit bringen? Funktioniert die Trinkwasserversorgung auch im Notfall? Solche Fragen entscheiden während einer Naturkatastrophe über Leben und Tod. Eine weltweite Analyse zeigt nun, welche Länder besonders gefährdet sind - und offenbart dabei ein grausames Gesetz. Denn meist entscheidet noch immer der Reichtum eines Landes darüber, wie viele Menschen bei Naturkatastrophen überleben.

Das "Bündnis Entwicklung Hilft", bei dem sich mehrere Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben, veröffentlicht den Weltrisikobericht  seit sechs Jahren, die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Katrin Radtke vom Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum. Der Index umfasst Daten aus 171 Ländern. Die Forscher berücksichtigen bei der Analyse nicht nur, wie häufig Länder statistisch betrachtet von Naturkatastrophen heimgesucht werden, sondern auch, wie gut sie darauf vorbereitet sind.

Diese Weltkarte zeigt das Risiko für die jeweiligen Länder:

Die Werte zu den einzelnen Ländern finden Sie außerdem in dieser Tabelle:

"Katastrophenrisiken sind ungleich verteilt, sie betreffen vor allem Inselstaaten und Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Ozeanien, Asien und Mittelamerika", schreiben die Forscher in dem Bericht.

Besonders entscheidend ist demnach der Faktor Infrastruktur. Denn nur, wenn es beispielsweise genügend Straßen und Flughäfen gibt, können sich die Menschen schnell in Sicherheit bringen und Rettungskräfte die Krisengebiete erreichen. Auch ein stabiles Stromnetz, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und ausreichende Krankenhäuser und Ärzte retten im Fall einer Naturkatastrophe Menschenleben.

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Naturkatastrophen: Verwüstet

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Selbst in reichen Ländern wie den USA kann es daran hapern, wie der Hurrikan "Sandy" im Jahr 2012 zeige. Damals brach das Stromnetz zusammen, Rettungsarbeiten kamen nur schwer voran.

Auch die ungewöhnliche Trockenheit in diesem Sommer in Europa verdeutlicht laut den Forschern die Unterschiede zwischen den Ländern. Während es beispielsweise in Deutschland zu erheblichen Ernteeinbußen kam, sei die große Katastrophe dennoch ausgeblieben, weil Europa die Verluste besser ausgleichen konnte. In Dürreregionen wie dem Horn von Afrika oder der Sahelzone wären die Folgen deutlich schwerwiegender gewesen, schreiben die Autoren.

Diese Regionen sind besonders gefährdet

Ganz oben auf der Liste der gefährdeten Gebiete stehen die Pazifikinseln: Vanuatu und Tonga. Das heißt: Dort ist das Risiko, bei einer Naturkatastrophe ums Leben zu kommen, am höchsten. Die Region ist besonders von Erdbeben, Tsunamis und Stürmen bedroht. Ebenfalls häufig betroffen sind die Philippinen, wo die Menschen außerdem mit Vulkanausbrüchen und Erdrutschen rechnen müssen. Als besonders gefährdet gelten auch Mittelamerika, West- und Zentralafrika sowie Südostasien.

Deutschland steht im internationalen Vergleich auf dem 155. Platz von 171. Am sichersten ist es dem Index zufolge in Katar. Das mag überraschen, doch der Wüstenstaat ist im Vergleich zu anderen Ländern deutlich seltener von extremen Naturereignissen betroffen. Zu den Regionen mit dem geringsten Katastrophenrisiko gehören auch Malta und Saudi-Arabien. Hier sehen Sie ein Ranking der einzelnen Länder:

Erst vor Kurzem hatte ein Uno-Bericht gezeigt: Die Zahl der Naturkatastrophen ist rapide gestiegen. Zwischen 1997 und 2017 starben demnach weltweit 1,3 Millionen Menschen an den Folgen. 4,4 Milliarden Menschen erlitten Verletzungen oder verloren ihre Lebensgrundlage. Die Forscher des Weltrisikoberichts warnen nun, die Situation könnte sich durch die Erderwärmung sogar noch deutlich verschärfen. Denn laut der Uno haben besonders die Umweltkatastrophen zugenommen, die vom Klimawandel beeinflusst werden. Dazu zählen die Forscher beispielsweise Überschwemmungen, Stürme, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände.

Kinder sind am häufigsten betroffen

Die Analyse des Weltrisikoberichts zeigt jedoch auch positive Entwicklungen. So sind die Menschen heute weltweit deutlich besser für Naturkatastrophen gerüstet als noch vor sechs Jahren. Allerdings sind es noch immer Kinder, die am meisten leiden. Laut Unicef lebt fast jedes vierte Kind in Gebieten, die von Katastrophen betroffen sind. Über 68 Millionen Menschen mussten im vergangenen Jahr ihre Heimat verlassen, mehr als die Hälfte von ihnen waren Kinder unter 18 Jahren.

koe