Meteorologie Blüten im April bringen Regen im Mai

Regen, Schatten, Sonnenschein: Wolken entscheiden über das Wetter - und über das Klima der Zukunft. Nun entdeckten Forscher: Pflanzen verändern die Bewölkung.
Blüten von Doldenblütern unter dunklen Wolken

Blüten von Doldenblütern unter dunklen Wolken

Foto: Fredrik von Erichsen/ picture alliance / dpa

Damit sich Wolken bilden, benötigen sie Keime, an denen sich Wasserdampf abscheiden kann: An Staub, Gasen oder Bakterien beispielsweise wachsen Regentropfen. Versuche aber haben gezeigt, dass auch Blütenpollen bei der Wolkenbildung eine erstaunlich große Rolle spielen können.

Eigentlich wären die meisten Pollen zu groß und zu schwer, um als Saatgut für Wolken dienen zu können - so glaubten Forscher. Dass sie in großen Mengen in die Luft gelangen würden, hielten die Gelehrten für unwahrscheinlich.

Allison Steiner, Atmosphärenforscherin an der University of Michigan, aber wurde misstrauisch, als sie auf ihrer Veranda Staub wischte, wobei massenhaft Pollen in die Luft stiegen. "Könnten Pollen womöglich doch eine größere Rolle spielen im Klimasystem?", fragte sie sich.

Zusammen mit Kollegen experimentierte sie im Labor - mit überraschendem Ergebnis: Pollen, die feucht werden, brechen in Sekundenschnelle oder spätestens nach wenigen Minuten auseinander, berichtete  das Forscherteam unlängst im Fachmagazin "Geophysical Research Letters".

Künstliche Wolken

Die kleinen Partikel könnten demnach als Wolkenkeime dienen, folgert Steiner. Die Forscher testeten die am häufigsten vom Wind verwehten Pollenarten in den USA, sie tauchten zwei Gramm jeder Probe ins Wasser: Pollen von Eiche, Pecannuss, Birke, Zeder, Kiefer und Ambrosie.

Zerfallene Pollen versprühten die Wissenschaftler in einer sogenannten Wolkenkammer - einem Glaskasten, in dem künstlich Wolken erzeugt werden: Dort herrscht Luftfeuchtigkeit wie in der Atmosphäre.

Tatsächlich passierte es: Schnell lagerte sich Wasserdampf an die Pollen, es bildeten sich Wolken. Die Forscher untersuchten Pollenfragmente in der Größenordnung von Tausendstel Millimetern.

"Die Pollen repräsentieren einen neuen biologisch bestimmten Weg der Wolkenbildung, der das Klima beeinflussen könnte", schreiben Steiner und ihre Kollegen.

Wolken verändern das Klima - je nach Höhe, in der sie schweben, und nach ihrer Größe. Doch sie wirken auch mit ihrem Niederschlag, betont Steiner: "Verlieren Bäume ihre Blüten, könnten sie zur Wolkenbildung beitragen, somit anderswo Regen verursachen - und dort wiederum Bäume gedeihen lassen", sagt Steiner.

Andere Wolke, anderes Wetter

Mairegen, so heißt es in einer Mitteilung ihres Instituts, könnte also die Folge von Aprilblüten sein. Ein neues Projekt  soll ab 2017 nun auch den Einfluss von Pollen bei der Wolkenbildung in freier Natur über dem tropischen Atlantik erforschen.

Auch der Einfluss anderer Vegetation auf Wolken scheint unterschätzt worden zu sein: Pilzsporen, so schreiben  Forscher in "Plos One", dienten in manchen Regionen als hauptsächliche Regenmacher.

Pilzsterben könne mithin eine dramatische Kettenreaktion auslösen: Weniger Pilzsporen bedeuteten weniger Regenwolken, also weniger Regen - folglich würden noch weniger Pilze gedeihen.

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Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels war die Größenordnung der untersuchten Partikel falsch angegeben. Wir haben korrigiert und bedauern den Fehler.

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