Klima Juli war wärmster Monat seit Beginn der Messungen

Der Juli war weltweit der zehnte Rekordmonat in Folge - und der wärmste überhaupt. Die globale Erwärmung steht an einer kritischen Schwelle.
Juli: Abweichung der Temperatur vom Durchschnitt der Jahre 1951 bis 1980 - je roter, desto wärmer (grau = fehlende Daten)

Juli: Abweichung der Temperatur vom Durchschnitt der Jahre 1951 bis 1980 - je roter, desto wärmer (grau = fehlende Daten)

Foto: NASA

Wie jeden Monat hat die Nasa 6300 Wetterstationen, Bojen und Schiffsmessungen weltweit ausgewertet - und meldet abermals einen Rekord: Der Juli war der wärmste Monat seit Beginn der Messungen vor 136 Jahren.

Damit war der Juli der zehnte Monat in Folge, der einen neuen Monatsrekord aufgestellt hat. Er übertraf bisherige Juli-Spitzenreiter um 0,1 Grad und war gut zwei Grad wärmer als im Durchschnitt der Jahre 1951 bis 1980.

Das Jahr 2016 werde damit so gut wie sicher auch als Ganzes einen neuen Rekord aufstellen, berichtet die Nasa: Es werde nach 2014 und 2015 das dritte Jahr in Folge mit einem neuen Wärmerekord geben seit Messungsbeginn 1880.

Jahresverläufe der globalen Durchschnittstemperatur

Jahresverläufe der globalen Durchschnittstemperatur

Foto: NASA

Der neue Rekord im Juli wurde besonders im Norden angefacht: Die Nordhalbkugel mit ihren großen Kontinenten hatte sich besonders aufgeheizt; Land wärmt sich schneller als Wasser. Auch die Arktis war erheblich wärmer als normalerweise, wodurch das Meereis stark geschmolzen ist. Jetzt ist über dem Nordpol auch noch ein Sturm aufgezogen , der den Eisschollen weiter zusetzen dürfte .

Juli 2016: Abweichung der Durchschnittstemperatur (Vergleichszeitraum 1851 bis 1980) nach Breitengraden - Sommer auf der Nordhalbkugel, Winter im Süden

Juli 2016: Abweichung der Durchschnittstemperatur (Vergleichszeitraum 1851 bis 1980) nach Breitengraden - Sommer auf der Nordhalbkugel, Winter im Süden

Foto: NASA

Damit steht die globale Erwärmung bereits bei gut 1,3 Grad gegenüber der Mitte des 19. Jahrhunderts (die Zeit um 1850 gilt als Basiswert für die Begrenzung der Klimaerwärmung auf zwei Grad) - eine kritische Schwelle ist erreicht.

Im Klimavertrag von Paris hatte die Weltgemeinschaft gar beschlossen, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad begrenzen zu wollen. Das Ziel gilt als nahezu aussichtslos, sofern die Berechnungen der Klimaforscher stimmen.

Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur

Entwicklung der globalen Durchschnittstemperatur

Foto: NASA

Auch in Europa fiel der Juli milder aus als im Vergleichszeitraum: Mit 18,6 Grad lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland um 1,7 Grad über dem Durchschnitt der üblichen Vergleichsperiode 1961 bis 1990. Verglichen mit der wärmeren Periode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung 0,6 Grad.

Dass das Juliwetter in Deutschland dieses Jahr einen schlechten Ruf hat, liegt vielleicht am mangelnden Licht - mehr Regen als sonst fiel laut Deutschem Wetterdienst hierzulande jedenfalls nur in wenigen Regionen (europaweit aber fiel laut Nasa mehr Regen als sonst in Nordeuropa, während der Süden trockener war als üblich): Die Sonnenscheindauer lag in Deutschland mit 200 Stunden aber um vier Prozent unter ihrem Schnitt von 211 Stunden im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990.

Die meisten Sonnenstunden gab es östlich des Schwarzwalds und auf der Schwäbischen Alb mit örtlich 260 Stunden. Am wenigsten Sonne im Rothaargebirge und im Harz mit regional nur 150 Stunden.

Dass die Klimaerwärmung in den vergangenen drei Jahren einen Sprung gemacht hat, lag wesentlich am Wetterphänomen El Niño, das warmes Wasser an die Oberfläche des Pazifik spült und die ganze Welt aufheizt. Zudem halten es Klimaforscher für erwiesen, dass die stete Mehrung von Treibhausgasen in der Luft aus Industrie, Kraftwerken und Autos das Klima erwärmt.

In den kommenden Jahren erwarten Forscher eine Abflachung der Temperaturkurve: El Niño flaut ab, seine kalte Gegenspielerin La Niña zieht auf. 2017 dürfte mithin kühler ausfallen.

Langfristig aber werde der anhaltende Treibhausgasausstoß die globale Erwärmung antreiben, erwarten Forscher - wie stark, ist aber umstritten. Auch die Folgen der erwarteten Erwärmung sind unklar. Forscher rechnen aber in vielen Regionen mit gefährlichen Auswirkungen, insbesondere durch den Anstieg des Meeresspiegels, Hitzewellen und Dürren.

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boj