Drohende Dürre Wasserrationierungen in England – kann uns das auch treffen?

Engländer werden dazu aufgerufen, Wasserverschwender zu melden. Auch in Deutschland gibt es Rationierungen wegen der anhaltenden Trockenheit. Wie steht es dabei um unsere Trinkwasserversorgung?
Den Garten zu wässern ist in Teilen Deutschland bereits eingeschränkt

Den Garten zu wässern ist in Teilen Deutschland bereits eingeschränkt

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

Nicht nur Deutschland leidet unter der Hitze der vergangenen Wochen. England meldet die trockensten acht Monate von November bis Juli seit 1976. Der vergangene Juli war in Teilen des Landes sogar der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1836. Die Umweltbehörde warnt vor einer Dürre in England, wenn das Wetter so bleibt.

Schon jetzt trocknen Flüsse im Land aus, die Quelle der Themse verschob sich um acht Kilometer flussabwärts, wie der »Guardian« berichtet .

Um die Wasservorräte zu schützen, sprachen erste Wasserwerke hosepipe bans aus, gewissermaßen Wasserschlauchverbote: Bürgern ist es untersagt, Gärten zu bewässern, Pools zu befüllen oder auch Autos zu waschen. Unter anderem in Hampshire im Süden des Landes gilt das Verbot ab Freitagnachmittag.

Der Wasserversorger South East Water ruft seine Kundinnen und Kunden sogar dazu auf, Nachbarn anzuschwärzen, wenn diese verschwenderisch mit Wasser umgehen. Die Versorger sind in England durch den Water Industry Act von 1991 ermächtigt, Geldstrafen von bis zu tausend Pfund zu verhängen, wenn sich Kunden nicht an das Verbot halten. Um Verstöße zu melden, wurde sogar eine Hotline eingerichtet.

Gibt es das auch in Deutschland?

Auch in Deutschland wird rationiert. In Brandenburg etwa dürfen Neukunden des Wasserverbands Strausberg-Erkner nur noch 105 Liter pro Person und Tag verbrauchen. Im Landkreis Potsdam Mittelmark gibt es gar eine Allgemeinverfügung: Zwischen 8 und 20 Uhr dürfen dort keine Gartenflächen privater Haushalte mittels Brunnen bewässert werden.

Aber was versteht man überhaupt unter Wassermangel? Bernd Kirschbaum vom Bundesumweltamt erklärt gegenüber dem SPIEGEL, dass mit dem Wassermangel im Grunde niedrige Wasserstände in Oberflächengewässern, aber eben auch niedrige Grundwasserstände gemeint seien.

Problematisch wird das in den oberen Schichten, dem obersten Grundwasserleiter. Dort fehlt das Wasser, mit dem die Wurzeln von Bäumen und Pflanzen versorgt werden. »Die Folge von lang anhaltender Trockenheit und Dürre , wenn keine Grundwasserneubildung passiert, ist, dass die Wasserstände zuerst in den Flüssen fallen und zeitversetzt auch im Grundwasser. Darunter leidet die Vegetation«, sagt Kirschbaum.

Und nicht nur Pflanzen sind auf Grundwasser angewiesen, sondern auch Flüsse selbst. Denn die speisten sich in unseren Breiten daraus, sagt Kirschbaum. Andersrum sei es in südlicheren oder trockeneren Ländern: Flüsse in sogenannten ariden Zonen mit trockenem Klima fielen trocken, weil der Grundwasserstand niedriger sei als der im Fluss.

Wie steht es um unser Trinkwasser?

Und auch für unser Trinkwasser hat das Grundwasser eine essenzielle Bedeutung. 70 Prozent des Trinkwassers werden hierzulande aus dem Grundwasser entnommen, 30 Prozent stammen aus Oberflächengewässern.

Für die Trinkwasserversorgung wird es jedoch nicht gefährlich. In den Tiefen, in denen Wasserversorger mit ihren Brunnen fördern, sei ausreichend Wasser für die Trinkwasserversorgung vorhanden, sagt Kirschbaum. Dabei gibt es jedoch regionale Unterschiede. In Bundesländern wie Bayern oder Sachsen gebe es auch private Brunnen, sogenannte Hausbrunnen, die nicht so tief sind und als Erstes Probleme bekommen.

Zwar gebe es Spitzen, die den Wasserversorgern Probleme bereiten, etwa wenn Leute an heißen Nachmittagen nach Hause kommen und anfangen, den Garten zu bewässern. Die Trinkwasserversorgung als solche sei aber in der Regel gesichert, sagt Kirschbaum.

Dennoch gibt es Pläne, sollte es doch mal eng werden. Im vergangenen Jahr hat das Bundesumweltministerium einen Entwurf für eine Nationale Wasserstrategie veröffentlicht. Damit soll die Qualität des Trinkwassers auch in 30 Jahren qualitativ hochwertig bleiben, bei Knappheiten soll es jedoch auch Priorisierungen geben.

Der Entwurf wird derzeit in den Ressorts und Ländern beraten, laut Ministerium wird ein Kabinettsbeschluss für Anfang 2023 angestrebt.

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