Wetterbrücke Eisschmelze der Arktis kühlt Winter in Europa

Klimaforscher haben eine meteorologische Fernwirkung entdeckt: Schmilzt das Meereis in der Arktis, verschieben sich Luftströmungen - die Winter in Europa und Asien werden kühler.
Arktiseis: Eisbärenmutter mit ihren Jungen

Arktiseis: Eisbärenmutter mit ihren Jungen

Foto: Hinrich B‰semann/ picture-alliance/ dpa

Die arktische Eisschmelze hat in den vergangenen Jahrzehnten einer Studie zufolge zu besonders strengen Wintern in Teilen Europas und Asiens geführt. Beobachtungen zeigen, dass die kalten Winter im Zusammenhang mit dem Rückgang des arktischen Meereises stehen könnten, das seit Jahrzehnten tendenziell schrumpft.

Wissenschaftler um Masato Mori von der japanischen Universität Tokio fanden nun heraus, dass der Rückgang des Eises in der arktischen Barents-Kara-See atmosphärische Strömungen begünstigte, die Kälte in Europa und Asien fördert. Diese atmosphärischen Muster, die sie "Blockierungssituationen" nennen, hätten befördert, dass kalte Luft in Richtung Europa und Asien strömte und dort strenge Winter verursachte, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience" .

In ihrer Untersuchung führten sie 200 leicht variierende Computersimulationen der weltweiten atmosphärischen Zirkulation durch. Das Klimamodel, das sie für diese Simulationen nutzten, stützte sich auf zwei unterschiedliche Situationen in der Arktis: entweder eine hohe oder eine niedrige Konzentration des Meereises. Die ins Modell eingespeisten Werte zur Eiskonzentration wiederum basierten auf Beobachtungsdaten.

Die Studie bestätigt frühere Simulationen, die ebenfalls einen Einfluss der Arktisschmelze auf kühles Winterwetter in Europa nahelegten. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven etwa führen den Zusammenhang zum Teil auf Schwankungen der Arktischen Oszillation zurück.

Brücke nach Europa

Die Arktische Oszillation ist eine Schwingung der Atmosphäre, die durch entgegengesetzte Luftdrücke in der Arktis und den mittleren Breiten charakterisiert ist. Sie kann zwei verschiedene Phasen einnehmen. In der positiven Phase treiben Westwinde im Winter warme Atlantikluft nach Nordeuropa und Sibirien. In der negativen Phase kann kalte Polarluft weiter in den Süden vordringen. Dadurch gibt es frostige Winter in Europa.

Mori und seine Kollegen meinen hingegen, dass die atmosphärische Antwort auf den Rückgang des arktischen Eises ihren Simulationen zufolge von der sogenannten Arktischen Oszillation unabhängig sei.

Bald könnte es sogar ganz vorbei sein mit der Fernwirkung: Mori und seine Kollegen glauben, dass die globale Erwärmung den Zusammenhang von Arktiseis und Winterwetter durchkreuzen dürfte: Analysen von Klimavorhersagen für das 21. Jahrhundert würden nahe legen, dass in Zukunft eher mit einer Abnahme der strengen Winter in Europa und Asien zu rechnen sei.

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boj/dpa
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