Wetterbilanz 2008 Wo Deutschland am meisten bibberte und schwitzte

Zu warm, zu trocken - aber mit heftigen Unwettern und einem Kälterekord: Das Klima in Deutschland neigte auch 2008 zu Extremen. SPIEGEL ONLINE zeigt die heißesten und kältesten Orte des Landes - und jene Regionen, die von der Sonne besonders verwöhnt werden.

Von


Das Jahr ist vorbei - und nun steht zweifelsfrei fest: Auch 2008 war es in Deutschland wärmer als im langjährigen Durchschnitt. Elf Monate verliefen "teilweise erheblich zu warm", konstatierte der Deutsche Wetterdienst (DWD). Lediglich der September fiel im Vergleich zur Referenzperiode von 1961 bis 1990 zu kühl aus. 2008 regnete es etwas weniger als erwartet. Die Sonne zeigte sich hingegen häufiger als im langjährigen Mittel.

Hauptverantwortlich für die sehr hohe Jahresmitteltemperatur von 9,5 Grad Celsius - das mehrjährige Mittel liegt bei 8,2 Grad - waren nach DWD-Angaben die Monate Januar, Februar und Mai. 2008 gehöre damit zu den zehn wärmsten Jahren seit dem Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahre 1901.

Hunderte Messstationen in ganz Deutschland zeichnen rund um die Uhr Wetterdaten auf. Teils werden sie vom DWD betrieben, teils aber auch von privaten Wetterdienst-Unternehmen wie Meteomedia aus der Schweiz. Die 1991 von Jörg Kachelmann gegründete Firma hat nun die Daten beider Netze kombiniert und so eine Statistik über die Extremwetterdaten für 2008 erstellt. Sie enthält einige Überraschungen.

Beispiel kältester Ort Deutschlands: Laut DWD-Statistik hält Hüll im Kreis Pfaffenhofen/Ilm (Oberbayern) den Minusrekord. Am 12. Februar 1929 wurden dort minus 37,8 Grad Celsius gemessen. Meteomedia hat am 2. Januar 2008 aber sogar einen noch niedrigeren Wert ermittelt - mit der eigenen Messstation Funtensee in Bayern. Minus 42,5 Grad Celsius zeigte das Thermometer an.

Plus 36 bis minus 42 Grad

"Der Ort ist prädestiniert für extrem tiefe Temperaturen", sagte Michael Bacher von Meteomedia im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Messstation liege in einer Talmulde nahe am See. "In einer klaren Nacht mit wenig Wind sammelt sich die kalte Luft im Kessel", erklärte er. "Ein Stück oberhalb kann es schon 10 bis 15 Grad wärmer sein." Der DWD ermittelte in seinen Stationen übrigens minus 23,1 Grad als Minusrekord für 2008 - gemessen am 5. März auf der Zugspitze.

Der heißeste Ort Deutschlands war im Vorjahr Bendorf bei Koblenz - sowohl nach der DWD-Statistik als auch nach den Daten von Meteomedia. 36,4 Grad Celsius war es dort am 2. Juli warm.

Über die meisten Sonnenstunden durften sich die Bewohner und Besucher der Insel Hiddensee freuen: Insgesamt 2168 Stunden schien sie auf dem Norden der Insel am Dornbusch. Zum Vergleich: In München-Giesing zeigte sich das Zentralgestirn 2005 Stunden unverhüllt. "Hiddensee ist wohl auch langfristig der sonnenreichste Ort Deutschland", erklärte Jörg Kachelmann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Der Ort profitiere von seiner nördlichen Lage. "Im Sommer scheint dort die Sonne einfach länger, weil die Tage länger sind." Zudem verhindere das kalte Wasser der Ostsee die Bildung von Quellwolken.

Wer besonders heiße Tage liebt, an denen die Maximaltemperatur mindestens 30 Grad Celsius erreicht, sollte als Wohnsitz Waldshut-Tiengen wählen. In der kleinen Stadt am Fuße des südlichen Schwarzwaldes gab es 2008 immerhin 21 solcher Extremtage. Der Ort liegt direkt an der Schweizer Grenze - gut geschützt im Hochrhein-Tal. Auf Platz zwei landeten Regensburg, Bensheim und Altdoebern (jeweils 19 Tage).

203 Liter Wasser pro Quadratmeter

Das Vorjahr war ansonsten geprägt von einigen schweren Unwettern. Das Herausragendste dabei war das Orkantief "Emma". Es landete in der globalen Statistik der teuersten Naturkatastrophen immerhin auf Platz neun. Nach Angaben des Versicherungskonzerns Münchener Rück summierten sich die "Emma"-Schäden in Deutschland, Dänemark, Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei, der Schweiz und Österreich auf zwei Milliarden Dollar - 14 Menschen starben.

Das nach Meteomedia zweitheftigste Unwetter des Jahres entlud sich am 26. Juli über Dortmund. Ein sich kaum bewegender Gewitterherd verursachte schwere Überschwemmungen und Hagelschlag. Die Meteomedia-Wetterstation Dortmund-Uni registrierte enorme Niederschlagsmengen: "Mit bis zu 203 Litern pro Quadratmeter kann hier von einem Jahrhundert-Starkregenereignis gesprochen werden", sagte Kachelmann. Dies hätten auch kilometergenaue Radaranalysen bestätigt. Es sei nicht auszuschließen, dass die Wetterstation Dortmund-Uni nicht einmal das Maximum gemessen habe.

In den kommenden Jahren müssen sich Menschen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit auf immer extremere Wetterereignisse einstellen. Ursache ist die fortschreitende Erwärmung der Atmosphäre. "Steigende Temperaturen bedeuten mehr Verdunstung und eine höhere Aufnahmekapazität der Atmosphäre für Wasserdampf und damit einen größeren Energieinhalt", sagte Peter Höppe, Leiter der Georisiko-Forschung der Münchener Rück, bei der Vorstellung der Katastrophenbilanz 2008. "Die Wettermaschine läuft auf höheren Touren, es kommt zu intensiveren Unwetterereignissen mit entsprechenden Folgen."



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.