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03. Juni 2011, 09:27 Uhr

Widerstandsfähige Winzlinge

Fadenwürmer leben drei Kilometer tief im Boden

Tief unter der Erdoberfläche blüht das Leben - und zwar vielfältiger als bisher angenommen. Kilometertief unter dem Boden von Südafrika haben Forscher alte Wasserlagerstätten angebohrt. Dabei stießen sie auf verblüffend komplexe Organismen.

Das Leben stört sich nicht an Extremen. Brütende Hitze, klirrende Kälte, ewige Nacht, beißende Säuren, kaum vorstellbarer Druck, Radioaktivität - unter all diesen Bedingungen gedeihen irgendwo auf diesem Planeten zumindest primitive Lebensformen. Forscher um Tullis Onstott von der Princeton University im US-Bundesstaat New Jersey haben nun eine weitere Entdeckung gemacht, die in diese Liste gehört.

Im Fachblatt "Nature" berichten sie über mehrzellige Lebewesen, die sich in drei Kilometern Tiefe im Boden tummeln. Es handelt sich um eine bisher unbekannte Art von Fadenwürmern. Die Wissenschaftler hatten die bis zu einem halben Millimeter großen Tiere in jahrtausendealtem eingeschlossenem Wasser entdeckt, das aus mehreren Minen in Südafrika stammt.

Bisher dachten Experten, dort sei das Reich ausschließlich einzelliger Lebewesen. Die Fähigkeit der Fadenwürmer, so tief unter der Erde zu gedeihen, müsse auch bei der Suche nach Leben auf dem Mars oder anderen Planeten unseres Sonnensystems berücksichtigt werden, schreiben die Forscher nun.

Insgesamt fanden Onstott und seine Kollegen die Fadenwürmer in zwei von fünf untersuchten Minen. In Tiefen von 0,9 bis 3,6 Kilometern unter der Erdkruste hatten sie Wasserlagerstätten angebohrt, die im Gestein eingeschlossen waren. In der Beatrix-Goldmine entdeckten die Wissenschaftler die bisher unbekannte Art der Fadenwürmer. Sie tauften sie auf den Namen Halicephalobus mephisto - in Anlehnung an die griechische Bedeutung des Namens Mephistopheles: "Der das Licht nicht liebt". In einer weiteren Mine fanden sie DNA-Spuren eines Fadenwurms.

Die Forscher stellten auf verschiedene Arten sicher, dass die Fadenwürmer tatsächlich aus dem Wasser stammten - und nicht als Verunreinigung bei Bohr- oder anderen Minenarbeiten dort hineingetragen worden waren.

Das Alter des Wassers geben die Wissenschaftler mit 3.000 bis 12.000 Jahren an. Die Fadenwürmer vermehren sich asexuell, können hohe Temperaturen um fast 50 Grad Celsius tolerieren und ernähren sich von Bakterien.

chs/dpa

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