Steuern, Strafen, Recycling Wie die Welt gegen Plastikmüll kämpft

Plastikmüll ist weltweit ein Problem. Einige Staaten ergreifen harte Maßnahmen im Kampf gegen die Umweltverschmutzung - in Kenia drohen sogar Haftstrafen, wenn jemand eine Plastiktüte nutzt.
Weggeworfene Plastiktüten

Weggeworfene Plastiktüten

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Bis zu vier Jahre Haft oder umgerechnet bis zu 32.500 Euro Strafe: Das droht jemandem, der in Kenia mit einer Plastiktüte erwischt wird. Das ostafrikanische Land hat jüngst eines der strengsten Verbote von Plastiktüten weltweit eingeführt. Mit der drastischen Maßnahme schließt sich Kenia rund 40 anderen Ländern an, die mit Beschränkungen oder Verboten der Tüten gegen eins der größten Umweltprobleme weltweit vorgehen wollen: Plastikmüll.

Besonders dramatisch ist die Plastikverschmutzung der Meere. Mindestens acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen nach Angaben des Uno-Umweltprogramms Unep jährlich in den Ozeanen. Meerestiere verheddern sich oder verschlucken den Müll. Mit der Zeit zersetzt sich das Material in immer kleinere Teilchen - Mikroplastik, das sich später auch in Trinkwasser und Nahrungsmitteln wiederfindet.

Bis 2050 werde sich der Plastikmüll in den Meeren verzehnfachen, sagt Sam Barratt, der Leiter öffentlicher Kampagnen von Unep. Die Bedrohung wird auch beim Uno-Umweltgipfel in Nairobi vom 4. bis 6. Dezember ein großes Thema sein. "Einweg-Plastik ist einfach so bequem, dass die Welt vergessen hat, die Folgen des Kunststoffs miteinzupreisen", sagt Barratt.

In Nairobi packt ein Mann seinen Einkauf in eine Stofftüte

In Nairobi packt ein Mann seinen Einkauf in eine Stofftüte

Foto: Sayyid Abdul Azim/ dpa

Plastiktüten sind dabei eines der großen Probleme. Bis vor Kurzem waren sie in Kenia fester Bestandteil des Lebens, vom Einkauf im Supermarkt oder im Straßenverkauf bis zur praktischen Tragetasche und sogar als Toilette in den Slums. Sie landeten nach dem Gebrauch auf Straßen, in Bäumen, in Abflüssen, an Stränden. Etwa hundert Millionen Tüten wurden der kenianischen Umweltbehörde Nema zufolge jährlich ausgeteilt. In Kenia leben rund 48 Millionen Menschen.

Etliche Staaten haben inzwischen Maßnahmen gegen Plastikmüll ergriffen. Einige Industrieländer haben eine Steuer für die Tüte eingeführt. In Großbritannien kostet sie Barratt zufolge nun fünf Pence (etwa sechs Cent), was die Nutzung der Tüte um etwa 80 Prozent verringert hat.

Harte, aber effektive Maßnahme

Doch in Entwicklungsländern mit einer großen informellen Wirtschaft würde eine Steuer nicht funktionieren. "Ein Verbot ist eine harte, aber sehr effektive Maßnahme", sagt Barratt. Das hat sich auch in Ruanda gezeigt. Der ostafrikanische Staat ist inzwischen berühmt für seine sauberen Straßen, schon am Flughafen werden Besuchern jegliche Plastiktüten abgenommen. Im Nachbarland Kenia wurden nach jahrelangen Verhandlungen und zwei Anläufen endlich im August die Nutzung, Herstellung und der Import von Plastiktüten untersagt.

Was folgt? In Kenia gehen manche davon aus, dass Umweltministerin Judi Wakhungu ein Verbot von Plastikflaschen anvisiert. Dies durchzusetzen dürfte schwierig sein. Allerdings habe das Plastiktüten-Verbot in Kenia den Privatsektor dazu animiert, die Nutzung von Plastik zu verringern, sagt Barratt.

Den Müll systematisch zu trennen und zu recyceln - das ist für Länder wie Kenia derzeit noch eine große Herausforderung. Zwar wird derzeit Plastikmüll teilweise gesammelt und wiederverwertet. Doch die Kosten von Recycling seien derzeit noch weitgehend untragbar, erklärt Umwelt-Aktivist Dipesh Pabari. "Noch gibt es nicht genug Anreiz, um im großen Stil mit der Nutzung von wiederverwertetem Plastik zu beginnen."

Bootsbauer Ali Skanda arbeitet an dem Schiff aus recyceltem Plastik

Bootsbauer Ali Skanda arbeitet an dem Schiff aus recyceltem Plastik

Foto: SIEGFRIED MODOLA/ REUTERS

Um zu zeigen, was mit recyceltem Plastik alles möglich ist, baut Pabari mit der Initiative FlipFlopi auf der kenianischen Insel Lamu ein etwa 18 Meter langes Segelboot aus wiederverwertetem Kunststoff. Für das Dhow - ein traditionelles Boot, mit dem die Küstenbewohner Kenias und Tansanias seit Jahrzehnten segeln - wird Plastikmüll verwendet, der für das Projekt in einer eigenen Fabrik recycelt wird. 200.000 an den Stränden angespülte bunte Flip-Flops sollen den Rumpf des Schiffes verzieren.

Von Gioia Forster, dpa/wbr