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25. April 2017, 11:21 Uhr

Tödlicher Hautpilz

Wie Forscher den Feuersalamander retten wollen

Der Salamanderfresser bedroht den heimischen Feuersalamander - stets verläuft die Pilzerkrankung tödlich. Nun arbeiten Wissenschaftler an einem Rettungsplan. Dafür müssten die Tiere wohl in Gefangenschaft.

Er ist aggressiv, tödlich - und fürs Auge unsichtbar. Schon länger bedroht ein Hautpilz Salamander und Molche. Wirklich nachgewiesen wurde Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), auch Salamanderfresser genannt, bisher allerdings nur in der nordrhein-westfälischen Eifel. Trotzdem halten Wissenschaftler die Bedrohung deutschlandweit für so real, dass sie an einem Rettungsplan für den schlimmsten Fall arbeiten: Sollte der Pilz den Feuersalamander (Salamandra salamandra) fast zum Aussterben bringen, sollen nicht infizierte Tiere wie in einer Art Arche Noah in Gefangenschaft überleben.

"Wir untersuchen gerade, welche Populationen dafür überhaupt infrage kämen", sagt Sebastian Steinfartz vom Zoologischen Institut der TU Braunschweig. Genetische Vielfalt spielt bei der Auswahl eine Rolle und die Anpassung an besondere Lebensbedingungen. Vielleicht lässt sich der Pilz ja in 20 oder 30 Jahren bekämpfen oder es haben sich widerstandskräftige Populationen gebildet, die man dann mit den bewahrten kreuzen kann, so die Hoffnung.

Der wahrscheinlich aus Asien eingeschleppte Pilz war 2015 in Deutschland zum ersten Mal an einem freilebenden Tier nachgewiesen worden: in der Eifel an der belgischen Grenze. Zuvor hatte ein internationales Forscherteam im Wissenschaftsmagazin "Science" den Befall beschrieben.

Der Salamanderfresser ist der perfekte tödliche Feind, wie Schweizer Forscher unter anderem der Universität Zürich in einer kürzlich vorgestellten Studie erklären: widerstandkräftig, hochansteckend, immer tödlich.

In den Niederlanden fast ausgerottet

Deutschland ist der Verbreitungsschwerpunkt des Feuersalamanders in der EU und trägt für diese Amphibienart daher eine besondere Verantwortung. Bis 2014 musste sich zwar niemand große Gedanken machen - dem Feuersalamander ging es ganz gut. Aber dann kamen die Schreckensmeldungen von den westlichen Nachbarn.

In den Niederlanden hat der Pilz den Feuersalamander fast ausgerottet, in Belgien ist die Population völlig eingebrochen. Auch in der Eifel befürchten Artenschützer wie der Biologe Lutz Dalbeck, dass sich bei der jetzt anstehenden Zählung wieder alarmierende Rückgänge zeigen.

Im Nationalpark Eifel etwa: Im südlichen Teil, direkt an der belgischen Grenze, wo es vorher große Vorkommen gegeben hat, war ein Jahr später nichts mehr zu sehen. In einem anderen Gebiet gab es einen extremen Rückgang - wenn auch nicht auf null. Überleben doch einige Tiere den Pilz? Um diese Frage zu beantworten, überwacht Dalbeck mit der Universität Trier die Tiere schon im dritten Jahr hintereinander. Im Mai geht der Biologe wieder raus und zählt den Nachwuchs, also die Larven.

Ist der Pilz auch im tiefen Wald versteckt?

Unter Experten gilt die Eifel als das bestuntersuchte Feuersalamander-Gebiet in Deutschland. Das könnte der Grund dafür sein, dass der Pilz bisher nur im tiefen Westen Deutschlands nachgewiesen wurde.

Vielleicht habe man ja einfach noch nicht gemerkt, dass der Pilz auch woanders irgendwo im tiefen Wald sei. Denn bei aller Schönheit des schwarz-gelben Feuersalamanders, der zu den auffälligsten Amphibienarten zählt - für Amphibien-Liebhaber sei er nicht so attraktiv, meint Dalbeck: "Da muss man nachts bei Regen in den Wald und sieht in der Regel nicht viele andere Amphibienarten." Und wo man nicht hinguckt, sieht man eben auch nichts vom möglichen Sterben der Tiere.

Artenschützer wollen ein Frühwarnsystem installieren, gerade weil die Ausbreitung der Tierseuche für die Fachleute weitgehend eine Blackbox ist. Es hat zwar vereinzelt Untersuchungen im Naturpark des Solling und im Harz gegeben, Proben aus Thüringen wurden untersucht - aber das ist zu wenig für fundierte Schlüsse.

Über Naturschutzstationen sollen Naturfreunde und Wanderer sensibilisiert werden: "Wenn ihr irgendwo tote Salamander findet, die nicht überfahren sind, dann meldet die bitte. Damit wir sehen, wo ist der Pilz", appelliert Steinfartz.

Von Elke Silberer, dpa/joe

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