Landwirtschaft Die Geschichte der Maiskolben

Vor 9000 Jahren begannen Menschen, ein Wildgras aus Mexiko anzubauen. Überraschend schnell entwickelte sich daraus Mais - allerdings verloren die Kolben lange ihre Körner.

Maiskolben aus Schleswig-Holstein
DPA

Maiskolben aus Schleswig-Holstein


Bereits vor gut 5000 Jahren war angebauter Mais dem heutigen Mais ähnlicher als die Wildpflanze, von der er abstammt. Das haben Forscher bei der genetischen Untersuchung eines antiken Maiskolbens herausgefunden.

Der Kolben war bereits in den Sechzigerjahren im Tehuacán-Tal im mexikanischen Bundesstaat Puebla in einer Höhle gefunden worden. Nathan Wales von der Universität Kopenhagen (Dänemark) und seine Kollegen berichten über ihre Ergebnisse im Fachblatt "Current Biology".

"Vor etwa 9000 Jahren begannen im heutigen Mexiko Menschen damit, das Wildgras Teosinte zu sammeln und zu essen", erläutert Wales. Über die Jahrtausende habe die Auswahl des Menschen zu erheblichen Änderungen bei dem Gras geführt und "die unproduktive Pflanze in den modernen Mais verwandelt".

Zwei Zentimeter kurzer Kolben

Die Forscher bestimmten das Alter des untersuchten Maiskolbens mit der Radiokarbonmethode auf etwa 5310 Jahre: Radioaktiver Kohlenstoff zerfällt mit vorhersagbarer Geschwindigkeit, sodass die Anzahl der zerfallenen Partikel das Alter einer Substanz verrät.

Der Mais des untersuchten Kolbens stammt aus einer Zeit, die ziemlich genau zwischen dem Beginn der Domestizierung und dem heutigen modernen Mais liegt. Der Kolben ist weniger als zwei Zentimeter kurz und hat nur rund ein Zehntel der heutigen Größe von Maiskolben.

Die genetischen Analysen zeigten jedoch, dass der Mensch die Pflanze damals schon stark verändert hatte. Die Ausprägungen der Gene, die die Schale der Körner festlegen, stimmen bereits mit dem modernen Mais überein.

Die Körner waren also schon weich und nicht von einer harten Schale umgeben, wie es bei Teosinte der Fall ist. Auch die Zeit der Blüte entspricht der von Mais und nicht der von Teosinte.

5310 Jahre alter Maiskolben aus dem Tehuacán-Tal in Mexiko
Bruce Smith

5310 Jahre alter Maiskolben aus dem Tehuacán-Tal in Mexiko

Überrascht waren die Wissenschaftler davon, dass laut dem genetischen Code die antike Maispflanze ihre Körner verlor, sobald diese reif waren. Moderner Mais behält die Körner am Kolben, was für den Menschen die Ernte erheblich erleichtert.

Der Unterschied zu heute

Das Team um Wales hatte angenommen, dass diese Eigenschaft des Mais schon früher in der Züchtungsgeschichte zum Tragen gekommen war. Weitere genetische Vergleiche mit Wildpflanzen, Landsorten und modernen Züchtungen zeigten, dass der antike Mais kein direkter Vorfahr der heutigen Sorten ist, sondern eher eine Seitenlinie darstellt.

Jazmín Ramos Madrigal von der Universität Kopenhagen und Erstautorin der Studie weist darauf hin, dass die Menschen vor 5000 Jahren in Amerika noch hauptsächlich wilde Tiere und Pflanzen gegessen haben. Der Mais sei nur ergänzend angebaut worden.

"Erst in späteren Perioden mit größerer Bevölkerung und Gesellschaften mit sozialen Schichten wurde Mais zum Grundnahrungsmittel", erklärt sie. Deshalb seien wichtige Eigenschaften des heutigen Mais womöglich erst bei den Olmeken (vor rund 3200 Jahren) und den Maya (vor 2200 bis 1000 Jahren) durch weitere Züchtungen entstanden.

boj/dpa

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