Winter in Deutschland Kann Spuren von Schnee enthalten

Anfang 2019 waren Deutschlands Berge noch meterhoch eingeschneit. In diesem Winter liegt auf mancher Skipiste fast nur Kunstschnee. Woran liegt das?
Skigebiet Wurmberg (Harz) am 15. Januar 2020

Skigebiet Wurmberg (Harz) am 15. Januar 2020

Foto: Florian Karlstedt/ Jan Eifert/ imago images

Der Schnee rund um die Zugspitze  könnte besser kaum sein: Bis zu 1,7 Meter hoch türmt er sich derzeit auf den Pisten, alle Liftanlagen laufen. Rund um den höchsten Gipfel Deutschlands ist die weiße Winterwelt noch heil. Doch in vielen anderen Skigebieten – vor allem in den Mittelgebirgen, ist Skifahren nur dank Schneekanonen möglich.

Auf dem Wurmberg im Harz  lagen am 28. Januar lediglich zwei Zentimeter Naturschnee – an der Talstation in Braunlage war es sogar nur einer. Skibetrieb sei bislang nur eingeschränkt möglich gewesen, teilte der Liftbetreiber mit. Im Januar seien die Pisten an höchstens 13 Tagen geöffnet gewesen. Dort liegen den Angaben zufolge circa 40 Zentimeter Kunstschnee.

Auf dem Fichtelberg im Erzgebirge  ist die Schneedecke Ende Januar im Schnitt 90 Zentimeter hoch. Aktuell sind es jedoch nicht einmal 30 Zentimeter:

Vor allem in weniger als 1500 Meter Höhe erweist sich der Winter 2019/20 bislang als große Enttäuschung. Die im Februar in vielen Bundesländern beginnenden Winterferien verdienen diesen Namen kaum. "Es ist zu mild und zu trocken", sagt Gudrun Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst (DWD). "Deshalb haben wir vor allem in tief liegenden Regionen auch deutlich weniger Schnee als normalerweise. Da blutet das Skifahrerherz."  

Den schneearmen Winter führt Mühlbacher auf die stabilen Hochdruckwetterlagen zurück, die bislang dominiert hätten. "Das Wetter ist schön, aber es fehlen die Niederschläge." Und wenn es dann doch mal welche gebe, handele es sich wegen der milden Temperaturen nur um Regen.

Vor einem Jahr war die Situation noch ganz anders. Der Nordrand der Alpen versank unter drei Meter Neuschnee in zwölf Tagen. Orte waren teils von der Außenwelt abgeschnitten. Auch in den Mittelgebirgen türmte sich das Weiß.

Dass auf schneereiche Jahre immer wieder Winter mit wenig Schnee folgen wie derzeit, ist indes keine Seltenheit - und kann auch kaum mit dem Klimawandel erklärt werden. "Beim Schnee gibt es eine extrem hohe Schwankungsbreite von Jahr zu Jahr", sagt DWD-Expertin Mühlbacher. Alles hänge von den Wetterlagen ab - und wie lange diese stabil blieben. Der Winter im Vorjahr sei geprägt gewesen von sogenannten Fünf-B-Wetterlagen. Über Europa ziehende Tiefdruckgebiete sorgten damals für meterhohen Schnee.

Wie stark die Schneemenge in den deutschen Mittelgebirgen von Jahr zu Jahr variiert, zeigt folgende Infografik mit Daten vom 1215 Meter hohen Fichtelberg - ein beliebtes Skigebiet im Erzgebirge. Jedes der kleinen Diagramme steht für die Schneehöhe im Verlauf von zwölf Monaten von September bis August. Der langjährige Mittelwert ist grau hinterlegt, für den Winter 2018/19 fehlen leider Messdaten.

Auf Deutschlands höchsten Berg, der 2962 Meter hohen Zugspitze, sind die Schwankungen der Schneehöhe von Jahr zu Jahr viel kleiner. Denn in dieser Höhe ist es selbst in milden Wintern kalt genug für schneereiche Niederschläge.

Die Diagramme der Zugspitze zeigen auch das typische Schneehöhen-Muster alpiner Orte. Die Schneehöhe wächst ab Oktober und November langsam, aber stetig. Ihr Maximum erreicht sie in vielen Wintersportorten im März. Auf der Zugspitze sogar erst Mitte April, wenn im Durchschnitt eine Höhe von vier Metern erreicht wird. 2019 waren es sogar 6,45 Meter.

Für Meteorologen ist die Messung der Schneehöhe immer wieder eine Herausforderung. An seinen Stationen hat der DWD sogenannte Messfelder, in der Regel eine ebene Betonfläche, über der die Höhe bestimmt wird. "Früher geschah dies mit einem Lineal, heute nutzen wir zur automatischen Höhenmessung auch Laserstrahlen", sagt DWD-Expertin Mühlbacher.

Das Problem bei der Messung bestehe darin, dass Wind den Schnee immer wieder verfrachte. Dann reiche eine einzige Messung nicht aus. Stattdessen werde die Schneehöhe an verschiedenen Punkten erfasst und dann gemittelt.

Skipiste im Harz am 1. März 2019

Skipiste im Harz am 1. März 2019

Foto: Swen Pförtner/ DPA

Immer wieder macht auch die Technik Probleme. Wenn auf einer vollautomatischen Messstation Geräte ausfallen, fehlen schnell mal Werte über mehrere Tage. Auf der Zugspitze kann der DWD dann immerhin schnell reagieren - die Station ist fast durchgängig mit einem Kollegen besetzt.

Auf dem Fichtelberg war dies im letzten, besonders schneereichen Winter nicht möglich. Die Folge: Über mehrere Wochen fiel die Schneehöhenmessung aus. In der Messreihe, die immerhin am 1. August 1890 beginnt, klafft ab dem 2. Januar 2019 eine mehrmonatige Lücke. So als hätte es den Rekordwinter gar nicht gegeben.

Piste nahe der Zugspitze im November 2019

Piste nahe der Zugspitze im November 2019

Foto: Angelika Warmuth/ DPA

Prognosen über das Winterwetter in den kommenden zwei, drei Jahrzehnten wollen Wissenschaftler trotz der vielen Messdaten kaum wagen. Dazu schwankt das Winterwetter zu sehr. Die hohe natürliche Klimavariabilität überlagere den langfristigen Trend, heißt es in einer Erklärung des Expertenforums Klima.Schnee.Sport  - und zwar auch in den kommenden Jahren. Zumindest in mittleren Höhenlagen wird die für Wintersport geeignete Schneedecke jedoch weiter zurückgehen, glauben die Experten.

Probleme dürften dann vor allem die niedriger liegenden Skigebiete wie der Wurmberg im Harz bekommen. Bislang können diese den Schneemangel oft noch mit Schneekanonen kompensieren. Wenn die Frostperioden in den Wintern jedoch immer kürzer werden, helfen zumindest die gängigen Schneekanonen nicht mehr. Denn diese funktionieren nur bei Temperaturen unter null, weil sie Wasser zerstäuben, das in der kalten Luft Eiskristalle bildet.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.