Auswertung von Wetterdaten Schneesaison in den Alpen hat sich um Wochen verkürzt

Noch in den Siebzigerjahren konnten Touristen in den Alpen bis zu 34 Tage länger Ski fahren als heute, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Der Zusammenhang mit dem Klimawandel ist für die Forscher eindeutig.
Skifahrer in Tannheim (Österreich) im Jahr 2015: Zwischen 1971 und 2019 ging die Schneehöhe in den Alpen vielerorts linear zurück

Skifahrer in Tannheim (Österreich) im Jahr 2015: Zwischen 1971 und 2019 ging die Schneehöhe in den Alpen vielerorts linear zurück

Foto: Action Pictures / imago images

Die Berge der Alpen sind laut einer Langzeitstudie im Winter wesentlich kürzer weiß als noch in den Siebzigerjahren. Die Schneesaison unterhalb von 2000 Metern sei je nach Höhenlage und Region um 22 bis 34 Tage kürzer geworden, berichten Forscher unter der Leitung des Südtiroler Instituts Eurac Research in Bozen im Fachblatt »The Cryosphere« .

Für die Untersuchung wurden Daten Hunderter Messstationen in Frankreich, Italien, der Schweiz, Deutschland, Österreich und Slowenien einheitlich ausgewertet. Die Schneedecke spielt nicht nur für die Pflanzen und Tiere der Alpen eine wichtige Rolle, sondern auch für Wintertourismus, Landwirtschaft und Wasserversorgung.

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Die Forscher aus den sechs Alpenländern untersuchten zwar nicht direkt den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Schneedecke. »Doch ist klar, dass der Schnee aufgrund höherer Temperaturen früher und schneller schmilzt und Niederschlag als Regen statt als Schnee fällt«, sagte Michael Matiu, der am Institut für Erdbeobachtung forscht.

Schneehöhe schrumpft um etwa 8,4 Prozent pro Jahrzehnt

Die mittlere Schneehöhe in den Monaten November bis Mai ist pro Jahrzehnt um durchschnittlich 8,4 Prozent zurückgegangen, errechneten die Wissenschaftler. Obwohl es Unterschiede zwischen den verschiedenen Abschnitten der Alpen gibt, waren laut der Studie die Siebziger- und Achtzigerjahre allgemein schneereich. Danach folgte Ende der Achtziger- und Anfang der Neunzigerjahre eine schneearme Phase.

Auch wenn es in einzelnen Jahren regional außergewöhnlich viel schneit, zeigt sich zwischen 1971 und den aktuellsten ausgewerteten Daten aus dem Jahr 2019 bei den meisten Stationen ein linearer Rückgang der monatlichen Schneehöhe von November bis Mai.

Schon vorherige Studien gingen von einem deutlichen Schneerückgang in den Alpen bis zum Ende des Jahrhunderts aus. Selbst falls es gelänge, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, würde die Schneemenge um 30 Prozent sinken, ergab eine Untersuchung aus dem Jahr 2017.

Macht die Menschheit beim CO2-Ausstoß jedoch weiter wie bisher, könnte bis zum Ende des Jahrhunderts in den Alpen sogar 70 Prozent weniger Schnee liegen. Vor allem betroffen seien Höhen unter 1200 Metern. Dort werde es bis zum Ende des Jahrhunderts kaum noch eine geschlossene Schneedecke geben. Wintersport werde in diesen Skigebieten kaum mehr möglich sein – zumindest nicht auf Naturschnee. Besonders betroffen wären Skigebiete am Nordrand der Alpen in Ober- und Niederösterreich und Slowenien.

koe/dpa
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