Wirbelsturm "Dean" gewinnt weiter an Kraft

Hurrikan-Forscher verfolgen und prognostizieren den Weg des Wirbelsturms "Dean". Den Wissenschaftlern bleibt nur, Menschen in den gefährdeten Regionen rechtzeitig zu warnen.

"Dean" wird beobachtet wie ein Patient auf der Intensivstation. Die Wissenschaftler vom National Hurricane Center der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) greifen auf ein ganzes Netzwerk von Satelliten zurück, um Wirbelstürme rund um die Uhr im Auge zu haben. Mit Computerprogrammen können sie dann die weitere Entwicklung voraussagen.

Als erster Wirbelsturm der Saison über dem Atlantik wurde "Dean" am Samstag in die Kategorie vier hochgestuft. Das National Hurricane Center in Miami in Florida rechnet damit, dass er am Montag die Kategorie fünf und Windgeschwindigkeiten von über 250 Kilometern in der Stunde erreichen wird. "Dean" hatte am Sonntag Jamaika passiert. Die Insel blieb knapp vom Auge des Hurrikans verschont, "Dean" zog südlich daran vorbei, richtete aber dennoch Verwüstungen an.

Am heutigen Montag wird der Hurrikan mit großer Wahrscheinlichkeit die Küste von Belize und die Halbinsel Yucatán in Mexiko treffen. Die vom National Hurricane Center publizierten Grafiken zeigen den Weg, den der Sturm nehmen wird - inklusive der Wahrscheinlichkeiten für das Erreichen bestimmter Windgeschwindigkeiten.

Für das laufenden Jahr erwarten die Wissenschaftler generell eine erhöhte Hurrikan-Aktivität. Vor nicht einmal zwei Wochen haben NOAA-Forscher diese Prognose ausdrücklich bestätigt: Mit 85 Prozent Wahrscheinlichkeit werde es mehr Stürme geben als im Durchschnitt - konkret 13 bis 16, davon 7 bis 9 Hurrikane. Die Phase mit der traditionell größten Sturm-Aktivität hat erst begonnen. Sie reicht von August bis Oktober.

Kann man Hurrikane bändigen?

Ein Atmosphärenforscher macht derzeit damit von sich reden, dass er die Beeinflussung von Hurrikanen untersucht: Russ Hoffman ist es in Simulationen gelungen, virtuelle Stürme abzulenken. Der Ansatz des Forschers ist sehr theoretisch: Hoffman nutzt die Tatsache, dass Vorgänge in der Atmosphäre chaotischer Natur sind. Minimale Unterschiede zwischen zwei ansonsten identischen Anfangssituationen können nach einigen Tagen zu völlig verschiedenen Wetterlagen führen. Ein Hurrikan könnte sich durch kleine Temperaturänderungen in vorhersagbarer Weise abschwächen oder ablenken lassen, glaubt Hoffman.

Die dafür nötigen Energiemengen wären allerdings enorm. Alternativ schlägt der Forscher vor, die Verdunstung von Meerwasser zu verlangsamen - und somit die Energiezufuhr des Sturms. Dazu könnte die Meeresoberfläche mit einem Film aus biologisch abbaubaren Öl überzogen werden. Unter Hurrikan-Experten stoßen Hoffmans Vorschläge jedoch teils auf große Skepsis. Viele halten sie für nicht umsetzbar.

hda/AP

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