Nordrhein-Westfalen Wisent-Herde wird in den Wald entlassen

Im größten Privatforst von Nordrhein-Westfalen steht die Freisetzung einer Herde von Wisenten unmittelbar bevor. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten werden die mit dem amerikanischen Bison eng verwandten Zotteltiere ungehindert durch einen deutschen Wald laufen.
Wisente (in der Slowakei): Die Zotteltiere werden in Deutschland wieder in Freiheit leben

Wisente (in der Slowakei): Die Zotteltiere werden in Deutschland wieder in Freiheit leben

Foto: JOE KLAMAR/ AFP

Wo heute Deutschland liegt, hat schon lange niemand mehr Wisente in Freiheit gesehen. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert gelten die gewaltigen Zotteltiere hierzulande als ausgerottet. Doch jetzt kommt das Wisent zurück. Wie der SPIEGEL in der am Samstag erscheinenden Weihnachtsausgabe berichtet, werden acht der ehemals nahezu ausgestorbenen Wildrinder schon in den nächsten Tagen im Rothaargebirge in die Freiheit entlassen. Diese Woche hat das Landesumweltministerium in Düsseldorf die Genehmigung dafür erteilt.

Die mächtigen Tiere werden überwiegend auf dem Besitz von Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg leben, der rund um das Städtchen Bad Berleburg etwa 130 Quadratkilometer Wald sein Eigen nennt. Der Forstunternehmer will damit belegen, dass aktiver Artenschutz auch unter den Bedingungen eines kommerziellen Forstbetriebes grundsätzlich möglich ist.

Der Freisetzungsgenehmigung gingen jahrelange wissenschaftliche Studien voraus. Dabei ging es besonders um die Frage, ob die Wisente - mit bis zu einer Tonne Gewicht zählen sie zu den schwersten Landtieren Europas - eine Gefahr für Spaziergänger und Mountainbike-Fahrer darstellen könnten. Mitten durch das neue Siedlungsgebiet der Wisente führt der Rothaarsteig, der populäre Premium-Wanderweg zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen. Dass Wanderer dort die Tiere aber je zu Gesicht bekommen, gilt wegen der scheuen Lebensweise der Wisente als eher unwahrscheinlich.

Die Herde besteht aus einem Bullen, fünf Kühen und zwei Jungtieren. Sie soll anwachsen auf eine Größe von zunächst 25 Tieren. Die Wiedereinführung von Wildtierarten in Europa führt immer wieder zu teils emotionalen Debatten. So wird auch die Rückkehr der Wölfe, die in Deutschland derzeit schnell voranschreitet, von Kritikern argwöhnisch beobachtet.

Lesen Sie mehr über Prinz Richard, den Wisentbullen "Egnar" und den erbitterten Widerstand gegen die Wisente im Hochsauerland im SPIEGEL am Samstag.

Mehr lesen über Verwandte Artikel