Am Great Barrier Reef Wissenschaftler entdecken bisher unbekanntes Korallenriff

Es soll mehr als 500 Meter hoch sein: Eine US-Stiftung berichtet von der Entdeckung eines großen, frei stehenden Korallenriffs am Great Barrier Reef. Es ist der erste Fund seit 120 Jahren.
Korallen vor den Kameras des ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs der "Falkor"

Korallen vor den Kameras des ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs der "Falkor"

Foto: Youtube / Schmidt Ocean Institute

Das höchste Gebäude Europas ist der Fernsehturm Ostankino in Moskau. Er misst rund 540 Meter - und nur wenig kleiner ist ein offenbar unbekanntes Korallenriff, das Forscher im Meer vor Australien entdeckt haben wollen. Das berichtet die Stiftung Schmidt Ocean Institute, deren Forschungsschiff "Falkor" gerade in der Region des Barrier Reefs unterwegs ist.

Das Schiff befährt die Gewässer vor der abgelegenen Cape-York-Halbinsel im Norden des australischen Bundesstaates Queensland. Wissenschaftler an Bord hätten das Riff dort vor einer Woche entdeckt und bei einem live ins Internet übertragenen Tauchgang am Sonntag mit einem ferngesteuerten Fahrzeug erkundet, hieß es. Das Korallenriff sei an seiner Basis 1,5 Kilometer breit und liege an seinem obersten Punkt 40 Meter unter der Meeresoberfläche. In der Region seien zuvor seit dem späten 18. Jahrhundert sieben frei stehende Korallenriffe entdeckt und vermessen worden, so die Stiftung. Die aktuelle Entdeckung sei die erste ihrer Art seit 120 Jahren.

Das Great Barrier Reef ist das größte Riff der Welt und dehnt sich auf einer Fläche von mehr als 344.000 Quadratkilometern aus - damit ist es größer als Italien. Es ist vor allem durch den Klimawandel stark gefährdet. Regelmäßig gibt es Berichte über massive Korallenbleichen. Erst kürzlich war eine Studie zu dem Schluss gekommen, dass das riesige Riffsystem innerhalb von gut zwei Jahrzehnten rund die Hälfte seiner Korallen verloren hat.

Bei einer Korallenbleiche stoßen die durch hohe Wassertemperaturen gestressten Korallen mit ihnen in Symbiose lebende Einzeller ab. Das kann zum Absterben der Koralle führen. Der Weltklimarat hat gewarnt, dass 90 Prozent aller Korallen auf der Welt absterben könnten, wenn die globalen Temperaturen auch nur um 1,5 Grad gegenüber vorindustrieller Zeit steigen.

"Augen, Ohren und Hände in den Tiefen des Meeres"

Umso erfreulich also, wenn es auch einmal gute Nachrichten von den Riffen gibt: "Diese unerwartete Entdeckung bestätigt, dass wir in unseren Ozeanen weiterhin unbekannte Strukturen und neue Arten finden", so Wendy Schmidt, Mitbegründerin des Schmidt Ocean Institute. "Unser Wissen darüber, was sich im Ozean befindet, ist seit Langem so begrenzt. Dank neuer Technologien, die als unsere Augen, Ohren und Hände in den Tiefen des Meeres wirken, haben wir die Fähigkeit zu erkunden, wie nie zuvor."

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Schmidt hatte ihre Stiftung vor elf Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Eric gegründet. Dieser war viele Jahre lang Chef von Google beziehungsweise dem Mutterkonzern Alphabet. Inzwischen gehört er dem Unternehmen nicht mehr an. Das Schmidt Ocean Institute hat - anders als es der Name vermuten ließe - keine eigenen Wissenschaftler. Stattdessen betreibt die Stiftung die "Falkor". Forschende können sich mit ihren Projekten darum bewerben, das Schiff und seine Geräte zu nutzen. In zehn Kabinen finden bis zu 22 Wissenschaftler auf dem Schiff Platz.

Die knapp 83 Meter lange "Falkor" war in ihrem ersten Leben unter dem Namen "Seefalke" als Fischereischutzboot für Deutschland in Nord- und Ostsee sowie dem Nordatlantik unterwegs. Nachdem sie außer Dienst gestellt und verkauft worden war, ließen die neuen Eigentümer sie auf einer Werft in Schleswig-Holstein umrüsten.

chs/dpa
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