Einigung der Bundesregierung Wölfe zum Abschuss freigegeben

Monatelang haben Umwelt- und Agrarministerium gestritten, unter welchen Umständen in Deutschland Wölfe abgeschossen werden dürfen. Nun gibt es eine Lösung mit weitreichenden Folgen.

Wölfe in einem Wildpark in Niedersachsen
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Wölfe in einem Wildpark in Niedersachsen


Der Streit in der Bundesregierung über den leichteren Abschuss von Wölfen ist offenbar beigelegt. Bereits an diesem Mittwoch soll ein Kompromiss im Kabinett besprochen werden.

"Ich bin froh, dass wir jetzt endlich eine Einigung haben, die Herdenschutz und Artenschutz in Einklang bringt", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) über den Gesetzentwurf. Hier sei ein vernünftiger Interessensausgleich gelungen.

Schulze und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatten sich beim Thema Wolf lange nicht einigen können. Nun werde es einfacher, Herden vor wiederholten Rissen zu schützen. "Aber der Wolf bleibt eine streng geschützte Tierart", so Schulze.

Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass künftig nach Wolfsrissen auch dann Wölfe geschossen werden dürfen, wenn nicht klar ist, welches Tier genau zugebissen hat, und zwar so lange, bis es keine weiteren Risse gibt. Das kann auch bedeuten, dass ein ganzes Rudel geschossen wird, wie es in den Erläuterungen heißt. Allerdings muss jeder Abschuss zuvor von den Landesbehörden genehmigt werden.

Der Gesetzentwurf helfe, das Nebeneinander von Wolf und Weidetierhaltung in Deutschland zu ermöglichen, sagte Schulze. "Wir haben auf die Sorgen vor Ort reagiert: Da, wo es ein Problem gibt, lösen wir es. Und da, wo es keines gibt, gilt der Artenschutz uneingeschränkt."

Forderungen nach wolfsfreien Zonen sowie nach vorbeugenden Abschüssen, wie es Klöckner gefordert hatte, werden in dem Gesetzentwurf nicht aufgegriffen. Schulze hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass dies weder mit deutschen noch mit europäischen und internationalen Artenschutzregeln vereinbar wäre.

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Laut dem Wolfsmonitoring 2017/2018 lebten in Deutschland im November 2018 73 Wolfsrudel, 30 Wolfspaare sowie drei sesshafte Einzeltiere. Damit ist die Anzahl der Rudel um 13, die der Paare um neun gestiegen.

Die meisten Wölfe leben in der Lausitz, vor allem in der Grenzregion zwischen Brandenburg und Sachsen, ihre Verbreitung konzentriert sich in einem Band vom Südosten bis in den Nordwesten Deutschlands. Insgesamt dürften laut der neuen Daten zwischen 213 und 246 ausgewachsene Wölfe in Deutschland leben.

joe/dpa/AFP

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