Wachsende Population So breiten sich Wölfe in Deutschland aus

Die Zahl der Wölfe nimmt zu, in sieben Bundesländern sind die Wildtiere heimisch. Doch mit ihrer Ausbreitung wachsen Sorgen und Probleme - mindestens fünf Tiere wurden zuletzt illegal getötet.

Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald (Archiv)
DPA

Wolf im Nationalpark Bayerischer Wald (Archiv)


Die Wölfe in Deutschland haben sich weiter vermehrt. 60 Rudel sind wissenschaftlich nachgewiesen, 13 mehr als vor einem Jahr. Das geht aus Daten des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor, die in Berlin vorgestellt wurden.

Insgesamt gehe man von 150 bis 160 erwachsenen Wölfen aus, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Durchziehende Tiere zählen die Experten nicht mit.

Den Angaben zufolge stieg zwar die Zahl der Rudel deutlich. Allerdings verringerte sich gleichzeitig die Menge der Wolfspaare von 21 auf 13. Auch die Zahl der sesshaften Einzelwölfe sank von vier auf drei. Aus diesem Grund wuchs die Zahl der erwachsenen Wölfe trotz des deutlichen Anstiegs der Rudel vergleichsweise wenig um etwa zehn bis 20 Tiere.

Illegale Tötungen und Straßenverkehr gefährden den Bestand

Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Beate Jessel, nannte die Zahlen insgesamt für den Naturschutz zwar erfreulich, "jedoch weist die Art noch immer eine insgesamt ungünstige Erhaltungssituation auf". Vor allem der Straßenverkehr gefährde den Wolfsbestand. Seit der Rückkehr des Wolfs im Jahr 2000 kamen 140 Tiere durch Verkehrsunfälle ums Leben. Aber auch illegale Abschüsse bedeuteten ein "erhebliches Problem". Seit 2000 wurden 26 Wölfe getötet, allein im jetzigen Berichtszeitraum fünf. Im Bericht davor gab es nur zwei illegale Tötungen.

Wolfsvorkommen in sieben Bundesländern

Land Rudel Paare territoriale Einzeltiere Status der Tiere unklar
Bayern 2
Brandenburg 22 3 3
Mecklenburg-Vorpommern 3
Niedersachsen 10 4 2 1
Sachsen 14 4 6
Sachsen-Anhalt 11
Thüringen 1
Summe
60
13
3
10

Quelle: Bundesamt für Naturschutz, Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes

Das Verbreitungsgebiet der Wölfe umfasst dem Bundesamt zufolge mittlerweile sieben Bundesländer. Die meisten Wölfe gibt es in Brandenburg und Sachsen. Aber auch in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Bayern und Niedersachsen leben wieder Wölfe.

Umweltschützer kritisierten den Umgang mit den Wölfen als nach wie vor unzureichend, insbesondere auch Vorhaben, Wölfe mit ins Jagdrecht aufzunehmen. "Wir brauchen keine Wolfshatz", erklärte die Leiterin des Bereichs Naturschutz beim WWF, Diana Petzell. Stattdessen sei Prävention und eine schnelle, unbürokratische Kompensation von Wolfsübergriffen auf Weidetiere nötig.

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Raubtier Wolf: Rückkehr in den Süden Deutschlands

Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller erklärte, für das alltägliche Zusammenleben von Mensch und Wolf bleibe die Anwendung eines flächendeckenden und fachgerechten Herdenschutzes in Wolfsgebieten unerlässlich. "Auch im Jahr 17 der Wolfsrückkehr fehlt es in Deutschland an einem nationalen Herdenschutzzentrum", kritisierte Miller.

"Es kann nicht sein, dass der Wolf erst in allen Flächenbundesländern anwesend sein muss, damit sich das Landwirtschaftsministerium der Sorgen der Nutztierhalter, insbesondere in der extensiven Weidehaltung, annimmt und klare Regelungen, Unterstützung und die Ausbildung in Sachen Herdenschutz forciert", fügte er hinzu.

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Der Wolf war in Deutschland vor 150 Jahren ausgerottet worden. Doch es gibt die Tiere wieder, seit im Jahr 2000 ein Paar aus Polen zuwanderte. Seitdem breiten sie sich immer weiter aus, was zunehmend zu Konflikten führt. Die Tiere sind strengstens geschützt. Es ist verboten, sie einzufangen oder gar zu töten.

Über den Umgang mit Wölfen, die Menschen zu nahe kommen oder Nutztiere reißen, entbrannte in den vergangenen Monaten eine zunehmend heftige Auseinandersetzung. Zudem wird darüber gestritten, ob der Wolfsbestand inzwischen groß genug ist, um den Schutzstatus eventuell zu lockern. Dabei ist auch eine Bejagung im Gespräch.

joe/dpa



insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
willibaldus 22.11.2017
1.
Schön, dass Wölfe wieder da sind. Problemwölfe müssen aber trotzdem abgeschossen werden können. Die Gesamtzahl hält sich in Grenzen, die Probleme auch. In meiner Gegend war viele Jahre eine Wölfin. Zu Anfang hat sie es in die Zeitung geschafft mit gerissenen Schafen. Die folgenden Jahre hat man gar nichts gehört. Kaum jemand wusste davon. Ist aber wohl kürzlich vom Auto überfahren worden, schade drum. Ich sehe eine grössere Gefahr von Wildschweinen ausgehen. Bei grösserer Populationsdichte braucht es aber staatliche Regelungen, sowohl eine Anpassung im Jagdrecht als auch bei Kompensation und Schulung von Nutztiereignern.
sucher533 22.11.2017
2. Abstand
Wölfe sind Raubtiere, die auf Grund Ihrer Größe und Jagd im Rudel potentiell gefährlich für Menschen sind. So lange die Wölfe sich sich von Menschen fernhalten und nicht in dichter besiedelten Gebieten ihr Revier suchen, sehe ich kein Problem. Als Brandenburger möchte ich aber nicht eine anwachsende Population erleben, die einen Waldspaziergang im Winter zum Risiko werden läßt, weil die Wölfe mich oder meine Kinder in ihr Beuteschema mit aufnehmen - dann lieber "Waidmannsheil - halali - Wolf tot".
ffmfrankfurt 22.11.2017
3. @Abstand
Absoluter Blödsinn, dass Wölfe gefährlich für Menschen sind. Mit diesen Aussagen schüren Sie unnötig Ängste und damit Befürworter des Abschusses.
themistokles 22.11.2017
4.
Zitat von willibaldusSchön, dass Wölfe wieder da sind. Problemwölfe müssen aber trotzdem abgeschossen werden können. Die Gesamtzahl hält sich in Grenzen, die Probleme auch. In meiner Gegend war viele Jahre eine Wölfin. Zu Anfang hat sie es in die Zeitung geschafft mit gerissenen Schafen. Die folgenden Jahre hat man gar nichts gehört. Kaum jemand wusste davon. Ist aber wohl kürzlich vom Auto überfahren worden, schade drum. Ich sehe eine grössere Gefahr von Wildschweinen ausgehen. Bei grösserer Populationsdichte braucht es aber staatliche Regelungen, sowohl eine Anpassung im Jagdrecht als auch bei Kompensation und Schulung von Nutztiereignern.
Was sind denn für Sie "Problemwölfe"? So etwas wie der "Problembär Bruno", der eigentlich nie ein Problem war? Wölfe sind im Gegensatz zur Märchenanschauung äußerst scheue Tiere, die nur im absoluten Ausnahmefall in der Nähe von Menschen gesichtet werden. Darüber hinaus reden wir hier von einer Populationen, die in ihrer Gesamtzahl immer noch lächerlich ist im Vergleich zum deutschen Bundesgebiet. Nach wie vor kann man völlig ohne Angst vor dem Wolf in den Wald und auf die Wiese gehen. Wesentlich gefährlicher ist übrigens ein Zusammentreffen mit Wildschweinen. Und im Gegensatz zum Wolf sind diese in einigen Dörfern und Großstädten (!) wirklich zu einem Problem geworden. An alle Schafherdenbesitzer ist übrigens noch zu richten: Der Wolf war vor ihnen da und Teil der ursprünglichen, heimischen Tierwelt. Heutzutage gibt es zahlreiche Abwehrmaßnahmen gegen den Wolf und darüber hinaus noch das einfache Schutzmittel Herdenhund. Gerissene Tiere werden übrigens durch das Land/ den Bund ersetzt. Aktuell gibt es überhaupt keinen Grund, einen Wolf zu schießen.
liebski74 22.11.2017
5. zum Kommentar 2
Die Wahrscheinlichkeit das Wölfe Menschen angreifen ist mehr als nur extrem gering. Auch wenn man sie im Winter im Wald jemals überhaupt zu sehen bekommen könnte. Normale Wölfe sind extrem scheu. Selbst ihr in Kanada gibt es seit Jahrhunderten nicht einen Fall, das Wölfe in der Wildnis jemals einen Menschen angefallen haben. Wenn mal je einen echten Wolf in freier Wildbahn sehen sollte, kann man sich eigentlich nur glücklich schätzen.
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